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«Wir nannten sie Cowboy-Frau» – Wer war die Selbstmordattentäterin von Saint-Denis?

Hasna Aït Boulahcen war lebenslustig, trank Alkohol, vor zwei Jahren führte sie noch ein Bauunternehmen. Nun hat sie sich als erste Frau im Namen des IS in die Luft gesprengt.

Christoph Sydow



Ein Artikel von

Spiegel Online
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Dem Hass verfallen: Hasna Aït Boulahcen.

Als die Polizei die Terroristen in ihrer Wohnung in Saint-Denis umzingelt hat, greift Hasna Aït Boulahcen zu einer List. «Helft mir, helft mir», ruft die Frau den Einsatzkräften von einem Fenster aus zu. Offenbar will sie sich als Opfer der Dschihadisten darstellen. Kurz darauf verschwindet Aït Boulahcen wieder im Zimmer.

Die Beamten versuchen die Wohnung zu stürmen. Laut Augenzeugen ist die Frau das erste Mitglied der Terrorzelle, das bei der Razzia mit einer Kalaschnikow auf die Polizisten feuert. Die Spezialkräfte versuchen mit ihr zu sprechen. «Wo ist dein Freund», rufen sie der Frau zu. «Er ist nicht mein Freund», entgegnet sie. Sekunden später zündet Aït Boulahcen ihre Sprengstoffweste.

Die Wucht der Explosion bringt die Decke der Wohnung zum Einsturz, die Fenster fliegen aus den Angeln. Ein Teil des Kopfes und der Wirbelsäule von Aït Boulahcen werden später auf der Strasse vor dem Haus gefunden. Das Haar der Frau soll blond gefärbt gewesen sein. Möglicherweise eine Tarnung: Die Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass sie weitere Anschläge in Paris geplant hatte – das Geschäftsviertel La Défense und der Flughafen Orly gelten als mögliche Ziele.

Anti-Terror-Razzia in Saint-Denis, Paris

Geschäftsführerin eines Bauunternehmens

Weil der Anti-Terror-Einsatz ihre Pläne zunichte machte, wollte Aït Boulahcen mit der Detonation ihrer Sprengweste offenbar noch möglichst viele Polizisten mit in den Tod reissen. Der Versuch schlug fehl, die Beamten kamen bei der Razzia mit leichten Verletzungen davon.

Doch mit der Explosion wurde Aït Boulahcen zur ersten islamistischen Selbstmordattentäterin in Europa und zur ersten Selbstmordattentäterin der Terrororganisation «Islamischer Staat» (IS) überhaupt. Sie soll die Cousine von Abdelhamid Abaaoud sein, dem Drahtzieher der Anschläge von Paris. Abaaoud kam bei dem Polizeieinsatz in Saint-Denis ums Leben.

Aït Boulahcen wurde im August 1989 in Clichy-la-Garenne geboren, einem Vorort am nordwestlichen Stadtrand von Paris. Ihre Eltern waren in den Siebzigerjahren aus Marokko eingewandert, sie selbst besass beide Staatsbürgerschaften. Im Mai 2013 wurde die junge Frau laut Eintrag im Handelsregister Geschäftsführerin von Beko Construction, einem kleinen Bauunternehmen in Épinay bei Paris.

Paris nach den Anschlägen

Wahrscheinlich war Aït Boulahcen nur eine Strohfrau, es gibt keinen Hinweis darauf, dass sie die Firma tatsächlich leitete. Laut Registereintrag war sie zu dieser Zeit in Creutzwald an der Mosel gemeldet, einer Kleinstadt direkt an der deutschen Grenze, die gut 400 Kilometer von Épinay entfernt liegt. Nach sieben Monaten gibt sie die Verantwortung für Beko Construction ab, im Februar 2014 wird das Unternehmen liquidiert.

