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Noch 5 Tage Sauerstoff: Was du über das vermisste argentinische U-Boot wissen musst

Seit Mittwoch wird das argentinische U-Boot ARA San Juan im Südatlantik vermisst. Nun wurden die Anstrengungen zur Rettung der 44-köpfigen Besatzung verdreifacht.

20.11.17, 15:14 20.11.17, 17:31

Michael Kern

An der Suche sind mittlerweile zehn Flugzeuge und elf Schiffe aus über sieben verschiedenen Ländern beteiligt. Darunter Schiffe aus Uruguay, Chile, Brasilien, Peru, den USA und Grossbritannien. Die Schiffe fahren die geplante Route des U-Boots ab. Ausserdem wird das Gebiet systematisch von Norden nach Süden und umgekehrt durchfahren.

Am Sonntag versuchte die Besatzung des U-Boots siebenmal vergeblich, ihren Marinestützpunkt Mar del Plata zu kontaktieren. Vermutlich wurde eine dafür vorgesehene Boje an die Wasseroberfläche gelassen, um so eine Verbindung über das Satellitentelefon herzustellen. Leider war eine Verbindung bisher nicht möglich, wie das argentinische Verteidigungsministerium mitteilt.

Update: 

Die Suche nach dem verschollenen argentinischen U-Boot im Südatlantik hat einen Rückschlag erlitten: Die sieben von einem Satellitenunternehmen erfassten Anrufversuche stammten nicht von dem U-Boot, sagte Marinesprecher Enrique Balbi am Montag in Buenos Aires.

Was könnte passiert sein?

Laut einem ehemaligen U-Boot-Fahrer der US Navy sind mehrere Szenarien möglich, wie er gegenüber CNN angab. Neben einem «totalen Ausfall» aller Systeme ist auch ein kleinerer Fehler denkbar. Es sei zudem unklar, ob sich das U-Boot an der Wasseroberfläche oder am Meeresgrund befindet.

Da es sich bei der ARA San Juan nicht um ein Atom-U-Boot, sondern eines mit Dieselantrieb handelt, ist seine Zeit unter Wasser sehr begrenzt. Die Zeit läuft also gegen die 44 Besatzungsmitglieder. Es kommt stark darauf an, wann die Luft im Innern des U-Boots zum letzen Mal erneuert und die Batterien aufgeladen wurden. Wenn das U-Boot auf den Grund gesunken, aber intakt ist, könnte die Luft für sieben bis zehn Tage reichen.

watson

Wie schwierig ist es, ein gesunkenes U-Boot zu finden?

Ein U-Boot, das speziell dafür entwickelt wurde, nicht gefunden zu werden, ist um einiges schwieriger zu finden als ein normales Schiffswrack. Ein U-Boot ist so konzipiert, dass es sich unentdeckt fortbewegen und unter Wasser beinahe nicht geortet werden kann. 

Eine Lokalisierung mittels Sonar ist nur effektiv, wenn sich das Objekt zwischen Meeresgrund und Wasseroberfläche befindet. Sollte das U-Boot auf den Meeresgrund gesunken sein, gestaltet sich die Suche äusserst problematisch. Normalerweise werden U-Boote durch Geräusche entdeckt, die sie selber verursachen, wie etwa Motorengeräusche oder Schallwellen des Sonars. Ein defektes U-Boot am Meeresgrund macht jedoch nicht allzu viele Geräusche.

Die ARA San Juan in besseren Tagen.  Bild: EPA/EFE/Argentina's Navy

In welchem Zustand ist die ARA San Juan?

Das 65 Meter lange und sieben Meter breite Diesel-Elektro-Boot vom Typ TR-1700 wurde in der Werft Thyssen Nordseewerke in Emden gebaut und lief 1983 vom Stapel. 2007 und 2014 wurde die ARA San Juan generalüberholt und erhielt unter anderem neue Batterien. Ein totaler Stromausfall ist eher unwahrscheinlich.

Durch die stetig wechselnden Druckverhältnisse, die beim Auf- und Abtauchen entstehen, wird die Schale des U-Bootes stark beansprucht. Die Schale hat eine normale Lebensdauer von 30 Jahren, diese Lebensdauer wurde bereits überschritten. Angenommen die Schale ist jedoch intakt, so würde sie Tiefen von 500 bis 600 Metern widerstehen.

Sofern die ARA San Juan auf dem Kontinentalsockel gesunken ist, sollte die Tiefe kein Problem darstellen. Wäre sie in die Tiefen des Atlantischen Ozeans gesunken, wäre sie zerbrochen.

Gibt es weitere Hindernisse bei der Suche?

Die Küste Patagoniens im Süden von Argentinien ist berüchtigt für ihre starken Stürme. Zur Zeit sorgt ein Tiefdruckgebiet für Windböen mit einer Stärke von 70 km/h. Dadurch entstehen im Südatlantik Wellen mit der Höhe eines zweistöckigen Gebäudes. Diese Wetterverhältnisse werden noch für mindestens 48 Stunden anhalten und die Suche erschweren.

Suchgebiet vor der argentinischen Küste. cnn

Einfach ein weiteres U-Boot einzusetzen, um dem schlechten Wetter zu entgehen, würde keinen Sinn machen. U-Boote verfügen nicht über die nötigen Instrumente, um eine umfassende Suche unter Wasser durchzuführen.

Wie würde man die Besatzung konkret retten?

Selbst wenn die ARA San Juan bald gefunden würde, wird die Bergung der Besatzung weitere Zeit in Anspruch nehmen. Da das U-Boot in Deutschland entworfen wurde, ist es NATO-kompatibel und die USA würden ein spezielles Bergungs-U-Boot einsetzen. Alleine der Transport dieses Bootes könnte mehrere Tage dauern, nicht zuletzt wegen der acht Meter hohen Wellen. Aufgrund des limitierten Sauerstoffvorrats der ARA San Juan könnte es zu diesem Zeitpunkt bereits äusserst kritisch werden.

