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Gedenken an die Opfer des Anschlags auf die Rawda-Moschee. Bild: EPA/EPA

Terror in Ägypten – der Plan des «IS» geht auf

305 Menschen sind tot, viele Kinder, viele Alte: Mit dem Anschlag auf die Rawda-Moschee erklärt der «IS» der ägyptischen Gesellschaft den Krieg. Staatschef Sisi reagiert hart – und hilft so den Extremisten.

28.11.17, 01:30 28.11.17, 13:47

Dominik Peters, Christoph Sydow

Ein Artikel von

Der Haufen Sandalen am Eingang zur Rawda-Moschee zeugt von dem Grauen, das sich am Freitag in dem Gebetshaus abgespielt hat. Die Gläubigen hatten die Schuhe vor dem Freitagsgebet ausgezogen. Der Imam begann gerade seine Predigt, als Geländewagen mit schwarzen «IS»-Flaggen und insgesamt rund zwei Dutzend bewaffneten Terroristen vorfuhren. Sie zündeten mehrere kleinere Sprengsätze und eröffneten das Feuer auf die Betenden.

Es ist der verheerendste Terroranschlag in der Geschichte Ägyptens. 305 Menschen wurden nach offiziellen Angaben getötet, 128 verletzt. 28 Tote waren zehn Jahre oder jünger. 160 Todesopfer waren älter als 60. Zehn Familien verloren Männer aus drei Generationen: Grossvater, Vater und Sohn. Insgesamt ist etwa jeder vierte Bewohner des Dorfes Rawda am Freitag getötet worden.

Angriff auf die Sufis

In der Moschee hatten sich vor allem Sufis versammelt. Der Sufismus ist eine mystische Strömung innerhalb des Islams. Millionen Ägypter fühlen sich einem von Hunderten Sufi-Orden zugehörig. Salafisten und andere radikale Islamisten betrachten die Sufis als Häretiker, weil sie Verstorbene als Heilige verehren und weil Tanz und Musik im religiösen Leben der Sufis eine wichtige Rolle spielen.

Die Terrormiliz «Islamischer Staat» («IS») hat in den vergangenen Jahren mehrfach Sufis auf der Sinai-Halbinsel angegriffen. Im November 2016 enthaupteten die Dschihadisten den 96-jährigen Sufi-Scheich Suleiman Abu Heraz, der selbst in Rawda gelebt hatte. Im Januar dieses Jahres veröffentlichte der «IS» in seinem englischsprachigen Propagandamagazin «Rumiyah» ein Foto von Abu Heraz' Enthauptung. Dazu sprach die Terrororganisation eine konkrete Drohung gegen den Sufi-Orden in Rawda aus, der «ausgelöscht» werden müsste.

Palästinenser solidarisieren sich mit den Opfern des Anschlags. Bild: EPA/EPA

In den vergangenen Wochen hatte der «IS» laut Dorfbewohnern seine Drohungen verstärkt. Nachdem Anwohner vor drei Wochen mehrere «IS»-Milizionäre festgesetzt und an die Sicherheitskräfte übergeben hatten, habe die Terrororganisation das Dorf vor einer weiteren Zusammenarbeit mit den ägyptischen Behörden gewarnt. Zudem seien die Dorfbewohner in Flugblättern aufgerufen worden, sich vom Sufismus abzuwenden. Ausserdem hätten vermummte Kämpfer seit Jahresanfang zweimal den Sufi-Scheich Hussein al-Garir in seinem Haus in Rawda überfallen.

Doch die ägyptischen Sicherheitskräfte haben diese Warnungen offenbar nicht ernst genug genommen. Die Regierung in Kairo betrachtet die Beduinen des Sinais seit jeher als Bürger zweiter Klasse. Seit dem israelischen Rückzug von der Halbinsel 1982 gelten sie manchen Ägyptern gar als fünfte Kolonne Israels, schliesslich hatten viele Beduinen in den 15 Jahren der israelischen Besatzung mit den Israelis kooperiert.

