International

Mullah Omar ist seit 19 Jahren der Anführer der Taliban – Biografie berichtet über sein mysteriöses Leben und kratzt am Mythos

Von Mullah Omar gibt es nur wenige Fotos, die USA jagen ihn seit Jahren vergeblich. Die Taliban haben im Internet jetzt eine Biografie ihres geheimnisvollen Befehlshabers veröffentlicht. 

06.04.15, 08:19 06.04.15, 08:34

Ein Artikel von

Mullah Omar ist seit 19 Jahren der Anführer der Taliban – doch über den Afghanen ist kaum etwas bekannt. Er trat so gut wie nie öffentlich in Erscheinung, und es gibt nur sehr wenige Bilder von ihm. Der Mann, der von 1996 bis zum Einmarsch der alliierten Truppen unter Führung der USA im Oktober 2001 de facto der Staatschef von Afghanistan war, ist ein Mysterium. Die Taliban kratzen nun an diesem Mythos: Am Sonntag veröffentlichten sie nach Angaben der BBC eine 5000 Worte umfassende Biografie über Omar auf ihrer Website.

Wer ist Mullah Omar wirklich? Eine Biografie soll darauf antworten. Bild: AP

Die Biografie räumt mit umstrittenen Fakten über seine Geburt und Erziehung auf und liefert Details und Anekdoten aus seinem Leben. Demnach wurde Mullah Omar 1960 in der Provinz Kandahr im Süden des Landes geboren, sein Vater Moulavi Ghulam Nabi, ein angesehener Gelehrter und Person des öffentlichen Lebens, sei fünf Jahre nach seiner Geburt gestorben.

Den Angaben der Taliban zufolge habe Omar wegen des Einmarsches der Sowjetischen Truppen 1979 sein Studium beendet und wurde dann zum Gotteskrieger. Während der Kämpfe gegen die Russen habe Omar sein rechtes Auge verloren. 1996 wurde er zum Amir al-Muminin berufen, dem «Herrscher der Gläubigen». Seitdem führt er die Taliban in Afghanistan an.

Mullah Omar ist nicht tot

Die Taliban treten mit der Veröffentlichung zudem Spekulationen entgegen, Omar könne bereits tot sein. Der Anführer sei stets verbunden mit dem tagesaktuellen Geschehen in Afghanistan und der Welt, heisst es laut BBC in der Biografie. Zwar werde er «regelmässig vom Feind verfolgt», setze aber davon unbeeindruckt seine «dschihadistischen Aktivitäten» gegen die «ungläubigen ausländischen Invasoren» fort.

Der Aufenthaltsort Omars indes bleibt unklar. Die USA haben ein Kopfgeld von zehn Millionen Dollar auf ihn ausgeschrieben, mit Beginn des Krieges 2001 tauchte er unter und wird seither im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan vermutet, von wo aus er die afghanischen Taliban führen soll.

Analysten gehen laut BBC davon aus, dass die Taliban mit der Veröffentlichung auf die wachsende Bedeutung des «Islamistischen Staats» reagierten. Die Nachrichtenagentur AFP spekuliert, dass die Taliban damit die Abwanderung ihrer Kämpfer zum IS verhindern wollten.

(sun/AFP)

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 06.04.2015 13:20
    Highlight Die deutsche Sprache hat viele Worte, mittels derer Abscheu vor solchen Terroristen ausgedrückt werden kann. Für des Köpfen und Verbrennen von lebendigen Menschen im 21. Jahrhundert sind diese aber allesamt ungeeignet, da zu schwach.
    1 0 Melden

Die Zahl der Terroropfer auf der Welt geht zurück – einen Haken gibt es aber

Die Zahl der weltweiten Terroropfer ist im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge gesunken. Das geht aus dem Global Terrorism Index der Londoner Denkfabrik IEP (Institute for Economics and Peace) hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Demnach starben im vergangenen Jahr weltweit 25'673 Menschen bei terroristischen Anschlägen. Das waren 13 Prozent weniger als im Vorjahr und 22 Prozent weniger als noch 2014.

Angesichts der militärischen Niederlagen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) …

Artikel lesen