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Wo steckt der Attentäter? Ganz Belgien ist auf der Jagd nach Salah Abdeslam

In Brüssel gilt weiterhin die höchste Terrorwarnstufe. Am Montag wurden fünf weitere Festnahmen bekannt, insgesamt sind es jetzt 21. Doch greifbare Ergebnisse haben die belgischen Ermittler offenbar nicht. Was wir wissen – und was nicht. Der Überblick.

23.11.15, 13:53 23.11.15, 14:32

Markus Becker, Brüssel

Ein Artikel von

Bild: Federale Politie Belgie

Jetzt sind es 21. Der belgische Generalbundesanwalt gab am Vormittag fünf weitere Festnahmen im Zusammenhang mit den Razzien in Brüssel bekannt. 16 Menschen waren bereits seit Sonntag in Haft.

Mohamed Abdeslam im belgischen Fernsehen

YouTube/itele

Seit dem Wochenende bietet Brüssel einen gespenstischen Anblick. In der Innenstadt waren selbst die sonst belebtesten Plätze nahezu menschenleer, Bars und Restaurants schlossen früh oder öffneten erst gar nicht, Kinos waren dicht, Konzerte fielen aus. Und überall Patrouillen – immer ein Polizist zusammen mit zwei schwer bewaffneten Soldaten.

Terrorgefahr legt Brüssel lahm

Die Brüsseler nehmen es bisher meist gelassen, zumal Schneeregen und eisiger Wind am Wochenende ohnehin wenig Lust machten, das Haus zu verlassen. Doch nun stehen auch am Montag noch die U-Bahnen still, dem ohnehin extrem dichten Brüsseler Strassenverkehr droht endgültig der Infarkt. Auch Universitäten, Sportstätten, grössere Einkaufszentren, Schulen und Kindertagesstätten bleiben geschlossen. Der Druck auf Belgiens Sicherheitsbehörden, die derzeit ohnehin von allen Seiten kritisiert werden, wächst stündlich. Sie sollen endlich Ergebnisse vorweisen – denn bisher gibt es kaum welche.

Was wir wissen:

In der Nacht zum Montag hat die Brüsseler Polizei eine Reihe von Razzien durchgeführt. In den Brüsseler Gemeinden Anderlecht, Molenbeek, Jette, Schaerbeek, Woluwé-Saint-Lambert und Forest gab es insgesamt 19 Durchsuchungen. 16 Verdächtige wurden festgenommen. Doch den meistgesuchten Mann, den mutmasslich an den Pariser Anschlägen beteiligten Salah Abdeslam, konnten die Ermittler abermals nicht fassen.

Mehrere der Angreifer von Paris wohnten in Brüssel, darunter Abdelhamid Abaaoud, der als Drahtzieher der Anschläge gilt und am Mittwoch bei einer Schiesserei mit der französischen Polizei ums Leben kam. Insbesondere der Stadtteil Molenbeek gilt als Islamisten-Hochburg und Rückzugsort für Kriminelle. Der flüchtige Abdeslam «muss eine Menge Unterstützung auf unserem Territorium bekommen», sagte Belgiens Innenminister Jan Jambon dem Sender RTL. «Deshalb sind die Durchsuchungen so wichtig.»

Gebracht haben sie allerdings wenig: In der Nacht zum Montag konnten die Ermittler nicht einmal Waffen oder Sprengstoff, geschweige denn Abdeslam finden. Wie angespannt die Lage ist, wurde an einem Zwischenfall ersichtlich: Polizisten schossen auf ein Auto, das sich ihnen näherte, als sie gerade einen Schnellimbiss in Molenbeek durchsuchten. Das Auto wurde später in Brüssel gestoppt und ein Verletzter festgenommen. Ob eine Verbindung mit den Terror-Ermittlungen besteht, war zunächst unklar.

Auch weil Abdeslam noch immer frei ist, gilt in Brüssel unverändert die vierte und damit höchste Terror-Warnstufe. Sie besagt, dass eine «ernste und unmittelbare» Gefahr besteht. Die EU-Institutionen sind geöffnet, allerdings galten verschärfte Sicherheitsvorkehrungen und Personenkontrollen. Der Bahnhof Brüssel-Schuman, der sich direkt unter dem Gebäude der EU-Kommission befindet, blieb geschlossen.

Die Brüsseler, ohnehin schwer geprüft von Verkehrschaos und Strassensperrungen (etwa wenn die Staats- und Regierungschefs der EU einfliegen), können über die Situation offenbar auch lachen. Nachdem die Polizei darum gebeten hatte, über die sozialen Medien keine Informationen über laufende Ermittlungen zu verbreiten, reagierten die Brüsseler auf ihre Art: Unter dem Hashtag #BrusselsLockdown verulken sie Islamisten unter anderem mit Katzenfotos.

Was wir nicht wissen:

Die Ermittler vermuteten ihn offenbar in Brüssel – konnten ihn aber bisher nicht aufspüren, trotz aller Razzien und Kontrollen. Wer der zweite Verdächtige ist, nach dem die belgische Polizei derzeit mit Hochdruck fahndet, ist noch unklar.

«Es ist klar, dass die Aktion noch nicht beendet ist», sagte der belgische Innenminister Jan Jambon am Montag im Rundfunksender RTBF. Am Mittag soll das nationale Krisenzentrum die Lage neu bewerten. Am Montagnachmittag tagt der nationale Sicherheitsrat aus Regierung, Polizei und Sicherheitsbehörden, um über weitere Massnahmen zu beraten. Bis mindestens 15 Uhr aber werden die Sicherheitsmassnahmen – darunter die Stilllegung der U-Bahn und öffentlicher Einrichtungen – anhalten.

Das lässt sich von aussen kaum beurteilen. Es habe eine Drohung vorgelegen, dass Attentäter «an verschiedenen Stellen» in Brüssel Anschläge verüben könnten, sagte Belgiens Premierminister Charles Michel. Er sprach von «vergleichsweise präzisen Informationen» über Planungen für Anschläge, wie sie in Paris verübt worden waren. Auch laut Innenminister Jambon ist die Terrorgefahr nach wie vor hoch. Ob der einzige Grund ist, dass Salah Abdeslam noch immer frei herumläuft, oder ob es darüber hinaus noch weitere Bedrohungen gibt, teilen die Behörden nicht mit. «Alle wissen, dass von ihm eine gewisse Gefahr ausgeht», sagte Jambon über Abdeslam. «Er ist folglich ein wichtiges Ziel.» Er könne aber keine Details nennen, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.

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