Endloskrieg auf dem Sinai

Die Folge: Die riesige Region wurde jahrzehntelang vernachlässigt, besonders die Menschen im Norden leiden unter den Folgen: Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die ärztliche Versorgung vielerorts katastrophal – idealer Nährboden für Extremisten. Einige mächtige Beduinenstämme haben deshalb in den vergangenen Jahren für unterschiedliche Islamistengruppen gearbeitet oder sich diesen zeitweise sogar angeschlossen.

Die Moschee am Tag nach dem Anschlag. Bild: EPA/EPA

Um den Endloskrieg auf dem Sinai zu beenden, mindestens aber um die Terroristen effektiv zu bekämpfen, schickte die ägyptische Armee in den vergangenen Jahren grosse Truppenverbände und Spezialeinheiten an die Mittelmeerküste des Sinais.

Bislang fokussierten sich die Streitkräfte in ihrem Kampf gegen Islamisten vor allem auf das Gebiet zwischen der Provinzhauptstadt Arisch und Rafah, der Grenzstadt zum Gazastreifen. Die Rawda-Moschee aber liegt weit davon entfernt, an den Ausläufern der von Flamingos, Pelikanen und Möwen bevölkerten sumpfartigen Bardawil-Lagune. Die Moschee in diesem ruhigen Naturschutzgebiet war der ideale Anschlagsort - bis zum Wochenende unbekannt, nun wird weltweit berichtet. Der Plan der Extremisten geht auf.

Sisi wiederholt Mubaraks Fehler

Staatschef Abdel Fattah el-Sisi reagiert, wie er immer reagiert. Er kündigt Vergeltung und Gewalt an. Doch genau diese Politik hat Ägypten an den Abgrund geführt. Als in den Neunzigerjahren militante Islamisten das Land mit Terrorangriffen gegen Touristen, koptische Christen und Sicherheitskräfte überzogen, reagierte das damals herrschende Mubarak-Regime mit einer rücksichtlosen Militäroperation gegen islamistische Hochburgen in Oberägypten. Mit der Folge, dass die Terroristen noch mehr Zulauf bekamen.

Nun wiederholt sich das gleiche auf dem Sinai. Seit 2014 hat das Militär den Norden der Halbinsel praktisch abgeriegelt, fliegt die Armee Luftangriffe, wird eine ganze Provinz unter den Generalverdacht gestellt, Terroristen zu unterstützen.

Staatschef Sisi behauptete nach dem Anschlag von Rawda, das Attentat zeige die «Schwäche und Unfähigkeit» der Terroristen. Das Gegenteil ist richtig: Der «IS» auf dem Sinai wird immer mächtiger. So mächtig, dass er am helllichten Tag 300 Menschen in einer Moschee töten kann, ohne dass es eine Spur von den Tätern gibt.

«Historisches Verbrechen» im Juni 2017:

Video: watson/Nico Franzoni

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Brikne, 20.7.2017
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48Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 28.11.2017 15:39
    Highlight Mit den üblichen, sich gut verkaufenden Nachrichten über Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Folter und Katastrophe haben wir nebenbei noch einige interessante Dinge über den Sufismus erfahren...
    DAS wäre doch mal eine mit den Menschenrechten und mit Demokratie kompatible Islam-Variante!
    Und die ist ja nicht mal klein, wenn Millionen von Ägyptern bei solchen Sufis mitmachen!
    Bei uns in der Schweiz haben wir immerhin eine Million "Suuffis".
    Ist dieser spassige Beitrag unangebracht?
    Wenn wir nicht mehr lachen könnten, hätten diese bärtigen, humorlosen Terroristen des IS gesiegt...
    8 9 Melden
    • Saraina 28.11.2017 16:22
      Highlight Die Sufi-Orden sind nicht nur in Ägypten die Zielscheibe salafistischer extremistischer Gruppierungen. In Pakistan sind Anschläg auf Moscheen und Grabstätten keine Seltenheit, in Afghanistan ebenso. Die diversen salafistischen Gruppierungen in Irak und Syrien, insbesondere der IS, haben die Scheichs der Orden als erste massakriert und die Gedenkstätten geschändet. Tassawuf, oder Sufismus war und ist ein integraler Bestandteil des traditionellen Islams der vier Rechtschulen, und nicht eine Sonderform.
      15 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 28.11.2017 20:37
      Highlight Saraina
      Die Sufis werden aber von konservativen Muslimen als Sekte angesehen.
      Sufis waren noch nicht so lange her auch politisch aktiv und nicht wenige Islamvordenker kamen aus dieser Tradition. Wobei man schon deutlich hinschauen muss, was unter Sufismus verstanden wird.
      5 2 Melden
    • Saraina 28.11.2017 22:46
      Highlight Es kommt darauf an, was du unter konservativen Muslimen verstehst. Osmanische Sultane ohne Mevlevis waren undenkbar, und ein so bedeutender Gelehrter wie Al-Ghazali, der sich gänzlich im traditionellen Islam bewegte, war Sufi. Etliche waren und sind auch Rechtsgelehrte. Abgelehnt werden sie von den Hanbaliten und den Salafisten, sowie von den Modernisten. Ihre Absenz macht den Islam eher trostlos.

