International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bild: EPA DPA

900 Euro und zwei Stunden Zeit: So leicht kommen Terroristen an eine Kalaschnikow

Woher hatten die Pariser Attentäter ihre Waffen? Und wie haben sie sich im Vorfeld ausgetauscht?

17.11.15, 07:32 17.11.15, 07:49

Sven Altermatt / Aargauer Zeitung



Viele Fragen sind offen, vieles ist noch unklar. Die Erkenntnisse zu den Hintergründen der Pariser Attentäter verdichten sich allerdings. Es ist wahrscheinlich, dass die Angreifer nicht nur vom Islamischen Staat (IS) inspiriert, sondern auch von diesem gesteuert waren. Darauf deuten das organisierte Vorgehen und die Ausstattung der Täter: Neben Sturmgewehren trugen sie Sprengstoffgürtel der identischen Bauweise. Das lässt auf Hintermänner mit Kenntnissen in Selbstmordterror schliessen. Roland Popp vom Zentrum für Sicherheitsstudien an der ETH Zürich, sagt: «Solche Anschläge brauchen wenig Vorbereitung und sind deshalb auch nur schwer zu entdecken.»

Das Gewehr und sein Erfinder: Michail Kalaschnikow und eine AK-47.
Bild: EPA

Die Sprengstoffgürtel wurden nach Einschätzungen aus französischen Sicherheitskreisen von einem Spezialisten angefertigt. Der Selbstmordterror wird als «Kriegsführung für Arme» bezeichnet. Wie die Pariser Angreifer an ihre Waffen kamen, ist derzeit nicht bekannt. Klar ist: Gerade Sturmgewehre sind leicht und günstig zu beschaffen. Selbst in den hoch regulierten Ländern Europas ist dies für Extremisten nicht allzu schwer. Eine Untersuchung von Europol zeigt: In einer europäischen Grossstadt lässt sich eine Kalaschnikow innert zwei Stunden auftreiben – für 900 Euro.

Ausgefeilte Kommunikation

Bis zu 67 Millionen illegale Schusswaffen soll es Schätzungen zufolge in Europa geben. In vielen Staaten des ehemaligen Jugoslawiens zerfielen die Sicherheitsapparate mit dem Ende des Bürgerkrieges. Waffen sind seither auf dem Schwarzmarkt für wenig Geld zu haben. Es blüht die Korruption: Aus dem Balkan gelangen Waffen in kleinen Mengen per Auto über die Grenzen. Europol spricht von «Ameisenschmuggel». Manche Schmuggler scheuen sich nicht vor Geschäften mit Terroristen. Denn was die Käufer mit den Waffen anstellen, scheint ihnen schlicht egal. Extremismus trifft so auf organisierte Kriminalität.

Aber wie haben die Attentäter ihre Tat geplant? Ihre Kommunikation war jedenfalls so ausgefeilt, dass sie von den Geheimdiensten unentdeckt blieb. Tatsächlich finden Terroristen immer Wege, sich auszutauschen. Der belgische Innenminister Jan Jambon warnte jüngst etwa: Potenzielle Täter könnten sogar Spielkonsolen wie die «Playstation 4» nutzen und in Games über Sprach-Chats kommunizieren.

Ebenso operieren Terroristen oft dezentralisiert. Es gibt keine Treffen oder keine Anrufe. Für ETH-Forscher Roland Popp ist darum auch klar: «Der Islamische Staat weiss genau, dass die elektronische Kommunikation abgeschöpft wird.» So verständlich die Rufe nach einem Ausbau der Überwachung sind – man müsse sich auch die Frage stellen, ob dieser wirklich zusätzliche Sicherheit bringe. 

Unsere Artikel zu den Anschlägen in Paris

Video zeigt Festnahme von Salah Abdeslam – weiterer Komplize von Paris-Attentätern identifiziert

Die Namen des Horrors von Paris

«Eagles of Death Metal»-Frontmann nach Auftritt im Bataclan: «Jeder sollte eine Waffe haben»

6 Indizien dafür, dass der IS schwächer ist, als wir dachten

Und die Geheimdienste nach den Paris-Anschlägen so: Wir haben versagt, gebt uns mehr Macht

#SprayForParis: Die nicht ganz legale Solidarität aus der Dose

«Wir nannten sie Cowboy-Frau» – Wer war die Selbstmordattentäterin von Saint-Denis?

Anonymous will IS-Terroristen mit Trojaner​ in die Falle locken

«Daesh»: Ein Wort im Krieg – ein Wissenschaftler erklärt, wie Sprache Macht ausübt

Offener Brief an Obama: Ex-Piloten geben Drohnenkrieg Mitschuld am Terror

Warum es den IS zur Weissglut bringt, wenn Hollande und Obama ihn «Daesh» nennen

Drei (!) Trottel schreiben was auf Facebook und «20 Minuten» macht daraus: «Schweizer Extremisten feiern Attentäter» – vielen Dank!

