International

Kindesentführung, Zwangsrekrutierung, Exekutionen, Massenvergewaltigungen: Über 30 Jahre lang hat Joseph Kony in Uganda gewütet.
Bild: AP/pool

Joseph Kony: Der vergessene Schlächter

Seit fünf Jahren suchen US-Truppen und Soldaten der Afrikanischen Union nach dem ugandischen Warlord Joseph Kony. Dem Massenmörder und Führer der Rebellenarmee LRA gelingt es aber immer wieder, sich den Fängen seiner Häscher zu entziehen. 

12.10.15, 15:49 13.10.15, 19:47

Als die Menschenrechtsorganisation Invisible Children vor dreieinhalb Jahren den Dokumentarfilm «Kony» ins Netz stellte, war der Rebellenführer Joseph Kony über Nacht weltbekannt. 100 Millionen Mal wurde das Video auf YouTube angeklickt, Tausende Menschen weltweit gingen auf die Strasse, um die Schandtaten des Anführers der Lords Resistance Army (LRA, Widerstandsarmee des Herrn) anzuprangern.

Der grösste Erfolg der Kampagne aber war der öffentlich Druck auf die politischen Entscheidungsträger, der den US-Präsident Obama im Jahr 2011 schliesslich dazu bewog, das Kontingent an US-Truppen in der Region massiv aufzustocken.

Nach der Lancierung der Kampagne «Kony 2012» prangten für einige Tage lang Hunderte dieser Plakate rund um den Globus.
bild: wikimedia

Die NGO Invisible Children ist mittlerweile in der Versenkung verschwunden, der Gründer und Kopf hinter der Kony-Kampagne, Jason Russel, hat zuletzt von sich Reden gemacht, als er einen Nervenzusammenbruch erlitt und nackt auf den Strassen San Diegos aufgegriffen wurde.

Invisible Children – Kony 2012

100 Millionen Views: Der Aufruf zur Festnahme Konys.
YouTube/Invisible Children

Joseph Kony aber ist immer noch auf freiem Fuss. Trotz eines Strafbefehls des Internationalen Strafgerichtshof, trotz mehreren hundert Soldaten der Afrikanischen Union und trotz Hunderten von US-Militärberatern in der Region. Mit 200 Getreuen hat sich das selbsternannte «Sprachrohr Gottes» im unzugänglichen Gebiet zwischen dem Sudan, dem Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik verschanzt. 

Rückzugsgebiet der LRA

Die Jagd nach Kony gleicht der sprichwörtlichen Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Das Gebiet, in dem sich Kony aufhält, ist so gross wie der US-Bundesstaat Kalifornien.
bild: screenshot/coonssenategov

Geschwächt, aber nicht besiegt

Von seinem Ziel einer christlich-theokratischen Republik in Uganda ist Kony weiter denn je entfernt. Die ehemals mehrere tausend Kämpfern umfassende LRA ist auf wenige hundert Kämpfer geschrumpft, hochrangige LRA-Generäle wurden getötet oder gefangen genommen. Dennoch ist die LRA noch immer aktiv: Von ihrem vermuteten Rückzugsgebiet im Westen des Sudan schwärmen immer wieder LRA-Kämpfer in die Demokratischen Republik Kongo und in die zentralafrikanische Republik aus. Die notwendigen Mittel für Waffen, Munition und Ausrüstung beschafft sich die Rebellenarmee mittels Schmuggel von Edelsteinen und Elfenbein.

Ein Militärberater der USA instruiert ugandische und zentralafrikanische Truppen (2012).
Bild: Ben Curtis/AP/KEYSTONE

Um den Warlord Kony zur Strecke zu bringen, scheut sich die USA nicht, unheilige Allianzen mit zwielichtigen Rebellenorganisationen in der Region einzugehen. «Wir arbeiten mit all denjenigen zusammen, die relevante Informationen [zu Kony] haben», sagte Amanda Dory, die stellvertretende Assistenz-Sekretärin für den Bereich Afrika des Pentagons gegenüber der «Washington Post».