      Und du hast Recht, etliche Scheichs waren bedeutende politische Führungsfiguren und nicht selten im Kampf mit der Obrigkeit oder den Kolonialisten. Imam Schamil und Emir Abdal Kader zum Beispiel.
      2 0 Melden
    • Saraina 29.11.2017 08:55
      Highlight Ein umfassender, interessanter Artikel zum Thema, leider in Englisch:

      https://www.theatlantic.com/international/archive/2017/11/airbrushing-sufi-muslims-out-of-modern-islam/546794/
      3 0 Melden
    • rodolofo 29.11.2017 09:03
      Highlight @ Saraina
      Immer wieder höre ich in Diskussionen, dass die rigiden und Lust-feindlichen Strömungen im Islam modernere Phänomene sind und dass die Islamisch geprägten Gesellschaften während einer Blütezeit im Mittelalter viel freizügiger, offener, toleranter und wissenschaftlich interessiert waren!
      Damals muss rund um das Mittelmeer herum eine Art "Mediterranes Lebens- und Gemeinschaftsgefühl" geherrscht haben, mit einem bunten Gemisch aus Völkern und verschiedenen Kulturen.
      Wenn wir den Terrorismus von Religiösen Fanatikern und von Militärdiktaturen überwinden, kommen wir wieder da hin!
      3 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 29.11.2017 16:49
      Highlight Die mittelalterliche islamische Kultur kann man sich auch anders vorstellen. Sie lebten von den harten Steuern, die Christen und Juden bezahlten, von Sklaverei in Afrika und Europa, durch Piraterie an den Mittelmeerküsten bis hinauf nach England. Ständig gab es irgendwo Krieg zwischen verschiedenen Emiren, Diktatoren und sonstigen Machthabern. Wahrlich eine bunte Welt mit mediterranem Lebens- und Gemeinschaftsgefühl!
      2 0 Melden
    • rodolofo 29.11.2017 19:11
      Highlight @ Rabbi Jussuf
      Okay, Du willst mal wieder kein gutes Haar lassen an dieser Islamischen Welt...
      Aber wenn ich Deine Schilderungen mit dem vergleiche, was wir über das Mittelalter in Zentraleuropa so alles erfahren mussten, von wegen Inquisition und Hexenverbrennungen, 30-Jährigem Krieg, Schlacht bei Moorgarten und so weiter, dann würde ich doch lieber die Mediterrane Variante mit viel Meer und Wärme vorziehen...
      Wir waren beide nicht mit dabei und können nur spekulieren, wie das war, damals.
      0 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 30.11.2017 09:55
      Highlight rodolofo
      Hexenverbrennungen? 30-jähriger Krieg?
      Das ist nicht Mittelalter. Aber das sind Peanuts.

