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People walk past the U.S. consulate in St. Petersburg, Russia, Friday, March 30, 2018. Russia announced the expulsion of more than 150 diplomats, including 60 Americans, on Thursday and said it was closing a U.S. consulate in retaliation for the wave of Western expulsions of Russian diplomats over the poisoning of an ex-spy and his daughter in Britain, a tit-for-tat response that intensified the Kremlin's rupture with the United States and Europe. (AP Photo/Dmitri Lovetsky)

Geschlossen: Das US-Konsulat in Sankt Petersburg. Bild: AP/AP

Die russische Antwort auf Diplomaten-Ausweisung durch den Westen: «Wie du mir, so ich dir»

Russland schliesst das US-Konsulat in Sankt Petersburg und verweist 60 US-Diplomaten des Landes. Es ist die nächste Stufe der Eskalation, die Fronten verhärten sich.

30.03.18, 10:14

Christina Hebel, Moskau



Ein Artikel von

60 US-Diplomaten müssen das Land verlassen: Am Donnerstagabend läuft im Staatsfernsehen das Banner mit der Eilmeldung ein. Nach dem landesweiten Trauertag für die Toten der Brandkatastrophe im sibirischen Kemerowo hat Aussenminister Sergej Lawrow Moskaus Antwort auf die Ausweisung russischer Diplomaten verkündet.

Nacheinander hatten 27 Staaten Vertreter Moskaus wegen des Giftangriffs auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal in Grossbritannien zu unerwünschten Personen erklärt. Eine bisher nie dagewesene gemeinsame Sanktionierung. Die will Russland, das alle Vorwürfe in dem Fall zurückweist, nicht auf sich sitzen lassen.

Russian Foreign Minister Sergey Lavrov prepares to speak to the media in Moscow, Russia, Thursday, March 29, 2018. Russia's foreign minister says Moscow will expel the same number of diplomats from the nations that have expelled Russian diplomats over the poisoning of an ex-Russian spy in Britain. (AP Photo/Alexander Zemlianichenko)

Der russische Aussenminster Sergej Lawrow. Bild: AP/AP

Die russische Reaktion fällt wie erwartet nach dem Motto «Wie du mir, so ich dir» aus. Sie konzentriert sich zunächst vor allem auf die USA, die verglichen mit den EU-Staaten - die nur ein bis vier Diplomaten ausweisen, was allenfalls als Symbolpolitik zu werten ist - die härtesten Massnahmen verhängten:

Lawrow erklärte ausserdem, US-Botschafter Jon Huntsman sei ins Aussenministerium einbestellt worden. Zudem würden Dutzende Diplomaten derjenigen Länder ausgewiesen, die Moskaus Vertreter zu unerwünschten Personen erklärt haben. Insgesamt sollen mehr als 140 Diplomaten aus 25 Ländern ihre Koffer packen. Konkret wird Lawrow aber am Abend nicht.

Deutschland hatte aus Solidarität für Grossbritannien vier russische Repräsentanten zu Persona non grata erklärt. Nun werden vier der rund 140 deutschen Diplomaten Russland verlassen müssen.

Die russischen Vergeltungsmassnahmen kommen nicht überraschend, hatten doch etliche Vertreter des Parlaments und des Aussenministeriums in Moskaus «spiegelhafte Reaktionen», also gleichwertige Antworten angekündigt.

Behauptungen und Lügen

Dass Moskau seine Reaktion dabei belässt, fügt sich in Russlands Umgang mit der Skripal-Affäre. Seit der ehemalige Spion mit seiner Tochter im englischen Salisbury am 4. März bewusstlos auf einer Bank gefunden wurde, hat Moskau nichts getan, um zur Aufklärung der Attacke beizutragen. Es hat sich als Opfer inszeniert, das auf die «Provokationen», wie es heisst, reagieren muss. Das stärkt das Bild von einem Russland, das von allen Seiten angegriffen werde - ein Bild, zu dem Präsident Wladimir Putin immer wieder greift, um die Einheit seines Landes zu beschwören.

«Russland ist höchstwahrscheinlich verantwortlich»

Video: srf

Statt konstruktiv mitzuwirken, verbreiten die politische Elite des Landes und Staatsmedien Behauptungen und Lügen darüber, wer hinter der Nervengiftattacke steckt: Mal soll Skripal Selbstmord begangen haben; mal soll es den nach britischen Erkenntnissen bei der Attacke verwendeten Kampfstoff Nowitschok in der Sowjetunion niemals gegeben haben (dem aber widersprechen drei russische Chemiker, die damals daran mitwirkten); mal hat man den Stoff doch besessen, aber alles sei zerstört; mal verfügen auch andere Staaten, darunter Grossbritannien und die USA, über den Stoff, die selbst für die Attacke verantwortlich sein sollen. Inzwischen zählt das britische Aussenministerium 25 unterschiedliche Versionen.