Mit diesen Liedern verarbeiten watson-User die Anschläge von Paris

Gericht sagt Nein zu Netzsperren

«Für die Muslime ist klar, dass die Anschläge nichts mit der Religion zu tun haben» – Höchster Muslim der Schweiz warnt vor Stigmatisierung

IS-Zelle in Winterthur? «Daran besteht kein Zweifel mehr»

Das Ziel des Islamischen Staats ist eine blutige Apokalypse

Das sagt der Bruder von Salah und Ibrahim Abdeslam zum Attentat

Eine Rückkehr zu mehr Nationalismus kann den Terror nicht bekämpfen – unser Fortschritt schon

900 Euro und zwei Stunden Zeit: So leicht kommen Terroristen an eine Kalaschnikow

Anschlag beim Stade de France: Wie die Behörden eine Massenpanik im Stadion verhinderten

Die Attentäter von Paris: Terroristen der Generation Syrien

«Man hat wirklich gedacht: Ich sterbe jetzt. Hoffentlich tut's nicht weh und es geht schnell»

Über 2,5 Millionen Likes: Dieser emotionale Facebook-Post einer Bataclan-Massaker-Überlebenden geht um die Welt

Was ist wann und wo passiert? – Die Chronik der Pariser Terrornacht

Paris ist nicht sicher, wir sind nicht sicher – und damit werden wir leben müssen

Handy-Video zeigt, wie Menschen aus dem Club Bataclan fliehen (Achtung: Schockierende Szenen!)

Terrorserie in Paris: An sieben Orten gleichzeitig schlugen die Attentäter zu

«Zum Teufel mit dir, Tod!» – Das sagt Karikaturist Joann Sfar zu den Anschlägen

Video: Hier stürmt die Polizei das Bataclan

Augenzeuge des Bataclan-Massakers: «Es war ein Blutbad»

IS-Anhänger bejubeln die Anschläge von Paris

«Hier in Paris fragen sich jetzt alle: Warum immer wir?»

Von Bologna bis «Charlie Hebdo»: Die schlimmsten Terroranschläge in Europa

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
19
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • atomschlaf 17.11.2015 09:02
    Highlight Selbstmordterror ist nicht einfach "Kriegsführung für Arme" wie im Artikel behauptet wird. Ohne die entsprechende religiöse Grundlage würde sich kaum jemand finden, der sich für ein solches Himmelfahrtskommando zur Verfügung stellt.
    16 6 Melden
    • wololowarlord 17.11.2015 10:35
      Highlight Ich würde religiös noch durch ideologisch austauschen...
      6 2 Melden
    • Alex_Steiner 17.11.2015 13:42
      Highlight Öffnen sie Google und suchen sie nach Kamikaze.
      3 4 Melden
    • atomschlaf 17.11.2015 13:53
      Highlight @Steiner: Es geht hier um die heutige Realität, nicht um alte Geschichten aus dem 2. Weltkrieg.
      4 5 Melden
    • Alex_Steiner 17.11.2015 14:12
      Highlight @atomschlaf: Aha... damals war nunmal ne andere Zeit. Damals war selbstmord noch cool und deswegen haben sie es gemacht. Aber heute ist es voll aus der Mode, darum machen das nur noch Leute aus religiösen Gründen. Habs kapiert...
      4 3 Melden
    • atomschlaf 17.11.2015 14:16
      Highlight @Steiner: Anders gefragt: Sind Dir seit dem Ende des 2. Weltkriegs nennenswerte Selbstmordattentate bekannt, die nicht von Moslems verübt wurden?
      Wenn ja, wie viele?
      Wie viele wurden im gleichen Zeitraum von Moslems verübt?
      Merkst Du was?
      3 4 Melden
    • Alex_Steiner 17.11.2015 15:17
      Highlight Ja, ich merke das du zu faul bist Google selbst zu benutzen. Ja es wurden Selbstmordattentate von nicht Moslems verübt. Aber das reicht dir ja nicht.

      Es gab einige Amokläufer die sich danach selber erschossen haben = Selbstmordattentat. Tamil Tigers auf Sri Lanka -> https://de.wikipedia.org/wiki/Liberation_Tigers_of_Tamil_Eelam usw.
      2 2 Melden
    • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 17.11.2015 15:34
      Highlight @atomschlaf: Nur weil moment eine statistische Mehrheit der Selbstmord-Attentäter muslimischen Hintergrund hat, kann man nicht sagen, es ist etwas typisch Muslimisches.
      Rechner selber, falls es 1000 Attenate gab in den letzten 10 Jahren, so wäre das nicht mal jeder Millionste Moslem. Und somit nicht repräsentativ für den Islam als Ganzes.
      1 1 Melden
    • _kokolorix 17.11.2015 17:53
      Highlight ihr streitet euch über haarspaltereien. ob ideologie oder religion, das problem ist immer das die menschen lieber etwas vorgekautes glauben als selber zu denken.

