Griechenland
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epa04591070 A man walks past a screen displaying a chart with the evolution of the Greek stock index in Athens, Greece, 28 January 2015. Greek stocks were in freefall on the Athens bourse during 28 January's session, three days after the election of a leftist, anti-bailout government in Greece. One hour before the close of session, the general index had shed 8.61 percent and stood at 716.04 points, dragged down by a collapsing banking sector where losses exceeded 20 percent and extremely negative sentiment in the bond market, where the yield on Greece's three-year bond shot up to 16 percent.  EPA/ORESTIS PANAGIOTOU

Die Finanzmärkte in Griechenland durchlegen düstere Zeiten.  Bild: EPA/ANA-MPA

Abkehr vom Sparkurs

Griechenlands Finanzmärkte brechen ein

Anleger stossen Staatsanleihen ab, Bankaktien verlieren dramatisch an Wert: Die Finanzmärkte in Griechenland sind abgestürzt - eine Reaktion auf die Pläne der neuen Regierung.

Ein Artikel von

Spiegel Online

Die Anleger in Griechenland haben negativ auf die ersten Pläne der neuen Links-Rechts-Regierung reagiert, die Finanzmärkte des Landes stürzten ab. Sowohl die Aktien als auch die Kurse von Staatsanleihen erlitten starke Verluste. Besonders hart traf es die Banken, die an der Börse bis zu 30 Prozent an Wert verloren. Der Aktien-Leitindex ASE in Athen brach zeitweise um fast neun Prozent ein.

Seit dem Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza unter Führung von Alexis Tsipras hat sich der Aktienwert der National Bank of Greece fast halbiert. Die Aktionäre der Piräus Bank müssen seit Wochenbeginn ebenfalls einen dramatischen Kursverfall verkraften. Die Anteile der Alpha Bank und der Eurobank Ergasias sanken um 43 und 41 Prozent im Wert.

Auch der Handel mit griechischen Staatsanleihen war betroffen, viele Anleger stiessen ihre Papiere ab. Die starken Verkäufe führten zu fallenden Kursen. Im Gegenzug stiegen die Renditen kräftig. Bei Papieren im freien Handel mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg die Rendite um 0.92 Prozentpunkte auf 10.15 Prozent.

«Kein Bruch» mit Geldgebern

Am Mittwoch hatte die neue Regierung von Ministerpräsident Tsipras eine Abkehr vom bisherigen Sparkurs bekannt gegeben. Demnach sollen Privatisierungen gestoppt und der Beamtenapparat wieder aufgestockt werden. Ausserdem hat Tsipras in seinem Kabinett Giannis Varoufakis, einem scharfen Kritiker der Sparpolitik, die Zuständigkeit für Finanzen gegeben. Das beunruhigt die Anleger.

Tsipras forderte nun Gespräche mit den internationalen Geldgebern über eine Neuregelung des 320 Milliarden Euro grossen Schuldenberges. Griechenland wünsche «keinen Bruch» mit den Geldgebern, werde aber auch «keine Unterwerfung» akzeptieren, sagte Tsipras bei der ersten Sitzung seines Ministerrates in Athen.

Auch der EU-Währungskommissar Pierre Moscovici sagte gegenüber der französischen Zeitung «Le Parisien», die Kommission wolle es nicht zu einem «Bruch» kommen lassen. «Die EU-Kommission und die EU sind bereit zu einem weniger aufdringlichen Austausch (mit Athen) als in der Vergangenheit, zu weicheren Formen der Zusammenarbeit», so der französische Sozialist gegenüber der Zeitung «Le Parisien».

Standard & Poor's droht bereits

Finanzminister Varoufakis bezeichnete die Aufnahme von immer mehr Krediten als aussichtslos. «Dieses Schneeballsystem muss aufhören», sagte er. Die Geldgeber haben Griechenland seiner Meinung nach «zu viel Geld» geliehen. «Wir brauchen einen europäischen New Deal», sagte er weiter. Die Griechen werden künftig «nur das ausgeben, was sie verdienen».

Die Entwicklung in Griechenland wird von den Ratingagenturen kritisch beäugt: Standard & Poor's (S&P) droht nach dem Regierungswechsel damit, ihr Rating für das Land noch weiter in den Ramschbereich zu senken. Die vorgeschlagene Wirtschafts- und Budgetpolitik der neuen Regierung sei teilweise nicht mit den Abmachungen zwischen früheren griechischen Regierungen und den Gläubigern des Landes vereinbar, begründete S&P den Schritt. Die Agentur stuft das Land derzeit mit «B» ein.

Wenn die neue Regierung sich mit den Gläubigern nicht auf weitere finanzielle Unterstützung einigen könne, schwäche dies die finanzielle Lage sowie die Kreditwürdigkeit des Landes, so S&P. Auf dem bisherigen Höhepunkt der Eurozonen-Krise im Jahr 2011 hatte die Agentur Griechenland bereits auf 'CC' abgesenkt.

bka/dpa (spiegel.de)



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