      Man kann doch nicht die schlechten Seiten der einen mit der guten Seite der anderen Kultur vergleichen und dann noch so tun, als ob es nur diese beiden Seiten gäbe. Das ist naiv.
      1 0 Melden
    • Saraina 30.11.2017 13:06
      Highlight Inqisition, Rabbi, und Reconquista! Nicht umsonst flohen die bedrohten Juden ins islamische Nordafrika und das Osmanische Reich, wo man die hochgebildeten Leute mit Handkuss aufnahm. Und nicht nach Bern, Paris oder Frankfurt.

      Klar gab es Zeiten, in denen Fanatiker herrschten oder Kriege geführt wurden. Aber finster war das Mittelalter vor allem in Europa. Es gibt eben diese beiden Seiten in jeder Kultur, und du wirst nicht müde, auf die finsteren der islamischen Kulturen aufmerksam zu machen, das wirkt schon etwas ideologisch.
      1 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 30.11.2017 16:45
      Highlight Saraina
      Jetzt du auch noch?
      Ich habe doch nur auf die Idealisierung des islamischen Mittelalters reagiert - und nur stichwortartig. Es gäbe noch einiges mehr zu sagen!
      Du idealisierst auch! Die Flucht der Juden aus Spanien fängt nicht erst um 1450 an, sondern wesentlich früher aus dem islamischen Al Andaluz nach Spanien (Toledo, Sevilla, etc)! Das wird immer gerne vergessen. Erst die Reyes Catolicos machten eine Flucht der Juden aus Spanien nötig. Da sind wir aber bereits nicht mehr im Mittelalter.
      Geschichte ist halt nicht schwarz-weiss.
      1 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 30.11.2017 16:48
      Highlight Saraina
      Beantworte dir doch eine Frage: Warum sprechen die Sepharden in Istambul (und anderswo) Ladino und nicht arabisch oder aramäisch?
      1 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 30.11.2017 17:32
      Highlight Saraina
      In Genf gibt es auch Sepharden. Eine Familie heisst "deToledo". Das sind 1492 von Toledo nach Adrianopel (Edirne) ausgewanderte Juden, die bei sich ausbreitendem Antisemitismus im Osmanischen Reich von dort um 1850 nach Genf flohen.
      Das so als Zwischenbemerkung.
      0 0 Melden
    • Saraina 30.11.2017 18:09
      Highlight Was nichts anderes heisst, als dass sie 350 Jahre im Osmanischen Reich niedergelassen waren, und auch jederzeit Jerusalem besuchen konnten, bevor die Osmanen westlichem Einfluss unterworfen zum Antisemitismus fanden...

      Zu deiner Frage: aus dem gleichen Grund wieso Albaner im Osmanischen Reich albanisch sprachen, Kurden kurdisch und Griechen griechisch. Weil das Osmanische Reich ein Vielvölkerstaat war und jede Gemeinschaft ihre Identität wahrte und nach ihren Riten heiratete und begraben wurde.

