International

UNO brandmarkt Australiens Flüchtlingspolitik als grausam

18.11.16, 10:39 18.11.16, 12:38

Proteste gegen die Flüchtlingspolitik Anfang Oktober in Sydney. Bild: DAVID GRAY/REUTERS

Scharfe Kritik an Australiens Flüchtlingspolitik: Die Abfertigung von Asylsuchenden in ausgelagerten Internierungslagern sei grausam, inhuman und menschenunwürdig, sagt François Crépeau, der UNO-Berichterstatter für die Menschenrechte von Migranten.

Demonstration am 12. September in Melbourne: Auch Betroffene machen ihrem Ärger Luft. Bild: Getty Images AsiaPac

Am Freitag kritisierte er die Regierung in Canberra nach einem Besuch in dem umstrittenen Lager auf der Pazifikinsel Nauru deshalb scharf. «Australien ist verantwortlich für die Schäden, die diese Asylsuchenden und Flüchtlinge durch die ungewollte Gefangenschaft erleiden», sagte Crépeau. «Australien würde selbst scharf protestieren, wenn seine eigenen Landsleute, besonders Kinder, so behandelt würden.»

«Keine Strafe, um andere abzuschrecken»

Australien interniert Bootsflüchtlinge, die das Land erreichen wollen, in Auffanglagern in pazifischen Nachbarstaaten. Sie will damit Menschenschmuggler abschrecken, die diesen Menschen eine Zukunft in Australien versprechen. Deshalb darf niemand aus diesen Lagern je australischen Boden betreten. Menschen, denen Asylgesuche bewilligt wurden, werden in Drittländern angesiedelt. Nach Angaben der Regierung haben die USA die Aufnahme einiger Flüchtlinge zugesagt.

Die Lage erklärt im Video. Video: YouTube/CNET

«Es ist ein fundamentales Prinzip der Menschenrechte, dass eine Person nicht bestraft werden kann, um andere abzuschrecken», sagte Crépeau. Man könne Flüchtlinge, die mit dem Boot ankommen, nicht anders behandeln als solche, die vorher Anträge gestellt hätten. Australien akzeptiert nur Flüchtlinge, die sich aus UNO-Flüchtlingslagern im Ausland um Aufnahme bewerben.

Der «Dschungel von Calais» wird geräumt

Menschenrechtler kritisieren die Zustände in den australischen Auffanglagern seit langem scharf. Amnesty International sprach von einem Freiluftgefängnis und Folter. Die Lage der Menschen sei desolat, ihre Sicherheit nicht gewährleistet.

Sie dokumentierten Übergriffe der örtlich angestellten Wachen. Die Flüchtlinge erlitten ernsthafte physische und mentale Qualen, sagte Crépeau. Nach der Statistik der Regierung sind mehr als 1200 Menschen in den Lagern in Nauru und auf der Insel Manus im Nachbarstaat Papua-Neuguinea.

(sda/afp)

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Brikne, 20.7.2017
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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Prof. Dr. Dr. D. Trump 18.11.2016 13:39
    Highlight Australien macht das Richtige.
    15 16 Melden
  • Maett 18.11.2016 11:21
    Highlight Auf der anderen Seite sind bereits Hunderte im Mittelmeer ertrunken, das finde ich weit grausamer.
    19 5 Melden
    • Schoff 18.11.2016 11:50
      Highlight auf politischer Ebene ist beides bedenklich!
      9 11 Melden
    • Maett 18.11.2016 12:23
      Highlight @Schoff: aber das Modell Australiens ist durch den hier angeprangerten Abschreckungseffekt wenigstens nachhaltig, was das europäische Modell nun mal überhaupt nicht ist.

      Würde Europa z.B. sämtliche Flüchtlinge die via Überfahrt hergekommen sind (und nicht z.B. in einem Flüchtlingslager einen Antrag gestellt haben) in ein isoliertes Lager ausserhalb Europas schaffen, nähme die Attraktivität dieser Routen rapide ab, was viel Leid verhindern würde.

      Ausserdem wären wir die Glücksritter los, die dann nur noch ihr eigenes Land als Perspektive hätten - und sich endlich dafür einsetzen würden.
      16 8 Melden
    • saukaibli 18.11.2016 13:59
      Highlight @Maett: Hast du echt das Gefühl, die Flüchtenden seien korrekt informiert über Europa? Vor allem afrikanische Flüchtlinge haben immer noch das Gefühl, Europa sei das Paradies und jeder bekomme Geld ohne hart zu arbeiten. Obwohl das niemals so war, wird den Leuten da unten solches Zeug erzählt. Schau doch nur mal an, was für Schwachsinn die Menschen hier glauben, obwohl sie Internet und alles hätten um sich richtig zu informieren. Was du schreibst ist in der Theorie ja nicht abwegig, aber deine Theorie hält der Realität kein bisschen stand.
      7 7 Melden
    • TheBean 18.11.2016 15:09
      Highlight @Maett: Deine Aussage "was viel Leid verhindern würde" verwirrt mich. Viele Flüchtlinge ertrinken bei der Überfahrt. Viele Flüchtlinge müssen in europäischen Flüchtlingscamps zu menschenunwürdigen Bedingungen leben.

      Aber ich denke, das verursacht weniger leid, also wenn sie in Syrien feststecken würden, nur weil keine Schlepper nach Europa fahren...
      3 6 Melden
    • Maett 18.11.2016 15:40
      Highlight @saukaibli: "Vor allem afrikanische Flüchtlinge haben immer noch das Gefühl, Europa sei das Paradies und jeder bekomme Geld ohne hart zu arbeiten." - was nach wie vor korrekt ist. Diese Form von Sozialstaat, den wir hier haben, gibt es in den Herkunftsländern nicht.

      Und meine Theorie bestätigt sich schon alleine dadurch, dass kaum Flüchtlinge versuchen, mit einem Boot in Richtung Australien aufzubrechen. Hätte diese Massnahmen keine Wirkung, würde es Ihrer Logik zufolge dort ja so aussehen, wie an unseren Süd- und Südostküsten.
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    • Maett 18.11.2016 15:42
      Highlight @TheBean: ich rege mich über die Kritik der UNO auf, die das für viele Tote sorgende europäische Modell kaum, das eher funktionierende australische Modell aber stark kritisieren.

      Kommt hinzu, dass wir von der Illusion wegkommen müssen, jeden Menschen retten zu können. Langfristig ist das angesichts der immer weiter steigenden Bevölkerung (Afrika produziert zurzeit jährlich ein Plus von 2 Millionen) gar nicht möglich.
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