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Paris-Attentäter: «Er wollte sich beim Stade de France in die Luft sprengen, machte aber einen Rückzieher»

Der Hauptverdächtige der Pariser Anschläge ist festgenommen - und wehrt sich gegen seine Auslieferung an Frankreich. Im Gespräch mit belgischen Ermittlern machte er offenbar eine Aussage.

19.03.16, 19:54

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Der mutmassliche Paris-Attentäter Salah Abdeslam ist in Brüssel festgenommen worden, nun dringt Frankreich auf die rasche Auslieferung des Islamisten. Abdeslam allerdings wehrt sich, eine Überstellung an die französischen Behörden möchte er juristisch verhindern.

Doch im Gespräch mit belgischen Ermittlern machte er offenbar eine Aussage. Dies berichtet die Pariser Staatsanwaltschaft unter Berufung auf Kollegen in Belgien: «Er wollte sich beim Stade de France in die Luft sprengen, machte aber einen Rückzieher.»

Abdeslam ist der Hauptverdächtige der Terrorserie in Paris vom 13. November 2015, bei der 130 Menschen getötet worden waren. Er war am Freitag nach monatelanger Fahndung im Brüsseler Stadtteil Molenbeek festgenommen worden. Bei einer Schiesserei wurde der 26-Jährige am Bein verletzt und wurde zunächst in einem Krankenhaus behandelt. Am Samstag wurde er wieder entlassen. Er wird nun vermutlich in ein Hochsicherheitsgefängnis nach Brügge gebracht.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande sagte, Abdeslam müsse «so schnell wie möglich» nach Frankreich gebracht werden. Abdeslam selbst will sich dagegen wehren. Sein Mandant lehne die Auslieferung an Frankreich ab, sagte sein Anwalt Sven Mary der Nachrichtenagentur Reuters.

Die belgische Staatsanwaltschaft klagte Abdeslam ebenfalls an. Ihm und einem mutmasslichen Mittäter werden die Beteiligung an terroristischem Mord sowie an einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Abdeslams Anwalt sagte, sein Mandant wolle mit den Ermittlern zusammenarbeiten. «Er kooperiert mit der belgischen Justiz», sagte Mary.

Abdeslams Familie zeigte sich erleichtert über die Festnahme. In erster Linie fühle die Familie so, weil Abdeslam lebend gefasst wurde, sagte Nathalie Gallant, die Anwältin von Abdeslams Bruder Mohammed, dem TV-Sender RTBF.

Opfer hoffen auf Aufklärung

Auch Vertreter der Opfer der Pariser Anschläge zeigten sich nach der Verhaftung vorsichtig hoffnungsvoll. Nun sei ein «wirklicher Prozess» möglich, sagte ein Opfervertreter. Manche erhofften sich davon einen Einblick in das Denken junger Menschen, die sich derart radikalisierten.

Auch die belgischen Ermittler müssen sich unangenehmen Fragen stellen. Kritiker wollen wissen: Wie konnte der Terrorverdächtige nach den Anschlägen von Paris mehr als 120 Tage lang in Brüssel untertauchen?

Zugleich werden immer neue Details der Ermittlungen bekannt. Laut Südwestrundfunk soll sich Abdeslam vor den Anschlägen kurzzeitig in Ulm aufgehalten haben. Demnach fuhr er in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 2015 mit einem auf seinen Namen angemieteten Wagen in die deutsche Stadt und offenbar nach nur rund einer Stunde wieder zurück.

Bei dem Abstecher könnte er dem SWR-Bericht zufolge drei Männer, die sich als Syrer ausgegeben hatten, aus einer Flüchtlingsunterkunft abgeholt haben, in deren Nähe er geparkt hatte. Die drei Männer fehlten dort seither. Ihre Identität werde vom Bundeskriminalamt gemeinsam mit französischen und belgischen Sicherheitsbehörden geprüft, hiess es. Die deutschen Behörden wollten sich nicht zu dem Vorgang äussern.

Nach der Ergreifung von Abdeslam wird am Wochenende nach zwei weiteren Verdächtigen gefahndet, die an den Anschlägen beteiligt gewesen sein sollen. Einer von ihnen ist Mohamed Abrini, der andere Soufiane Kayal, allerdings ist dessen Identität nicht genau geklärt. Die internationale Polizeibehörde Interpol rief alle Mitgliedsländer zu erhöhter Wachsamkeit bei Grenzkontrollen auf, um eine Flucht möglicher Komplizen zu verhindern.

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wal/ssu/AFP/dpa/Reuters

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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