Es ist die altbekannte Strategie, die Russland bereits beim Abschuss der Passagiermaschine MH17 und bei der Annexion der Krim anwandte, und die vor allem einem dient: der Verwirrung. Am Ende ist scheinbar nichts mehr klar, und die Frage nach Russlands Rolle scheint irgendwo im Nebel der Halbwahrheiten zu verschwinden.

Geheimdiensterkenntnisse

Geholfen hat Moskau in der Skripal-Affäre, dass London öffentlich keine dezidierten Beweise vorgelegt hat, wie genau Russland für die Nervengiftattacke verantwortlich ist. Laut Grossbritannien wurden Julia und Sergej Skripal mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet, der in den Siebzigerjahren in der Sowjetunion produziert wurde. Das ist eine Indizienkette, mehr nicht. Die britische Regierung verweist auf Geheimdiensterkenntnisse, die sie mit einigen Ländern geteilt habe.

Eine solche Informationspolitik trägt nicht unbedingt zur Glaubwürdigkeit bei. Mehr noch: Grossbritanniens Strafmassnahmen gegen Moskau und die grossangelegte Diplomatenausweisung der anderen westlichen Staaten wirken nun eher so, als wolle man Moskau für seine Lügen und Behauptungen bestrafen.

epa06634974 (FILE) - Police stand outside of an address believed to be the home of former Russian spy Sergei Skripal in Salisbury, Britain, 06 March 2018 (re-issued 28 March 2018).  Media reports state that Metropolitan Police believes that Skripal and his daughter initially came in contact with a nerve agent at Skripal's home in Salisbury. The highest concentration of the agent had been detected at the house's front door. Skripal and his daughter are in intensive care after allegedly being exposure to the substance. The former Russian intelligence officer, who had been sentenced to 13 years in prison on charges of spying for the the Britain and later in 2010 was exchanged in a spy swap. Sergei Skripal and his daughter Yulia Skripal on 04 March were found unconscious on a bench in The Maltings shopping centre Salisbury. Police sealed the bench and closed a restaurant, in which he was seen eating. Both remain in a critical condition in intensive care.  EPA/NEIL HALL

Polizisten vor dem Haus des Ex-Agenten Skripal. Bild: EPA/EPA

Und so verhärten sich die Fronten immer weiter - und beide Seiten nehmen für sich in Anspruch, nur auf die jeweils andere zu reagieren. Nach den zahlreichen Sanktionen und Gegensanktionen, mit denen man sich zuletzt überzog, werden nun Vertreter gegeneinander aufgewogen: Diplomat um Diplomat.

Die Frage ist, zu welchen Massnahmen der Westen greifen wird, wenn etwa nach den Untersuchungen der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) tatsächlich Beweise für ein russisches Mitwirken im Fall Skripal vorliegen würden?

Die USA und Grossbritannien haben sich dies explizit offen gehalten. Auch Lawrow tut dies am Donnerstag: «Fürs Erste ist das alles», sagte er. Fürs Erste.

So tickt Putin – privat wie politisch

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Brikne, 20.7.2017
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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • psylo 30.03.2018 19:30
    Highlight Ach, diese Diplomatenausweisungen. Ist wohl nicht mehr eine kindliche Zankerei. Wenn Grossbritannien an einer richtigen Massnahme gegen russische Machenschaften interessiert wäre, hätten sie mal ein paar londoner Konten von Putin nahestehenden Oligarchen eingefroren. Und wenn der Kremlin nichts mit der Vergiftung zu tun hätte, hätte er sich für eine schnelle und länderübergreifend kooperative Aufklärung des Mordes eingesetzt.
    7 13 Melden
    • Sebastian Wendelspiess 31.03.2018 16:06
      Highlight Wie soll er das den? Wie wärs wenn die Briten das selber mal erst aufklären bevor wild beschuldigt wird?
      2 2 Melden
    • psylo 31.03.2018 18:33
      Highlight Sebastian, hier ein paar Punkte: Offenheit bezüglich Nowitschok und dessen Herstellung (zB gibt es diese Stoffklasse gemäss offiziellem russischen Bericht an die OPCW gar nicht). Aufhören mit der ewigen Verwirrungstaktik (zB Berichte von Lebensmittelvergiftung o.ä.). Und vielleicht keine Raketentests zu dieser diplomatisch eher prekären Zeit. Aber ja, ich warte ungeduldig auf die unabhängige Untersuchung der OPCW.
      1 1 Melden
  • Watson=Propagandahuren 30.03.2018 17:58
    Highlight Wenn Russland reagiert wird von "nächster Stufe der Eskalation" gesprochen.
    Beim Auslöser sprach man noch von vernünftiger Reaktion.
    Und es gibt Leute die sind blind genug das nicht zu bemerken und machen mit beim anheizen des Topfes.
    16 5 Melden
    • roger.schmid 30.03.2018 23:19
      Highlight @bullshit: Der Auslöser war der Mordanschlag des Kremls..