      Relax, Mann. Es gibt nicht die absolut Guten und die absolut Bösen. Es gibt nur Gute und Böse.
      2 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 30.11.2017 22:48
      Highlight Saraina
      Blind?
      Die Sepharden sprechen Ladino, das ist sozusagen ein SPANISCHES Jiddisch. Das bedeutet, dass sie die Sprache der Spanier angenommen haben, vor denen sie ja angeblich geflohen sind, nicht aber der andalusischen Araber, wo sie ursprünglich herkamen. Da sprach man ganz sicher kein Spanisch. Sie kebten also mindestens 300 Jahre im christlichen Spanien! Auch das ein Fakt, der gerne ausgeblendet wird.
      1 1 Melden
    • Rabbi Jussuf 30.11.2017 22:57
      Highlight Saraina
      "bevor die Osmanen westlichem Einfluss unterworfen zum Antisemitismus fanden..."
      Auch hier, falsch. Der Grund, warum das Leben im os. Reich unmöglich wurde lag daran, dass unter Druck der Engländer und Franzosen die Dschizya abgeschaft wurde. Danach gab es keinen Grund mehr die Ungläubigen zu schützen und sie waren extremen Verfolgungen ausgesetzt. Das galt nicht nur für Juden, auch Christen waren davon betroffen, was im armenischen Völkermord gipfelte. Es ging also nicht um speziellen Antisemitismus (der dann später noch dazu kam), es ging um die Ungläubigen generell.
      1 1 Melden
    • Rabbi Jussuf 30.11.2017 23:09
      Highlight "Es gibt nicht die absolut Guten und die absolut Bösen." Eben! Aber dafür muss man die Geschichte schon ein wenig genauer anschauen. Hier jetzt die Osmanen. Es war nicht die osmanische Verwaltung, die den Hass auf Ungläubige schürte. Sie versuchte im Gegenteil zu schlichten und bei zu grossen Exzessen einzugreifen, was ihr kaum gelang, wenn die lokale muslimische Bevölkerung die Ungläubigen ermordete und vertrieb!
      1 1 Melden
  • sheshe 28.11.2017 09:10
    Highlight Wichtig ist die Unterscheidung Nord- und Südsinais. Der Sinai ist nicht einfach nur ein Drogen- und Waffenumschlagplatz organisiert durch Beduinenklans, wie es hier beschrieben wird. Der Norden hat mit dem Süden überhaupt nichts zu tun und die Lage im Süden ist nach wie vor stabil und sicher. Bitte, liebe Medien, macht diesen Unterschied! Ihr zerstört zahlreiche Existenzen, nur weil ihr die Angst vor dem Sinai im Westen schürt.
    9 8 Melden
    • Nosgar 28.11.2017 12:09
      Highlight Das stimmt natürlich, denn der Sinai ist riesig. Dennoch ist es in der Vergangenheit auch im Süd-Sinai zu Anschlägen gekommen und von Ausflügen ins Innere wie etwa zum Katharinen-Kloster wird abgeraten. Es ist einfach traurig, was aus Ägypten geworden ist.
      16 0 Melden
    • sheshe 28.11.2017 16:02
      Highlight Stimmt, das hat es, ist aber schon lange her (bis auf das russische Flugzeug). Tatsache ist, dass Buchungen für Sharm und Dahab/Nuweiba extrem rückläufig wurden und zwar deshalb, weil die EDAs der westlichen Länder Reisewarnungen aufgrund der Anschläge in Al-Arish etc. für den ganzen Sinai herausgegeben haben. Und genau das möchte ich damit anprangern. Ich habe zwei Jahre auf dem (Süd-)Sinai gelebt und kenne die Situation vor Ort sehr gut. Die Bewertungen unserer Kommentare spiegeln übrigens das Misstrauen der westlichen Gesellschaft gegenüber dem Sinai ziemlich gut wider.
      9 0 Melden
    • Nosgar 28.11.2017 16:23
      Highlight Ja, aber die Reisewarnungen des EDA sind immer auf extreme Vorsicht ausgelegt und heben jegliche Eventualitäten hervor. Lies die mal für ein paar nicht-europäische Länder durch und du wirst dich vor jedem Land jenseits Europas fürchten. Aber das EDA muss halt jede Möglichkeit in Betracht ziehen. Denn wenn mal was passiert, wird sonst mit dem Finger aus dieses gezeigt.
      11 0 Melden
  • Posersalami 28.11.2017 07:40
    Highlight „Er kündigt Vergeltung und Gewalt an. Doch genau diese Politik hat Ägypten an den Abgrund geführt.“

    Es ist erstaunlich, dass der Spiegel es schafft hier Ross und Reiter klar zu bennen, im Falle von NATO Kriegen, dee Flüchtlingskriese oder der Russlandpolitik aber unfähig zu dieser einfachen Erkenntnis ist. Doppelstandards in reinster Form.