Spezialequipment der US Navy. Bild: EPA/US NAVY

Damit das Bergungs-U-Boot korrekt an die ARA San Juan andocken kann, muss diese nahezu aufrecht auf dem Meeresgrund aufliegen. Der Meeresgrund ist jedoch nicht flach. Wenn die ARA San Juan auf der Seite liegt, wäre ein Andocken äusserst schwierig.

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50s

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Video: watson/Lya Saxer

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • antonioni 20.11.2017 23:57
    Highlight mich würde noch wunder nehmen, warum die besatzung nicht in der lage ist besser mit der aussenwelt zu kommunizieren?
    0 2 Melden
  • Jakal 20.11.2017 17:26
    Highlight Schreibt doch gleich, die sind alle verloren und so gut wie tot ...
    8 42 Melden
  • danmaster333 20.11.2017 17:16
    Highlight Dass die Briten mithelfen hätte ich jetzt nicht gedacht. Hoffentlich finden sie die Besatzung noch bevor es zu spät ist.
    31 1 Melden
  • pedrinho 20.11.2017 16:03
    Highlight seltsam, dass die usa oder russland nicht wissen wo das ding geblieben ist, sind es doch die welche bestens ausgeruestet mit uberwachungssatelliten und mikrofonbojen fast alle bewegungen auf den meeren kontrollieren.
    15 76 Melden
    • Basubonus 20.11.2017 16:34
      Highlight Die Frage dürfte doch sein, ob USA/Russland zugeben wollen, dass sie solche Sachen eben doch wissen könnten. Eher nicht. Nationale Sicherheit und so, bla bla..
      35 19 Melden
    • Hoppla! 20.11.2017 16:55
      Highlight Kein Unglück ohne Verschwörungstheorien.

      Aber klar, ein Satellit ist bei einem U-Boot auch sehr sinnvoll und das Meer ist flächedeckend mit Mikrofonbojen durchsetzt.
      90 5 Melden
    • heul doch 20.11.2017 17:38
      Highlight nix mit verschwörungstheorie... https://de.wikipedia.org/wiki/Sound_Surveillance_System?wprov=sfla1
      und es gibt sateliten die mittels verschiedener techniken den meeresgrund kartographieren können. ob diese jedoch ein einziges uboot erkennen können ist fraglich
      11 6 Melden
    • Dr. Zoidberg 20.11.2017 19:31
      Highlight @hoppla

      wenn man keine ahnung hat...

      "das Meer ist flächedeckend mit Mikrofonbojen durchsetzt."

      ja, ist es. übrigens schon seit den 1950er jahren. google mal SOSUS.

      und ja, man kann ein uboot auch per satellit orten - sofern es über wasser fährt. da man nicht weiss, ob es getaucht war, macht der vorschlag schon irgendwie sinn.
      4 7 Melden
    • bokl 20.11.2017 21:41
      Highlight @hd / Dr. Z
      "... SOSUS ist eine Kette passiver Unterwasser-Sensorbojen, die größtenteils im Nordatlantik versenkt ..."

      Argentinien liegt nicht wirklich am Nordatlantik.
      14 1 Melden
    • heul doch 21.11.2017 06:46
      Highlight @bokl

      guter einwand. jedoch leitet wassr schall um einiges besser als zb. luft.
      wale können sich über 1000 km hinweg unterhalten. zudem ist sosus nicht das einzige system dieser art. sondern einfach nur das bekannteste.
      1 2 Melden
    • pedrinho 21.11.2017 13:08
      Highlight die "beruehmte" nadel im heuhaufen....
      (keine verschwoerungstheorien).

      Die usa hilft mit Seefernaufklärungsflugzeugen Boeing P-8, NOAA und die AR Marine hatte auch signale geortet, doch "die Geräusch entstammt nicht von einem U-Boot, es könnte biologischen Ursprungs sein“, soweit marinesprecher Enrique Balbi gestern abend in Buenos Aires.
      1 0 Melden
  • Yakari9 20.11.2017 15:59
    Highlight ... Süd-Atlantik, oder?
    41 3 Melden
    • Lea Senn 20.11.2017 16:17
      Highlight Du hast natürlich recht, ist korrigiert. Danke!
      22 2 Melden
  • ShadowSoul 20.11.2017 15:58
    Highlight Richtiges Horror-Szenario...ich hoffe, sie finden das U-Boot noch rechtzeitig.
    168 2 Melden
  • Bijouxly 20.11.2017 15:39
    Highlight Spannend, danke für diese Aufarbeitung!
    Mich würde noch interessieren, warum die unterwegs waren?
    131 12 Melden
    • Max Dick 20.11.2017 16:01
      Highlight Wieso sollte es nicht unterwegs gewesen sein? Uboote sind wie Kriegsschiffe eigentlich meistens unterwegs - die warten nicht einfach im Stall darauf, dass ein Krieg ausbricht. @Watson. Ist übrigens im Südatlantik, und nicht im Südpazifik, wie im Lead steht.
      69 3 Melden
    • P. Meier 20.11.2017 16:38
      Highlight Aus dem gleichen Grund wieso unsere Militärflieger fliegen, unsere Panzer herumfahren und unsere Soldaten (mit Ausnahme unbewaffneter Truppengattungen) schiessen - um zu üben und ihr Gerät im Griff zu haben.
      48 1 Melden
    • Bijouxly 20.11.2017 16:57
      Highlight Ok :) dachte, vllt hätten sie eine besondere "Mission" gehabt, Forschung, Materialtest oder so. Aber demnach offenbar nicht:)
      24 3 Melden

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