Von dieser umstrittenen Zusammenarbeit profitieren etwa die zentralafrikanischen Séléka-Rebellen. Die muslimische Rebellenorganisation, verantwortlich für Plünderungen, willkürliche Exekutionen und Massenvergewaltigungen, putschte 2012 gegen die Regierung von Präsident François Bozizé. Seither gleitet das Land immer weiter ab in einen Strudel ethnischer Gewalt. 

Kämpfer der Séléka-Rebellen in Bambari, Zentralafrikanische Republik. (Mai 2014). 
Bild: GORAN TOMASEVIC/REUTERS

Ob Séléka tatsächlich dazu beiträgt, den Massenmörder Kony zu fassen, ist fraglich. Beobachter monieren, dass die Séléka ein Doppelspiel betreibe: Einerseits werde sie von Truppen der Afrikanischen Union und den USA unterstützt (auch wenn dies offiziell nicht zugegeben wird) und anderseits betreibe sie regen Handel mit der LRA.

Im kommenden Monat muss sich Obama entscheiden, ob er die US-Mission zur Ergreifung Konys um ein Jahr verlängert. Obwohl der Präsident Rückendeckung sowohl von Demokraten als auch Republikanern geniesst: Die Zusammenarbeit mit umstrittenen und die Region destabilisierenden Kräften dürfte für einige Diskussionen sorgen.

 Dir gefällt diese Story? Dann teile sie bitte auf Facebook. Dankeschön!👍💕🐥

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
18
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zaba 13.10.2015 11:46
    Highlight Machine Gun Preacher...
    0 0 Melden
    • Ty€uro$ign 20.10.2015 17:44
      Highlight Gerard Butler muss ran gehen!
      0 0 Melden
  • xlt 12.10.2015 18:03
    Highlight Und ich dachte durch das Teilen des Videos auf Facebook hört alles auf!
    63 2 Melden
  • AdiB 12.10.2015 17:14
    Highlight ich dachte früher mal gelesen zu haben, dass die usa nur ein par offiziere für die suche nach kony geschickt hat. sie würden den afrikanern bei logistik und kordination helfen.
    12 1 Melden
  • Pokus 12.10.2015 16:55
    Highlight War das nicht ein Hoax?
    3 20 Melden
    • AdiB 12.10.2015 17:12
      Highlight ne das war alles echt. die ganzen videos und geschichten sind echt.
      schlimm was kony da mit den kindern macht um sie zu unterwerfen.
      10 2 Melden
    • MykillWF 12.10.2015 17:22
      Highlight Klar ist das schlimm. Doch was ist z. B. mit Somalia und anderen Krisengebieten? Irgendwie auffällig, dass man 2011 neue Erdölquellen in Uganda gefunden hat, und ein Jahr später eine hollywoodreife Kampagne gegen Kony gestartet wird. Das Ganze hat einfach einen sehr komischen Beigeschgmack.
      42 6 Melden
    • next_chris 12.10.2015 17:42
      Highlight es hat immer noch rebellen im gebiet wo das oel gefunden wurde.. beidseits der grenze .. keine einfache aber wunderschoene gegend ... ein jammer dass das bereisen so risikoreich geworden ist .. sieht uebrigends aus wie in der schweiz und den alpen in der gegend
      13 2 Melden
    • AdiB 12.10.2015 17:42
      Highlight @mykillwf etwas zu viel verschwörungstheorie?
      ihre aussage liest sich, als wollen sie einen kinderschänder und massenmörder schützen.
      ich hoffe ich verstehe das falsch.
      10 26 Melden
    • The Destiny 12.10.2015 18:33
      Highlight @AdiB, sie verstehen es falsch.