    Hier gibts weitere Informationen zum Sinai und dem IS von einem Kenner der Region:
    https://www.journal21.ch/sinai-ohne-ende
    24 21 Melden
    • Kubod 28.11.2017 12:46
      Highlight @Posersalami
      Ist mir jetzt nicht ganz klar, was Du meinst.
      Gewalt und Vergeltung gibt es im Islam seit es die kriegerische Ausbreitung des Islam gibt. Spätestens seit der Shia, der gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Shiiten und Suniten um die "richtige" Nachfolge des Propheten. Beide islamischen Richtungen wiederum bekämpfen alle Andersgläubigen. Dazu brauchte es weder die Nato im Irak, noch die Russen in Syrien und Afghanistan. Ist einfach so, dass das Gemetzel seit 1400 Jahren systemimanent ist. Daran wird auch ein herbeifantasierter Euroislam nix ändern. Wir leben mit den Symptonen.
      12 9 Melden
    • Posersalami 28.11.2017 14:34
      Highlight "Beide islamischen Richtungen wiederum bekämpfen alle Andersgläubigen. "

      Unsinn
      6 18 Melden
    • ezclips 28.11.2017 15:41
      Highlight
      Stimmt nicht ganz Posersalami z.B. die Ahmadija sind eine Reformbewegung des Islams und werden von beiden Schiiten und Sunniten als Ketzer verfolgt
      Source:
      https://www.watson.ch/Wissen/International/408388807-Sunniten-und-Schiiten--Salafisten-und-Sufis--Das-«Who-is-Who»-der-islamischen-Gruppen
      http://www.ahmadiyya.ch/home/index.php/de/
      8 0 Melden
    • Posersalami 28.11.2017 16:38
      Highlight @ezclips: Die Verallgemeinerung ist eben einfach falsch. Punkt.

      Das es im Islam gewisse Strömungen gibt die wenig Tollerant sind ist mir durchaus bewusst aber es sind eben nicht wie behauptet alle. Ist es so schwer etwas zu differenzieren?
      4 8 Melden
    • Rabbi Jussuf 28.11.2017 17:10
      Highlight Die Ahmadija ist nur eine weitere Abspaltung. Mit Reform hat das wenig zu tun.
      Sowas passiert halt in einer Religion mit einem Gott und einer einzigen Wahrheit: Sie spaltet sich immer weiter auf und jede Sekte hat die einzig richtige Wahrheit gepachtet. Kennen wir ja aus dem Christentum. (Im Judentum gabs das auch.)
      Die einzige Möglichkeit da einigermassen Frieden herzustellen, ist die Religion zurück zu drängen > Säkularisierung. Das ist aber beim Islam besonders schwierig, da er keine Hierarchie kennt und sein Selbstverständnis keine Trennung von Religion und Staat zulässt.
      13 0 Melden
    • häfi der Spinat 28.11.2017 17:17
      Highlight Salami
      Hier noch etwas Lektüre, zwecks Weiterbildung:

      https://www.welt.de/kultur/article130645929/Frauen-sind-Freiwild-im-neuen-Aegypten.html

      In Ägypten hat die belästigung der Frau überigens "epidemische" Ausmasse angenommen.
      8 1 Melden
    • ezclips 28.11.2017 20:05
      Highlight Wenn man sich die Saudischen Schulbücher anschaut oder die Umstände in Pakistan in Bezug zu andersgläubigen oder Ketzer kennt, kann man Ihre Aussage/Meinung mehr als nur in Frage stellen.
      6 0 Melden
    • Posersalami 28.11.2017 21:18
      Highlight @häfi: Soll ich jetzt ein Gegenbeispiel posten?

      Akzeptieren sie bitte, dass es auch die andere Seite gibt. Und hören aue auf, den tolleranten und aufgeklärten Teil der Muslime ständig in die Nähe von Extremisten zu rücken. Niemand bestreitet, dass es auch faschistische Strömungen im Islam gibt.
      0 3 Melden
    • Saraina 28.11.2017 22:52
      Highlight Weder die Ahmadia noch die saudischen Schulbücher oder die Umstände in Pakistan oder Ägypten haben viel mit dem geschichtlichen, traditionellen Islam zu tun. In Saudi Arabien herrscht eine Sekte, die von den Briten zu Herrschern über die heiligen Stätten des Islams erhoben wurde, und die jetzt mit Hilfe der Amerikaner als "Führungsnation" der Araber mit "moderatem"Islam verkauft wird. Pakistan ist ein Abgrund von Korruption und ausländischen Interessen, Ägypten ebenso.