      zum thema kamikaze gibt es einen schönen film:
      http://movietubenow.me/movie/eternal-zero-flight-of-no-return

      dort wird klar dargestellt, dass das auch viel mit gruppendynamik, erwartungsdruck und mobbing zu tun hat.
      0 0 Melden
    • Alex_Steiner 18.11.2015 11:11
      Highlight @_kokolorix: aber nichts mit Religion. Darum geht es hier in dieser Diskussion. Er behauptet das nach dem zweiten Weltkrieg praktisch keine Selbstmordattentate mehr von nicht Moslems begannen wurde.
      "Zwischen 1980 und 2000 führten die Black Tigers 168 Selbstmordangriffe aus, bis zum 30. Juni 2007 starben 322 Black Tigers auf ihren Missionen."
      1 0 Melden
    • atomschlaf 18.11.2015 12:36
      Highlight @Steiner: Danke für die Zahlen. Wusste ich nicht.
      Ändert aber nichts daran, dass in jüngerer Zeit der weitaus grösste Teil der Selbstmordattentate von Moslems verübt wird. (Gemäss unten verlinkter Quelle von 2007 über 95%.)
      Und ebenfalls hinreichend dokumentiert ist, dass ein wesentlicher, wenn nicht der Hauptanreiz für solche Taten durch die Religion bzw. die entsprechende Auslegung des Koran geschaffen wird. (72 Jungfrauen, etc.)
      http://www.webcitation.org/query?url=http://www.threatrate.com/MEDIA/THEEVERCHANGINGPROFILEOFTHESUICIDEBOMBER/tabid/83/Default.aspx&date=2012-09-16
      1 1 Melden
    • Alex_Steiner 18.11.2015 16:21
      Highlight @atomschlaf: Und? Ich weiss wie viele Selbstmordarrentate passiert sind. Du hast gesagt das es ohne Religion fast niemand finden würde. Aber es gab doch einige. Das ist das einzige was wir hier besprechen. Und das mit dem Googlen solltest du nochmal üben. Mit ganz merkwürdigen Quellen kommst du da... Wie wärs mit der: http://cpostdata.uchicago.edu/search_new.php
      1 1 Melden
  • dracului 17.11.2015 08:00
    Highlight Die aktuelle Manie, dass sich jedes Land noch mehr Freiheiten zur Bespitzelung nimmt (inkl. Schweiz) bringt nichts. Terroristen finden immer einen (neuen) Weg zur Kommunikation und zu Attentaten! Es gibt nur einen Weg zur Verbesserung der Situation: Die Menschen brauchen etwas, wofür es sich zu leben lohnt und das man beschützen will. Nachdem der Westen so viel Länder in die Steinzeit zurückgebombt hat, ist das Potential für Terrorismus unerschöpflich. Nur eine Hilfe zum Wiederaufbau kann den Terrorismus besiegen und sogar auch die Leute dazu bewegen, dass sie nicht mehr flüchten müssen!
    64 7 Melden
    • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 17.11.2015 08:20
      Highlight Bin voll gleicher Meinung. Wenn schon müsste man vor Ort Truppen hinschicken, die aber reine Polizeiarbeit machen, Infrastrsuktur aufbauen, Sicherheit für alle bieten und die Wirtschaft ankurbeln.
      17 2 Melden
    • herschweizer 17.11.2015 09:02
      Highlight Wenn das so einfach wäre...
      5 0 Melden
    • Tsunami90 17.11.2015 09:25
      Highlight Aber das Falsche zu tun nur weil es einfach ist, macht es nicht richtig!
      6 0 Melden
    • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 17.11.2015 09:26
      Highlight @herschweizer: ach so! Der Herr wünscht eine einfache Lösung! Eine die nichts kostet und uns keine Flüchtlinge beschert. Aja und der Lebensstandard soll auch gleich bleiben.....
      Wir in der Schweiz gehören zu den 10% der reichsten und wohlhabensten Menschen der Welt. Unsere Verantwortung gegenüber den restlichen 90% zu ignorieren, das ist einfach. Aber es wird uns früher oder später alles kosten.
      11 7 Melden
    • chrach 17.11.2015 09:58
      Highlight "Die totale Überwachung ist fehlgeschlagen - wir brauchen mehr Überwachung!"
      1 0 Melden
    • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 17.11.2015 15:26
      Highlight Wir brauchen die gleiche totale Überwachung wie die USA! Weil dort gibt es seit 9/11 keine "islamische" Massaker. Alles nur noch schulhäusliche und rassistische Massaker. Was für ein Erfolg!
      2 1 Melden

Marine Le Pen muss 300'000 Euro ans EU-Parlament zurückzahlen

Frankreichs rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen muss dem Europaparlament rund 300'000 Euro zurückzahlen. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg lehnte eine Klage Le Pens ab. Es gebe keine Beweise dafür, dass Le Pens bezahlte Mitarbeiterin tatsächlich am EU-Parlament tätig war.

Die Chefin der französischen Partei Rassemblement National - bis vor kurzem Front National (FN) - und ehemalige EU-Abgeordnete konnte aus Sicht der Richter nicht nachweisen, dass ihre Mitarbeiterin von 2010 bis 2016 …

Artikel lesen