Hongkong
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#UmbrellaRevolution

«Der Protest in Hongkong hat einen kritischen Moment erreicht»

19.10.14, 06:52 19.10.14, 14:30

Bei den Demonstrationen für mehr Demokratie in Hongkong ist es am Wochenende zu neuen gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Aktivisten und der Polizei gekommen. Drei Dutzend Menschen wurden verletzt, darunter laut Polizei 15 Beamte. 26 Menschen seien festgenommen worden.

Zwei Nächte in Folge setzten die Sicherheitskräfte Pfefferspray und Schlagstöcke gegen Aktivisten ein, die im Geschäftsviertel Mong Kok auf der Halbinsel Kowloon versuchten, neue Barrikaden zu errichten.

epa04453012 A truck collects debris from dismantled barricades and tents of pro-democracy protesters of the Occupy Central movement as Hong Kong police keep watch in the Mong Kok District of Hong Kong, China, 19 October 2014. Riot police clashed with pro-democracy protesters in Hong Kong's busy Mong Kok area for a second night late 18 October and early 19 October, with each side blaming the other for the violence.  EPA/ROLEX DELA PENA

Das Aufräumen nach der Schlacht in Mongkok. Bild: ROLEX DELA PENA/EPA/KEYSTONE

Dutzende Bereitschaftspolizisten drängten die Demonstranten am frühen Sonntagmorgen an einer Barrikade zurück und setzten dabei auch Schlagstöcke ein. Einige der Verletzten trugen Kopfverletzungen davon. Nachdem es bereits in den vergangenen Tagen zu gewaltsamen Polizeieinsätzen gekommen war, trugen einige der Demonstranten Helme und andere Schutzkleidung.

 «Wir haben nichts getan. Einige Leute hinter mir spannten ihre Regenschirme auf und dann fing die Polizei an, auf uns einzuschlagen. Wir haben uns nicht aggressiv verhalten»

Die Polizei erklärte, sie habe «minimale Kraft» eingesetzt, als Demonstranten sich den Polizeilinien genähert hätten. Der Bürgerrechtler James Hon warf den Einsatzkräften hingegen vor, genau dieses Prinzip missachtet und schwere Verletzungen der Demonstranten in Kauf genommen zu haben.

Teilnehmer der Kundgebung berichteten, sie seien grundlos attackiert worden. «Wir haben nichts getan. Einige Leute hinter mir spannten ihre Regenschirme auf und dann fing die Polizei an, auf uns einzuschlagen. Wir haben uns nicht aggressiv verhalten», berichtete der 30-jährige Jackie, der eine blutige Wunde am Kopf erlitt.

«Kritischer Moment»

Hongkongs Finanzchef John Tsang erklärte, die Proteste hätten einen «kritischen Moment» erreicht. Noch sei es aber nicht zu spät für einen Rückzug, appellierte er an die Demonstranten.

A still image taken from video filmed by Hong Kong newspaper Apple Daily shows several police officers appeared to be beating and kicking a handcuffed protester after dragging him to a dark corner next to a protest site in Hong Kong early October 15, 2014. Alan Leong, leader of Hong Kong's pro-democracy Civic Party, identified the person in the video as Ken Tsang Kin-chiu and said he was a member of the party. Hong Kong authorities said on Wednesday police involved in the beating of a pro-democracy protester would be removed from their positions after footage of the overnight incident went viral, sparking outrage from some lawmakers and the public.  REUTERS/Apple Daily  (CHINA - Tags: POLITICS BUSINESS CRIME LAW TPX IMAGES OF THE DAY CIVIL UNREST) NO SALES. NO ARCHIVES. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. HONG KONG OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN HONG KONG. TAIWAN OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN TAIWAN

Polizisten verprügeln einen Demonstranten. Bild: STRINGER/HONGKONG/REUTERS

Das Stadtviertel Mong Kok ist seit einigen Tagen Hauptbrennpunkt des Geschehens. Erst am Samstag hatten mehrere tausend Demonstranten ein Protestlager zurückerobert, das die Polizei am Freitag geräumt hatte. Auch dabei gab es heftige Zusammenstösse mit der Polizei.

Auch bei den anderen Protestlagern in Admiralty und Causeway Bay nahe des Regierungssitzes auf der Insel Hongkong, wo die meisten Demonstranten ausharren, kam es zu kleineren Zwischenfällen. 300 Zelte sind dort weiter aufgebaut.

Die Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungsregion dauern seit drei Wochen an. Auslöser sind die Pläne der kommunistischen Führung in Peking, zwar 2017 erstmals direkte Wahlen in der früheren britischen Kronkolonie zuzulassen, aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern.

Die Demonstranten fordern echte Demokratie. Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong unter chinesischer Souveränität als eigenes Territorium autonom regiert.

Gewalt überschattet geplanten Dialog

Die Zusammenstösse überschatten die Vorbereitungen für den geplanten Dialog zwischen Regierung und Demonstranten in dieser Woche. Die Verhandlungsführerin der Regierung, Verwaltungschefin Carrie Lam, sagte, die Gespräche würden am Dienstagnachmittag beginnen.

Die zweistündige Runde, die der Präsident der Universität Lingnan, Cheng Kwok-hon, moderiert, wird im Fernsehen live übertragen.

Der Studentenverband HKFS äusserte sich zunächst nicht zu dem Angebot. Einer der Führer der Protestbewegung, Lester Shum, sagte, die Bewegung werde nicht von den Strassen weichen.

Die Hoffnungen auf einen Durchbruch sind ohnehin gering. Denn auf die Hauptforderungen der Demonstranten wird die Führung in Hongkong kaum eingehen. Neben dem Rücktritt von Verwaltungschef Leung Chun Ying verlangt die Demokratiebewegung vor allem freie Wahlen. (sda/dpa/afp)



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