      So kann es ganzen Landstrichen ergehen, wenn sie nicht geeint und stark sind, und zum Spielball von Geopolitik werden...
      0 2 Melden
    • Rabbi Jussuf 29.11.2017 12:56
      Highlight Saraina
      Das stimmt nun nicht. Die Sauds haben sich selber zum Hüter der heiligen Stätten gemacht (eigentlich gegen die Engländer).
      Im sunnitischen Islam von Sekten zu sprechen, verfälscht das Bild (ausser viell. der Ahmadiya). Es handelt sich um Strömungen, mit leicht abweichenden Vorstellungen, aus denen dann sowas wie die Muslimbrüder, oder die Salafisten entstehen.
      Wer das nicht glaubt, soll einmal den allseits bekannten Brief der Professoren an den IS darauf hin untersuchen.
      1 0 Melden
    • Saraina 29.11.2017 14:08
      Highlight Die Wahabiten oder Salaf bewegen sich ausserhalb der vier traditionellen Rechtsschulen, lehnen diese ab, und sind durchaus eine Sekte. Die Muslimbrüder als Teil des politischen Islams, der die Moderne in den Islam integrieren will, sind eine zeitgenössische politische Strömung, welche nicht die Rechtsschulen und 1400 Jahre Tradition ablehnt. Ich habe noch keinen nicht-Salafisten getroffen, der diese Ideologie als Bestandteil des Mainstream-Islam sieht. Aber offensichtlich hat die Strömung mächtige Freunde, auch ausserhalb des Islams.
      0 1 Melden
    • Rabbi Jussuf 29.11.2017 15:53
      Highlight Saraina
      Leider wieder falsch.
      Wahabiten sind "Hanbaliten". Ebenso die Muslimbrüder. Nur bei den Salafisten gibt es unterschiedliche Ansichten bis zur Ablehnung der Rechtsschulen.
      Die Bezeichnung als Sekten ist meiner Meinung nach irreführend, weil dies das westliche Modell unterstellt mit klaren Abgrenzungen. Dies ist im sunnitischen Islam nicht gegeben, oder nur scheinbar, wie wir es eben an den Unterscheidungen der verschiedenen Bewegungen sehen. Inhaltlich sind kaum Unterschiede auszumachen.
      1 0 Melden
    • Saraina 29.11.2017 17:40
      Highlight Ob man den Sufismus, also eine spirituelle Schule mit dem Ziel der direkten Gotteserfahrung als integralen Teil des Islam ansieht, oder im Gegenteil diesen Aspekt verdammt und erklärt, das Blut der Sufis und ihrer Anhänger sei halal, man dürfe sie also ermorden, scheint mir ein gewichtiger inhaltlicher Unterschied. Wären die Unterschiede nicht vorhanden, müssten die Wahabiten nicht sämtliche geschichtlichen Baudenkmäler dem Boden gleich machen und mit Shopping Malls ersetzen, und gäbe es keine Anschläge des IS und anderer salafistischer Terrorgruppen gegen Sufis und ihre Moscheen.
      1 2 Melden
    • Posersalami 29.11.2017 18:34
      Highlight @Rabbi Jussuf: Ah, im sunnitischen Islam gibt es inhaltlich kaum Unterschiede? Sie waren wohl noch nicht in vielen sunnitisch geprägten Ländern. Gut, als Jude vielleicht auch nicht zu empfehlen. Dennoch könnten sie sich etwas Mühe geben und weniger blöd herumtrollen!
      1 2 Melden
    • Rabbi Jussuf 30.11.2017 09:59
      Highlight Poser
      Beispiele bitte! Dazu wurdest du ja schon aufgefordert. Gekommen ist nichts.
      Wer trollt da herum, wer?
      1 0 Melden
    • Rabbi Jussuf 30.11.2017 10:01
      Highlight Saraina
      Sufismus ist auch nicht wirklich festzumachen. Der hat eine Bandbreite von einer politischen Partei bis zu westlicher Esoterik.
      1 0 Melden
    • Posersalami 30.11.2017 12:42
      Highlight @Rabbi Jussuf: ZB. sind die Unterschiede der 4 Rechtsschulen der Sunniten gross. Alleine zB. in der Frage, woher das weltliche Recht abgeleitet wird, widersprechen sich die Schafiitische und die Hanafitische diametral. In der Praxis gibt es zahllose Unterschiede innerhalb der Gemeinschaften, Länder, Regionen. Der Islam in Indonesien wird zB. ganz anders gelebt als zB. in Ägypten. Reicht das erst mal als Beispiel, dass sie endlich damit aufhören ihren unerträglichen Hass zu verbreiten?
      0 1 Melden
    • Rabbi Jussuf 30.11.2017 16:34
      Highlight Poser
      Dann erklär du uns mal die Unterschiede zwischen schafiitischer und hanafitischer Herleitung des "weltlichen Rechts".
      Von der Praxis habe ich nichts gesagt, ist für den Inhalt nur wenig bedeutend.

