Indien
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Erfolg für Hijras

Indien anerkennt Transsexuelle als drittes Geschlecht

15.04.14, 11:10 15.04.14, 14:09

Im konservativen Indien werden seit Dienstag Transsexuelle als drittes Geschlecht offiziell anerkannt und erhalten damit wichtige Minderheitenrechte. Vertreter der Transgender-Gemeinde bejubelten das Urteil des Obersten Gerichtshofes als historisch.

«Heute fühle ich mich zum ersten Mal stolz, ein Inder zu sein», sagte der Eunuch Laxmi Narayan Tripathi, der zu den Initiatoren des Falls zählt. Er gehört zu einer Gruppe von Aktivisten, die den Antrag vor zwei Jahren einbrachten. Die Transgender-Gemeinde habe sehr lange unter Diskriminierung und Ignoranz gelitten, sagte er am Dienstag. Eunuchen sind kastrierte Männer.

«Die Anerkennung von Transsexuellen ist keine soziale oder medizinische Angelegenheit, sondern es geht um Menschenrechte», erklärte Richter K. S. Radhakrishnan in der Urteilsbegründung. Das Gericht trug der Regierung auf, Transsexuelle als neutrales drittes Geschlecht zu identifizieren.

Auf dem Subkontinent weit verbreitet: die Hijras. Bild: AP

Alle Menschen, die sich als transgender definieren, sollen dies in Zukunft in offiziellen Dokumenten angeben können. Das Gericht in Neu Delhi wies die Behörden laut der Agentur IANS an, entsprechende Personal- und Fahrausweise sowie Lebensmittelkarten auszustellen.

Anspruch auf staatliche Hilfen

In Indien leben viele Transsexuelle als sogenannte Hijras in abgeschlossenen Gemeinschaften. Dazu gehören Menschen, die sich einer Kastration unterziehen, beide Geschlechtsmerkmale aufweisen oder sich als phänotypische Männer einer Gruppe anschliessen. Sie verdienen ihren Lebensunterhalt meist mit Singen und Tanzen oder Prostitution.

Das Gericht verfügte weiter, die Transgender-Gemeinschaften sollten als sozial und wirtschaftlich rückständig betrachtet werden. Damit haben sie Anspruch auf staatliche Hilfen, die auch niedere Kasten erhalten.

«Transsexuelle sind Bürger dieses Landes mit Anspruch auf Bildung und andere Rechte»

Richter in Indien

Dies umfasst leichteren Zugang zu Bildungseinrichtungen und Jobs, da ein bestimmter Prozentsatz für benachteiligte Gemeinschaften reserviert ist. «Transsexuelle sind Bürger dieses Landes mit Anspruch auf Bildung und andere Rechte», erklärte Richter Radhakrishnan.

Widersprüchliche Rechtsprechung

Das Urteil folgt einen Monat auf einen Richterspruch des selben Gerichtes, mit dem Homosexualität wieder verboten wurde. Die Entscheidung hatte zu massiver Kritik und Vorwürfen geführt, die Justiz führe das Land zurück ins 19. Jahrhundert.

Erst 2009 war Homosexualität in Indien aus der Illegalität geholt worden, als ein Gericht in Neu-Delhi ein Verbot von «widernatürlichem Sex» als Verletzung der Grundrechte verwarf. (kub/sda/dpa/afp)

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Aldo Bertozzi 15.04.2014 12:30
    Highlight Dem Richter K. S. Radhakrishnan in Neu Delhi ist in Kranz zu
    winden. Soviel Schneid würde dem einen oder anderen unserer Richter und Richterinnen auch nichts schaden.
    1 1 Melden

Ein Drummer aus Kalkutta ist der beste Koch Asiens. Again. Was uns ja kein bisschen wundert

Gaggan Anand ist 38, ein Schüler von Ferran Adrià und hat in wenigen Jahren mit indischer Küche eine der grössten Karrieren der Welt hingelegt. Sein Essen ist Kunst, die süchtig macht.

Februar 2014, die Proteste in Bangkok sind noch immer im Gang, die Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra noch immer im Amt. Kein einziges Taxi will uns aus der Altstadt zum Lumpini Park, dem Zentrum des Protests, bringen. Gaggan Anand twittert uns, wir sollen die Hochbahn nehmen und uns nicht fürchten. Er selbst ist da gerade noch in Singapur. Wo er zum drittbesten Koch von ganz Asien gekürt wird. 

Google-Map, dessen Bangkok-Karte perfekt über die sensiblen Protest-Gegenden informiert, …

Artikel lesen