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Ein Sheriff hält eine Kerze bei einem Protestmarsch nach der Tötung des Schwarzen Walter Scott. Bild: Chuck Burton/AP/KEYSTONE

Ein US-Polizist erschiesst den Schwarzen Walter Scott von hinten: Was wir über den Fall lesen würden, wenn es das Video nicht gäbe

Das Handyvideo beweist die Tat: Michael Slager schiesst dem Schwarzen Walter Scott mehrmals in den Rücken. Wenn es diese Aufnahmen nicht gäbe, würde die Geschichte nur aus Sicht der Polizei und von Slagers Anwalt erzählt. Wie das aussähe, zeigt die «Huffington Post». Wir haben deren Meldung übersetzt, die aus Zitaten lokaler Medienberichte besteht, die vor Auftauchen des Videos erschienen.

09.04.15, 15:32 09.04.15, 22:29

Ein Polizist in North Charleston musste bei einem Handgemenge mit einem Tatverdächtigen seine Waffe zücken, weil dieser den Polizisten überwältigen und dessen Taser schnappen wollte. Das teilten die Behörden am Samstag mit.

Der Mann war den Behörden schon lange bekannt, weil er schon mehrmals verhaftet worden war. Obwohl die Polizisten den Mann reanimierten und erste Hilfe leisteten, starb er noch am Tatort, wie die Polizisten berichteten.

Es ist die 11. Schussabgabe durch Polizisten in South Carolina in diesem Jahr. Die Behörden ermitteln nun im Fall. 

Die Polizei gab bekannt, dass es sich beim beteiligten Polizisten um den Streifenpolizisten Michael Thomas Slager und beim Opfer um den 50-jährigen Walter Lamar Scott aus West Ashley handelte. Der 33-jährige Slager diente ehrenamtlich in der Bürgerwehr, bevor er vor fünf Jahren zur Polizei stiess. Wie sein Anwalt mitteilte, sei er nie in ein Disziplinarverfahren involviert gewesen.  

Der Polizist Michael Slager arbeitet seit fünf Jahren für die Polizei Bild:

Der Zwischenfall ereignete sich hinter einem Pfandhaus zwischen Craig Street und Remount Road. Slager hielt Scott zunächst wegen eines kaputten Autolichts an. Während dieses Stops soll Scott gemäss Polizei und Zeugen geflohen sein. Als Slager ihn nach kurzer Zeit eingeholt hatte, soll Scott mehrmals versucht haben, Slager zu überwältigen. 

Während dieses Handgemenges habe der Mann den Taser des Polizisten geschnappt und gegen ihn verwenden wollen, teilte die Polizei mit. In diesem Moment habe der Polizist seine Dienstwaffe gezückt und Scott tödlich verletzt.

«Schüsse abgefeuert, Opfer liegt am Boden. Er nahm meinen Taser», funkte Slager danach.

Slager habe «sich bedroht gefühlt und seine Dienstwaffe benutzt», bestätigte sein Anwalt am Sonntag. «Sobald die Menschen alle Fakten kennen, werden sie die Umstände der Untersuchungen besser verstehen.» Slagers Anwalt fügte an, dass der Polizist nach dem Regelbuch gehandelt habe, bevor er Gewalt anwandte. 

Polizeichef Eddie Driggers. Bild: STEPHEN B. MORTON/EPA/KEYSTONE

«Das ist der Teil des Jobs, den niemand mag. Alle wünschen sich, dass das nie passiert», sagte Polizeichef Eddie Driggers in einer Mitteilung. «Diese Situation ist unglücklich und schwierig für jeden. Die Untersuchungsbehörden werden den Fall gründlich aufrollen und alle Betroffenen informieren.»

Eine frühere Anschuldigung gegen Slager, er habe 2013 bei einer Untersuchung einen Mann mit dem Taser bedroht, der gerade Opfer eines Einbruchs geworden war, blieb unbegründet. Er habe rechtmässig gehandelt, hiess es damals. 

Scotts Strafregister-Einträge reichen zurück bis ins Jahr 1987, als er der Körperverletzung angeklagt worden war. 1991 wurde er für den Besitz eines Knüppels verurteilt. Ausserdem wurde er mehrmals verhaftet, weil er die Unterhaltszahlungen für seine Kinder nicht leistete. 2008 fuhr er ohne Erlaubnis und mit einer offenen Alkoholflasche in seinem Auto. 

Samuel Scott, der 55-jährige Cousin des Opfers, sagte, er sei schockiert. «Er war kein Krimineller. Er war nicht jung und auf der Strasse. Er war ein erwachsener Mann, der hart arbeitete, um seine Familie zu ernähren», sagte er der «Charleston Post and Courier». «Er ist kein gewalttätiger Mann – ich sah ihn nie streiten mit jemandem. Ich glaube das einfach nicht». 

Gedenken an Walter Scott. Bild: RANDALL HILL/REUTERS

Der Zwischenfall vom Samstag weist Ähnlichkeiten mit der Tötung von Michael Brown in Ferguson, Mississippi, auf. Der Fall hatte eine nationale Debatte über Polizeigewalt losgetreten. Die Behörden von Ferguson sagten damals, Brown habe den Polizisten Darren Wilson überwältigen wollen, weshalb dieser seine Dienstwaffe benutzen musste.

Slager wurde vom Dienst suspendiert, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind.

Dieser Artikel zitiert lokale Medienberichte, deren Version des Falls auf den Aussagen Slagers und dessen Anwalts, «Zeugen» sowie Polizisten beruht. Viele dieser Aussagen stellten sich als Lügen heraus. Slager wurde des Mordes angeklagt.

Die Szenen bis zum ersten Schuss im Video

Achtung: Dieses Video zeigt die tödlichen Schüsse

Das ganze Interview mit dem Handy-Filmer Feidin Santana. video: youtube/nbc

Tödliche Schüsse in South Carolina

Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA: Die Fälle seit Ferguson

(dwi)

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • EvilBetty 09.04.2015 18:31
    Highlight 8 Schüsse in den Rücken. Der Mann war ja die totale Gefahr für den Polizisten.
    8 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 09.04.2015 16:48
    Highlight Unglaublich. Es geht einfach immer weiter.
    Wie wohl die Reaktion seitens der Polizei und des Staates ausfallen würde, wenn ein Weisser von einem schwarzen Polizisten erschossen wird?
    16 0 Melden
  • SVRN5774 09.04.2015 15:51
    Highlight Gott sein dank gibt es die Technik und Kamera
    25 1 Melden
  • greenlion 09.04.2015 15:43
    Highlight gut dass es das Video gibt.
    Aber diese Meldung macht einem bewusst, dass viel Schein statt sein ist...
    Danke !
    26 1 Melden

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