      Vor dem ÖL war das alles kein Problem, aber als welches gefunden wurde und der Typ nicht kooperieren wollte musste man eben zu den klassischen Massnahmen greifen.
      Ala. Der Typ ist ein Kinderschänder, misshandler usw. vor dem Öl hat es die Amerikaner nicht einmal an der linken Arschbacke gekratzt.
      28 4 Melden
    • Pokus 12.10.2015 20:09
      Highlight Grundsätzliche Kritik
      Die Süddeutsche Zeitung ... kritisiert, wie leicht und schnell sich durch emotional aufgeladene Medienkampagnen Massenunterstützung für große militärische Interventionen organisieren lasse.

      Der Premierminister Ugandas, Amama Mbabazi, antwortete auf YouTube der Kampagne Kony 2012 und erklärte, dass Uganda ein ganz anderer Ort sei, als von Invisible Children porträtiert, und dass US-Militärpräsenz in Uganda nicht zu der Festnahme von Kony führen werde, da er sich seit Jahren nicht mehr in Uganda aufhalte.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Kony_2012
      19 0 Melden
  • Rukfash 12.10.2015 16:12
    Highlight Bitte mehr solche Artikel über Christliche Terroristen bringen
    33 26 Melden
    • AdiB 12.10.2015 17:47
      Highlight mein lieber faruk du bist in europa, da wird nicht gerne über christliche terroristen berichtet.
      man muss den rechten auch platz für ihre propsganda lassen ;)
      14 24 Melden
    • Bluetooth 12.10.2015 18:05
      Highlight Soviele christiliche Terroristen gibt es halt nicht. Das ist einfach Fakt. Es werden selten im Namen des christlichen Gottes umgebracht. Eine Staatsform nach christlichen Weltbild gibt es heute auch nicht.
      Sollte man etwa jetzt all diese islamistischen Terrorgruppen (IS, Al Qaida, Boko Haram, Al-Shabaab) ignorieren, damit sich der Islam nicht diskriminiert fühlt.
      40 20 Melden
    • Gelöschter Benutzer 12.10.2015 18:27
      Highlight na, z.b. die usa, gb, nato-mitglieder, alle berufen sich doch auf "den herrn" als den einzig wahren und richtigen glaubensführer, oder?

      was diese immer öfters machen könnte man mehr mehr als weniger auch als terrorismus bezeichnen.
      nur nennt man das halt anders...

      egal welcher extremisus, jeder ist ein schandflecken für die humanoiden dieser welt.
      20 12 Melden
    • M@ Di11on (亚光狄龙) 12.10.2015 19:15
      Highlight Vor dem Terror des friedlichen Islam sind die christlichen Terroristen Kindergartenschüler.
      15 24 Melden
    • loree_n 13.10.2015 14:19
      Highlight Beweist das ganze nicht einmalmehr dass alles Sache der Darstellung ist.. Jeder der sich mitteilt erzählt eine Sache so wie er möchte das andere sie sehen.. und meistens profitiert irgendeiner davon.

      Ich glaube eh nur noch was im picdump steht!
      5 0 Melden
    • TheMan 13.10.2015 15:08
      Highlight Christlicher Terrorist? Ist das wen jemand sagt er Hört Stimmen, intepretiert dies als Gottes Worte und befolgt sie? Das Problem an dieser Sache. Gott würde solche sachen die Kony macht nie befehlen oder zu Menschen sagen. Ergo ist Kony Schyzophren. Aber nach dem Koran und Allah ist solche sachen wie Kony macht erlaubt.
      1 8 Melden

Der Rassistin das Maul gestopft – «Ich bin einfach nur ein N**** mit Geld»

Emmit Walker ist ein Musikmanager aus Washington, der am Flughafen in Virginia in einer Schlange steht, um an Bord seines Flugzeugs zu kommen. So weit so gut, aber ...

Vergangenes Wochenende versucht eine Frau, sich an Walker vorbeizudrängeln. Ein dunkelhäutiger Mann in der Schlange für Priority Passagiere? Da wird sich der Mann wohl falsch eingereiht haben, findet sie. Walker lässt die Frau eiskalt abblitzen und dokumentiert die Auseinandersetzung auf Facebook.

«Entschuldigung? Ich glaube, …

Artikel lesen