«Sie hat Alkohol getrunken»

Einwohner von Creutzwald sagten der Regionalzeitung «Le Républicain Lorrain», sie hätten Aït Boulahcen zuletzt vor etwa fünf Jahren gesehen. Sie erinnern sich an eine Frau, die extrovertiert und «ein bisschen verpeilt» gewesen sein soll. «Sie wirkte wirklich nicht wie eine Selbstmordattentäterin. Sie hat Alkohol getrunken», sagte ein junger Ex-Nachbar. «Wir haben sie die Cowboy-Frau genannt, weil sie immer einen grossen Hut trug», erinnert sich ein anderer.

Irgendwann in den vergangenen Jahren muss sich Aït Boulahcen dann radikalisiert haben. Die belgische Zeitung «DH» hat ihr inzwischen gelöschtes Facebook-Profil ausgewertet. Demnach veröffentlichte sie in dem sozialen Netzwerk Lobeshymnen auf Hayat Boumedienne, die Lebensgefährtin von Amedy Coulibaly. Dieser hatte im Januar dieses Jahres vier Menschen in einem jüdischen Supermarkt in Paris erschossen, bevor er selbst getötet wurde. Boumedienne soll ihrem Freund bei der Vorbereitung des Anschlags geholfen haben, nach ihr wird per Haftbefehl gesucht.

Auf einem Facebookfoto posiert Aït Boulahcen wie eine Gangsta-Rapperin: Zeige- und Mittelfinger hat sie zum Victoryzeichen gestreckt, ihre Augen blicken entschlossen. Nur ihr züchtiges Kopftuch will nicht zu dem Rüpel-Habitus passen.

Und auch sonst entsprach ihr Lebenswandel bis zuletzt wohl nicht dem sittenstrengen Bild, das der IS von muslimischen Frauen zeichnet. Die Polizei im Département Seine-Saint-Denis ermittelte wegen Drogenhandels gegen Aït Boulahcen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • plaga versus 20.11.2015 17:23
    Highlight Highlight Mich nervt, dass diese Daesh-Terroristen immer einen "Nachruf" erhalten. Wie Popstars oder verdiente kulturelle und politische Personen. Die Folgen davon wurden von denselben Medien schon mehrfach thematisiert.
  • Alfio 20.11.2015 07:55
    Highlight Highlight Für mich ist dieser Aritkel mehr Werbung als Journalismus. So wie die Frau dargestellt wird, wird Sie zur Vorreiterin für andere...*die erste Frau in Europa* oder * Sie trank Alkohol*.
    Kann auch als Verherrlichung angeschaut werden, Gratis Werbung für weitere Frauen *he macht mit, ihr dürft auch Trinken und euch in die Luft jagen*

    Warum gibt es so einen ausführlichen Bericht? Wem bringt der was? Ausser den unentschlossenen...

