Grosse Fragen

Dieses ideale Spiegelbild einer idealen Frau ist die absolute Ausnahme.  Bild: shutterstock

Verfluchte Selbst-Reflexion! Spiegel sind überall und HASSEN unsere guten Seiten

Achtung, wer Sommerloch-Texte blöd findet, soll hier nicht weiterlesen. NICHT! 

24.07.16, 10:42 25.07.16, 12:33

Ich habe Frauen gefragt und Männer. Die Männer haben gesagt: Nö, kennen wir nicht. Oder: Hmmm, vielleicht ein bisschen, also, doch, jaja. Die Frauen haben gesagt: Kennen wir total gut, es ist die Hölle. Ganz besonders im Sommer.

Nämlich die Sache mit den Spiegeln. Sie verfolgen uns. Wahrscheinlich sind sie so präpariert worden, dass sie automatisch unsere Blicke auf sich ziehen. So wie das besonders schöne Menschen auch tun.

Nur geht's bei den Spiegeln um das Gegenteil. Wir schauen in sie hinein, weil wir an das Gute im Spiegel glauben. Sie aber zeigen uns zuverlässig die schlechteste Seite von uns selbst. Und ganz besonders im Sommer. Wenn mehr Haut draussen ist. Und mit ihr: das darunter lauernde Fett (ganz gewiss vergrössert sich der Fettanteil unter Sonneneinstrahlung!), die Dellen, Flecken, unterentwickelten Muskeln. Und so weiter.

In «Black Swan» schaut Natalie Portman in zu viele Spiegel und dreht durch. Ein sehr realistisches Szenarium.

Spiegel sind Spiegel. Schaufenster, die Sonnenbrillen der anderen, Autoscheiben sind Spiegel. Überhaupt Autos, sie sind sowas wie die Discokugeln des Strassenverkehrs – Spiegel innen und aussen und so viel glänzendes Metall! Badezimmerplättli, Backofentüren und Kochtöpfe spiegeln uns wider. Computerscreens und TV-Bildschirme im Ruhezustand sowieso. Oder diese Kameras am Eingang von Supermärkten, die machen, dass man sich sofort auf einem Bildschirm sieht.

Schon 1964 an der Expo in Lausanne sucht diese Dame nach absolut jeder Möglichkeit zur Selbstbetrachtung. Bild: KEYSTONE

Ein Smartphone ist sowieso immer ein Spiegel. Die schönsten, weil schlanksten und minimal unscharfen Selfies gibt's, wenn man sich selbst in einem Spiegel spiegelnd fotografiert. 

Wer oft in den Spiegel schaut, setzt sich selbst unter Stress und entwickelt allmählich eine Selbstwahrnehmung wie Magersüchtige. Irgendwann fühlt man sich dann so krankhaft unzufrieden wie die Königin im «Schneewittchen» und beginnt, Auftragskiller auf vermeintlich Schönere anzusetzen. Tolle Aussichten. Missen- und Model-Massaker werden die Folge sein. Und: Wir sind unsere NSA. Ständig besessen vom Reflex nach Selbstreflexion.

Hier Charlize Theron als Schneewittchens böse Königin: Der Spiegel explodiert ihr ins Gesicht, sie dreht durch.
bild: universal

Briten und Amerikaner raten deshalb zum «Mirror Fasting», zum Spiegelfasten. Kann man machen. Geht so schnell so schief wie Ferien vom Internet. Unter all den Selbsterfahrungsberichten im Netz findet sich keine Beschreibung einer erfolgreichen Spiegelabstinenz. Alle werden rückfällig.

Was also kann man tun? WAS TUN? Darüber reden? Sich so lang vor einen Spiegel setzen, bis man sich selbst so ankotzt, dass man sich übergibt und reflexartig bei jedem Spiegel ... ? Nein, falsch, too much. Narziss aus der Sage hatte es einfach: Erblickte sich selbst im Wasserspiegel und war verliebt. Allerdings hörte er dann über all der Selbstbetrachtung auf zu essen, wurde magersüchtig und starb. 

Der selbstverliebte Narziss und die verzweifelt in ihn verliebte Nymphe Echo. bild: wikipedia

Apropos Wasserspiegel: Erklären wir ihn doch zum einzig wahren Spiegel, gerade im Sommer. Zusammen mit dem Alkoholspiegel. Etwas selbst induzierter Kontrollverlust hilft sicher. Ein Drink vor Sonnenuntergang, vom Zehnmeter springen, Sex. Was der Sommer halt so zu bieten hat. Hinter den Spiegeln. Wo das Wunderland des Wohlbefindens anfängt.