      Und es gibt Leute die sind blind genug nicht zu bemerken, dass sie auf Kremlpropaganda hereinfallen und machen mit bei deren Verbreitung..
      3 6 Melden
  • AJACIED 30.03.2018 12:34
    Highlight Richtig so.
    9 7 Melden
  • leu84 30.03.2018 12:32
    Highlight Dieses Gebaren weltweit ist ein Kindergarten
    8 3 Melden
  • laska 30.03.2018 11:06
    Highlight Es scheint, dass viele vergessen haben, welche Leiden Kriege verursachen. Anders kann ich mir dieses Drehen an der Eskalationsschraube nicht erklären. Dass die hiesigen Medien das Ganze mit ihrer einseitig gegen Russland gerichteten Berichterstattung noch unterstützen ist schlicht beschämend. Erinnern wir uns an die vielen Lügen, mit welchen Kriege begonnen wurden, insbesondere der Irakkrieg.
    114 32 Melden
    • Ollowain 30.03.2018 12:43
      Highlight Der Spiegel ist ja schliesslich das Propaganda-Blatt der westlichen Eliten. Anderes kann man von diesem Blatt nicht erwarten, SPON hat sich schon lange von richtigem Journalismus verabschiedet. Hier geht nur um Geopolitik und das Beeinflussen der Schäfchen.

      Ich gebe dir völlig recht, unheimlich wie naiv solche Menschen sein müssen. Aber fürs Imperium bedeutet Krieg Wirtschaftswachstum. Das Imperium darf aus ihrer Sicht nicht zusammenbrechen.
      22 7 Melden
    • Caturix 30.03.2018 12:57
      Highlight Russland einfach der Hauptverantwortliche, Sie haben Jahrelang nichts gegen die Koruption und Armut im Land unternommen, immer der selbe President und die selbe Partei ist auch schlecht. Da sind sie selber Schuld und nicht der Westen. Auch an der Eskalation sind sie selber schuld. Die Krim die ihnen nicht gehört, einmischen in Syrien... das ist auch auf Ihrem Mist gewachsen.
      Russland hat nach dem Ende des Komunissmus einfach alles falsch gemacht.
      7 24 Melden
    • psylo 30.03.2018 16:51
      Highlight Dieser stetige Vorwurf der einseitig antirussischen westlichen Berichterstattung hört sich an wie eine Keule. Kannst du diesen Vorwurf auch mit etwas Substanz untermauern?
      12 18 Melden
    • Sebastian Wendelspiess 31.03.2018 16:10
      Highlight @psylo wo warst du die letzten Jahre? Syrienkrieg, Ukrainekrise, Russiagate, Hacking-Vorwürfe etc.
      3 1 Melden
    • psylo 31.03.2018 18:20
      Highlight Sebastian, und um meine Frage jetzt tatsächlich zu beantworten: welche Berichterstattung über die von dir genannten Konflikte und Krisen war denn so antirussisch? Und um noch ein bisschen Whataboutismus zu betreiben: wie steht es denn mit der antiwestlichen Berichterstattung in Russland?
      1 3 Melden
  • Chefs United 30.03.2018 11:04
    Highlight Frage mich gerade was das wohl für die bevorstehende WM bedeutet?
    Politisch sehr angespannt aber zum Fußball spielen besuchen die westlichen Länder dann doch Russland. Wohl nicht alle, sollte man meinen.
    40 7 Melden
  • Hugo Wottaupott 30.03.2018 10:34
    Highlight Vermute die Diplomaten werden nur gegenseitig ausgewiesen damit niemand auf die Idee kommt weitere zu meucheln.
    9 18 Melden

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