    Je mehr wir analysieren und berichten um so mehr wird Werbung für die gemacht.
    Man kann darüber schreiben, aber bitte pragmatisch und sachlich.
  • Triesen 19.11.2015 21:42
    Highlight Highlight Drei Schwachköpfe reichen für eine fette Schlagzeile, aber vor allem reichen sie jenen, die das schon lange haben kommen sehen und auf die niemand gehört hat. Nun wurden ihre Prognosen erfüllt. Aber vor allem reichen drei Schwachköpfe all jenen die gegen alles Fremde schiessen, als Munition im PR-Krieg in den den Social Media...
  • Thomas Binder 19.11.2015 20:04
    Highlight Highlight (Fast) immer , selbstverständlich auch bei 9/11 und in Paris, finden (fast) gleichzeitig Übungen (fast) genau dieses Szenarios statt am (fast) selben Ort. (Fast) immer waren die angeblichen Attentäter den Sicherheitsdiensten bekannt. (Fast) immer finden sich Personal- oder andere Ausweise von Attentätern, mit Vorliebe in zu Staub zerfallenen Trümmern. (Fast) immer werden sie von den Sicherheitskräften umgebracht, auch wenn dies nicht nötig gewesen wäre. Und (fast) immer sind die Attentäter keine fundamentalistischen Moslems sondern trinken mit Vorliebe Alkohol und sniffen Kokain.
    Hmmm...
    • Thomas Binder 20.11.2015 06:31
      Highlight Highlight Hoffentlich versteht Ihr Aluhut mehr von Wahrscheinlichkeitsrechnung als Sie.
    • Thomas Binder 20.11.2015 11:49
      Highlight Highlight Sie sollten vielleicht realisieren, dass 1-3% der Menschen, in erster Linie narzisstisch / antisozial Persönlichkeitsgestörte, keine Empathie und keine Moral haben und deshalb die schlimmeren Teufel sein können als Sie sich dies bisher offenbar vorstellen und akzeptieren wollten. "Terrorismus" funktioniert derart, pardon, effizient und simpel, dass "sie" zu sowas gar nicht nein sagen können wenn sie dadurch für ein paar Millionen die Welt (zu ihren Gunsten) verändern können. In Geheimdiensten, Militär, Wirtschaft und Militär gehört diese Persönlichkeitsstörung mittlerweile zum Stellenbeschrieb
  • ferox77 19.11.2015 19:23
    Highlight Highlight Einige weniger! Es gibt aber noch genug solcher muslimischer Troublemaker, die nicht nach Syrien reisen und stattdessen hier die Leute terrorisieren und ihnen auf der Tasche (Sozialhilfe) liegen. Mit den Opfern solidarisieren sich Medien und Politik auch nicht. Diese radikalen Muslime sind nur eine Facette der gescheiterten Integration. Über Jahre hat sich unter dem Deckmantel der falschen Toleranz ein Zusehen oder Ignorieren eingebürgert. Täter werden zu Opfern gemacht, die wahren Opfer sind nichts wert.
    • ferminrdt 19.11.2015 19:39
      Highlight Highlight Genau! Natürlich würden diese Leute viel weniger kriminalisiert oder gar islamo-radikalisiert werden, wenn sie keine Sozialhilfe erhalten würden. Richtig erkannt!
    • Citation Needed 19.11.2015 20:14
      Highlight Highlight Ja, gescheiterte Existenzen, die nach Verantwortlichen für ihr verbocktes Leben suchen, gekränkt dadurch, dass sie nirgends hingehören. Wie schon die Charlie-Hebdo-Attentäter sind das kleinkriminelle Loser, nicht gläubige Muslime. Saufen, dealen.. Aber die Rekrutierer labern von muslimischer Gemeinschaft, blabla, da gehöre man dazu u& der Westen sei schuld und Sterben für Allah das grösste: die Lösung aller Probleme..
      Wenn Du wüsstest, was in Frankreich in den Vorstädten los ist, würdest Du NIE mit der CH ("hier") vergleichen! Integration, das gibt's in der CH, dort eben genau nicht!
    • MaskedGaijin 20.11.2015 08:53
      Highlight Highlight und was ist mit den anderen einwanderern aus den ehemaligen französischen kolonien? laoten, vietnamesen, kambodschaner. sind alle bestens integriert. sorry aber sind immer die selben. egal ob in F, B, NL, GB...
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  • Hoodoo 19.11.2015 18:54
    Highlight Highlight Weshalb werden die IS (Irre Salafisten) bei Watson nicht konsequent Daesh genannt? Unsere Medien sollten den gewalttätigen Islamisten nicht den Gefallen tun, sie bei ihrem propagandistischen Namen zu benennen.
    • Zeit_Genosse 19.11.2015 20:50
      Highlight Highlight Ich habe das auch schon mehrfach angemerkt. Medien schauen was andere Medien schreiben und so lange grosse Publikationen nicht (endlich) auf "Deash" umsteigen, trauen sie sich das nicht.

      Watson wäre eigentlich emanzipiert genug es zu tun.
    • EvilBetty 19.11.2015 23:51
      Highlight Highlight Und was soll das bringen? Ausser einer sinn- und zwecklosen Provokation? Ist doch Kindergarten. (Sorry, Kinder!)
    • Triumvir 20.11.2015 08:03
      Highlight Highlight @EvilBetty: wieso sollte es sich bei dieser korrekten Bezeichnung um eine Provokation handeln? Daesh ist die enzige korrekte Bezeichnung für diesen Terrorstaat und seine feige Terror-Mörderbande!
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