Hongkong
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Demonstranten räumen Barrikaden

Hongkongs Protestführer: Furcht vor Pekings Rache

Das Ultimatum zeigt Wirkung, die Demonstranten in Hongkong räumen die Barrikaden. Was kommt jetzt? Aktivisten warnen: Die intensive Nutzung von sozialen Netzwerken könnte den Regimegegnern zum Verhängnis werden. 

06.10.14, 12:46 06.10.14, 13:05

Ulrike Putz, Hongkong / Spiegel Online

Ein Artikel von

Es war wohl das prägende Bild der ausklingenden Proteste in Hongkong: Tausende meist junger Demonstranten reckten ihre Smartphones in die Höhe, sie hatten die Taschenlampenfunktion eingeschaltet: Nachthimmel, Wolkenkratzer, davor Tausende weisser Lichtpunkte. Das elektrische Lichtermeer zeigt: Ohne Handy ging bei diesen Protesten gar nichts. Die Geräte bestimmten nicht nur das Bild, sondern auch den Verlauf der Demonstrationen. 

Twitter, Facebook, WhatsApp, Instagram – auf allen Kanälen setzten die Jugendlichen ihre Nachrichten ab. Die meisten davon dürften Chinas Nachrichtendienste mitgelesen haben. Doch so richtig kümmerte das hier niemanden. Kaum ein Moment, an dem nicht jemand in der Stadt in einem der Netzwerke gegen Peking wetterte. Diese sind in Hongkong, anders als auf dem Festland, frei verfügbar. 

Die Zahl der Demonstranten ist kleiner geworden.  Bild: ALEX HOFFORD/EPA/KEYSTONE

Dabei könnten diese sorglosen Postings ernste Konsequenzen für die Jugendlichen haben, warnen erfahrene Aktivisten. Hongkongs Sonderrolle schütze die studentischen Demonstranten nicht vor Repressalien, sagt Leung Kwok Hung. Er ist unter dem Spitznamen «Langes Haar» bekannt, sitzt seit zehn Jahren in Hongkongs Stadtrat. Leung glaubt, dass die Jugendlichen ein erhebliches Risiko eingegangen sind. «Natürlich liest Peking mit, wenn die Jugendlichen hier tweeten. Ich denke, dass in diesen Tagen in Peking viele neue Akten über die Anführer der Proteste angelegt werden.» Den Facebook-Fotodienst Instagram hatte Peking auf dem Festland sicherheitshalber ganz gesperrt. 

Das Regime hat ein gutes Gedächtnis

Leung schildert seine Bedenken am Montagmorgen vor dem Regierungssitz von Hongkongs Regierungschef Leung Chun Ying. Die Sonne brennt bereits, «Langes Haar» sitzt unter einem schützenden Schirm in einem Faltstuhl, schaut auf seine Che-Guevara-Armbanduhr: Es ist halb neun am Morgen – und «Occupy Central» fast schon Geschichte. Nur noch etwa zwei Dutzend Menschen harren vor den Regierungsgebäuden aus. 

Die meisten Demonstranten sind den Drohungen der Polizei gefolgt – das Ultimatum des Verwaltungschefs ist offenbar angekommen. Sie haben ihre Sit-ins vor dem Wochenstart beendet, um einer Räumung durch die Sicherheitskräfte zuvorzukommen. Angestellte, die eine Woche lang nicht in die belagerten Gebäude konnten, kehren zurück zur Arbeit. Mittelschulen und Banken sind wieder geöffnet. 

China-Gegner Leung ist trotzdem voller Hoffnung: Über Tage hat die Demokratiebewegung die Stadt in Atem gehalten, Medien in aller Welt berichteten über die Strassenblockaden. Und endgültig Schluss soll noch lange nicht sein. Leung setzt darauf, dass sich die Protestbewegung nach einer Verschnaufpause wieder sammeln wird. 

Allerdings habe auch Peking einen «langen Atem», sagt Leung. Besonders die jungen Studentenführer könnten für Jahre auf den schwarzen Listen des chinesischen Regimes landen, so der Aktivist. Wie er selbst. Weil sich der 56-Jährige immer wieder für die Aufklärung des Massakers auf dem Tiananmen-Platz in Peking 1989 einsetzt, hat er für die Einreise nach China Auflagen erteilt bekommen. Selbst für China-Reisen in seiner Funktion als Stadtratsmitglied braucht er eine Sondergenehmigung. Schon mehrfach wurde ihm die Einreise auf das Festland verweigert. 

«Natürlich überwacht Peking die Geschehnisse»

Mit der sogenannten «Erlaubnis zum Besuch der Heimat» kann China unliebsame Hongkonger empfindlich treffen, sagt auch Patrick Poon von Amnesty International Hongkong. Viele Firmen in Hongkong machen einen Grossteil ihrer Geschäfte mit und in China. Wenn die derzeit noch studierenden Demonstranten später einen Job suchen, könnte ein Einreiseverbot auf das Festland zum Problem werden. 

Schon jetzt würden die Anführer der Regenschirm-Revolution von Handlangern des Regimes auf Facebook und anderen sozialen Medien belästigt und bedroht. Doch das könnte erst der Anfang gewesen sein. Amnesty-Mann Poon ist sich sicher: «Natürlich überwacht Peking die Ereignisse hier.»

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