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Flüchtlinge am Eurotunnel: Paris und London wollen gemeinsam Grenzen dichtmachen

20.08.15, 14:07 20.08.15, 14:26

Wegen der Flüchtlingskrise am Ärmelkanal haben Frankreich und Grossbritannien eine engere Zusammenarbeit vereinbart. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve und seine britische Kollegin Theresa May unterzeichneten am Donnerstag in Calais eine Vereinbarung. Damit sollen Flüchtlinge am Versuch gehindert werden, durch den Tunnel nach Grossbritannien zu gelangen.

Cazeneuve und May besuchten am Donnerstag auch das Eurotunnel-Gelände in Coquelles nahe Calais. «Nötig ist ein sehr starkes Signal hier in Calais, dass man nicht einfach so die Grenze überqueren kann», sagte Cazeneuve. Schleuserbanden müssten wissen, «dass in Calais keine Grenzüberquerung möglich ist».

Die Vereinbarung zwischen Paris und London sieht unter anderem die Einrichtung eines gemeinsames Kommando- und Kontrollzentrums im Kampf gegen Schleuser vor. Das Kommandozentrum in Calais soll die Zusammenarbeit der Polizeibehörden beider Länder intensivieren und gleichberechtigt von einem britischen und einem französischen Chef geleitet werden.

Die Aussenminister Bernard Cazeneuve und Theresa May am 20. August in Calais. Bild: REGIS DUVIGNAU/REUTERS

Angekündigt werden in der Vereinbarung auch die Stationierung weiterer französischer Polizeieinheiten am Ärmelkanal, zusätzliche Fracht-Durchsuchungen, die Installation von Überwachungskameras und Flutlichtanlagen und der Einsatz von Infrarot-Technik. Neben der Sicherheitszusammenarbeit und dem Kampf gegen Schleuserbanden geht es darin auch um humanitäre Hilfe.

Unterkünfte weit weg von Calais

Die britische Regierung sagt zudem über zwei Jahre jeweils fünf Millionen Euro für die Betreuung von Flüchtlingen in Nordfrankreich zu. Unter anderem will London bei der Errichtung neuer Flüchtlingsunterkünfte helfen, die aber «in einer beträchtlichen Distanz zu Calais» entstehen sollen.

In Calais sind tausende Flüchtlinge gestrandet, die auf ein besseres Leben in Grossbritannien hoffen. Die meisten von ihnen leben unter miserablen Bedingungen in einem selbst errichteten Zeltlager, das als «Neuer Dschungel» bekannt ist. Hilfsgruppen erwarten, dass die Zahl der Bewohner des Lagers bis Monatsende auf 4000 anwächst.

Täglich versuchen Flüchtlinge, in Calais auf die Züge durch den Eurotunnel oder auf die Fähren über den Ärmelkanal zu kommen, um so nach Grossbritannien zu gelangen. Ende Juli eskalierte die Situation mit mehr als 2000 Versuchen pro Nacht, auf das Gelände des Eurotunnels zu gelangen. Seitdem neue Zäune um das Gelände am Eurotunnel-Eingang errichtet wurden, ging die Zahl der Fluchtversuche allerdings auf etwa 150 pro Nacht zurück. 

(sda/afp/reu)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Joey Madulaina 20.08.2015 20:18
    Highlight Grossbritannien (als Kriegsnation, aber auch so...) soll seinen Teil zur Bewältigung dieser Krise leisten und auch einen angemessenen Teil der Flüchtlinge aufnehmen. Es braucht sowieso einen gerechten Verteilschlüssel, man darf nicht Italien und Griechenland im Stich lassen bei der Versorgung und Unterbringung der Flüchtlinge (wie bei Schengen vorgesehen). Deutschland nimmt sehr viele auf, Ungarn baut einen Zaun und auch andere EU-Lander wollen die Grenzen dicht machen. Dabei ist amgesichts der vielen Menschen Solidarität angebracht, sonst leben nicht alle unter humanitären Bedingungen - was doch das Ziel von jedem Land sein sollte!
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