      Und hör einfach auf mir Hass zu unterstellen.
      0 0 Melden
    • Saraina 30.11.2017 17:52
      Highlight Rabbi, wenn ich Sufismus sage, meine ich Tasawuf, die echte Sache, eingebettet in den Islam der Rechtsschulen, und nicht der westlich Sufi-Goofysmus. Der ist schon festzumachen, selbst die Überlieferungsketten reichen über Jahrhunderte zurück.
      Die Begriffsverwirrung gibt es eigentlich nur in
      Europa und den USA.
      1 1 Melden
    • Posersalami 30.11.2017 20:27
      Highlight @Rabbi Jussuf: Googeln sie dochh selbst. Es dürfte auch ihnen klar sein, dass 600 Zeichen nicht reichen um den Unterschied in diesem einen Punkt zu erklären.
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    • Rabbi Jussuf 30.11.2017 23:14
      Highlight Salami
      Das heisst für mich, der Poser hat keine Ahnung.

      Saraina
      Selbst in diesem Sufismus gibt es jede Menge verschiedene Richtungen und Traditionen. Einige sind anerkannt, noch mehr aber werden als Sekten angesehen (heute). Es gibt nirgendwo wirklich klare Grenzen. Das ist eben eine islamische (sunnitische) Eigenschaft.
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  • Wilhelm Dingo 28.11.2017 06:35
    Highlight Die betroffenen Menschen tun mir leid. Wieder ein gutes Beispiel, wo die Schweiz vermittelnd und unterstützend eingreifen könnte bevor es zu spät ist.
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    • Saraina 28.11.2017 11:44
      Highlight Und wie das? Im Moment läuft es gut für Al-Sisi. 300 Tote kratzen ihn nicht, Einwohner hat das Land eh genug und die Reichen sind gut geschützt. Der Westen ihm mit Waffen und Geld. Und die Schraube anziehen kann er mit dem Argument "Krieg gegen den Terror". Die Schraube anziehen muss er, weil die Bevölkerung wahrscheinlich nicht so Freude daran hat, dass Ägypten jetzt unter dem Segel Saudi Arabiens zu den Verbündeten Israels gehört. Mit dem salafistischen Islam hat Ägypten nömlich traditionell nichts am Hut, auch die Sufis nicht. Die werden von den Saudis verfolgt. Läuft also alles bestens.
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    • Rabbi Jussuf 28.11.2017 12:10
      Highlight Wo soll man denn da vermitteln?
      Zwischen einem korrupten Militärregime und Islamisten?
      Vergiss es!
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    • Wilhelm Dingo 28.11.2017 14:53
      Highlight @all: Ihr habt sicher Recht, dass die Lage ziemlich aussichtlos ist. Aber was sind die Alternativen?
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    • Rabbi Jussuf 28.11.2017 17:02
      Highlight Dingo
      Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass sich die Schweiz dabei in die Nesseln setzen würde.
      Friedliche Alternativen sehe ich keine.
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«We Muslims have one word for Jews»: Britische Muslime solidarisieren sich mit Juden

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