Das könnte dich auch interessieren:

Israelischer Professor zum Trump-Entscheid: «Jerusalem war nie das Hindernis für Frieden»

Dieser Schweizer Soldat musste gerade durch die Französisch-Hölle – aber sowas von

«Bilder von unten» – 12 Leute erzählen, was sie auf Tinder und Co. nicht sehen wollen

Darum lehnt der Bundesrat «No Billag» ab – die 5 wichtigsten Argumente im Überblick

Klopp lässt seinen Penalty-Frust an den Reportern aus

Trump macht Jerusalem zur Israel-Hauptstadt – die Nahost-Eskalation in 9 Punkten erklärt

«So etwas macht man nicht» – FDP-Boss Gössi kritisiert Geheimtreffen vor Juncker-Besuch

Warum nach einem Amoklauf in den USA noch viel mehr Menschen starben

Diese Obdachlosen haben vielleicht ihr Zuhause verloren – nicht aber ihren Humor

8 Katzen, die sich den Sommer mit sehnlichst zurückwünschen

Jahre des Zorns – was der Palästinenser-Aufstand bedeutet

Vom Meister ausgezeichnet – Die besten Parker-Weine fürs Fest

Bitte, Nintendo, diese 15 Games gehören auf einen Game Boy Classic Mini!

O du schreckliche! Das Bullshitbingo für das Weihnachtsessen mit deiner Familie

Alle Artikel anzeigen

Und wie gebuildet bist du? 24 Gründe für (oder auch gegen) Beach Bodys.

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
10
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Mietzekatze 25.07.2016 14:12
    Highlight Wenn "Sich so lang vor einen Spiegel setzen, bis man sich selbst so ankotzt, dass man sich übergibt und reflexartig bei jedem Spiegel" das der Fall ist... Wieso ändert man sich nicht bis man sich gefällt? Ich hatte ziemlich krasses Übergewicht und mir erging es auch so.. Ich habe mein Spiegelbild gehasst! Aber ich habs geändert.. Viel Sport und etwas mehr Aufmerksamkeit dem Essen geschenkt.. Heute bin ich stolz auf das was ich geschafft habe und mag was ich im Spiegel sehe! Unser Körper und Gesundheit ist unser höchstes Gut.. Wir sollten beginnen mehr darauf zu achten.
    2 0 Melden
  • herschweizer 25.07.2016 08:12
    Highlight Man sollte vergessen wie man aussieht... Interpretation der eigen optischen Wirkung kann listig sein
    2 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 24.07.2016 15:29
    Highlight Mein Spiegel ist die SelbstREFLEXION.
    1 7 Melden
    • Gelöschter Benutzer 24.07.2016 15:47
      Highlight Ich liebe es, meine Interaktionen meines Selbst mit der Umwelt zu reflektieren.
      2 8 Melden
  • Luca Brasi 24.07.2016 12:54
    Highlight Zum Glück bin ich ein Mann. 😉
    Wie sagte Al Pacino als Teufel in "The Devil's Advocate": "Eitelkeit, eindeutig meine Lieblingssünde!"
    Frauen wollen eben gesehen werden.
    2 4 Melden
    • rodolofo 24.07.2016 14:44
      Highlight Ja wir haben wirklich Glück, dass wir uns für den Bierbauch entschieden haben...
      14 1 Melden
  • rodolofo 24.07.2016 11:59
    Highlight Ich schlage vor, sich in anderen Menschen zu spiegeln.
    Schau ein Kind an, und Du wirst seine Kindliche Frische und Unbekümmertheit spiegeln! Das Kind hingegen wird etwas von Dir zurückspiegeln (immitieren).
    Aber wie die gnadenlos reflektierenden richtigen Spiegel, sind auch nicht alle Menschlichen Spiegel so toll...
    So mache ich ganz bewusst einen weiten Bogen um "Wutbürger", weil sie mich sofort aufwühlen und zornig machen, wenn ich sie anschaue.
    Da sind mir die gnadenlos ehrlichen und unmoralischen, richtigen Spiegel doch noch lieber...
    20 5 Melden
    • pamayer 24.07.2016 12:22
      Highlight Schön geschrieben! Danke.
      8 1 Melden
  • moana 24.07.2016 11:29
    Highlight :)
    52 0 Melden
    • Simone M. 24.07.2016 14:53
      Highlight Great!
      9 0 Melden

Cosplayerin Silja: «Ich inszeniere mich nur als starke oder Badass-Frau»

«Cosplayer sind hoffnungslose Träumer, die keine Freunde haben und sich darum in ihre Fantasiewelt flüchten» –  so das Vorurteil. Die Realität sieht anders aus.

An der Wand gegenüber dem Eingang lagern Rüstungsteile so gross, dass der Blick einen Moment fasziniert darauf haften bleibt. Daneben stehen ein Kleiderständer, ein Holzschrank und ein einfaches Regal, vollgestopft mit Sprühklebern, Styroporkugeln, Farbflaschen und Stoffbündeln. Diverse Schubladen und Kisten enthalten Kleinteile, bei denen man nur erahnen kann, wofür sie gut sind. Die einzigen zwei Fenster sind mit unzähligen vollgestopften Kisten verbarrikadiert. Ein Schlaraffenland …

Artikel lesen