International

So sah Galizias Auto nach dem Attentat aus Bild: AP/AP

Ermittlungen gehen weiter – maltesische Journalistin wurde mit Plastiksprengstoff getötet

18.10.17, 12:43 18.10.17, 21:55

Nach dem tödlichen Autobombenanschlag auf die maltesische Journalistin Daphne Caruana Galizia laufen die Ermittlungen der Behörden weiter. Das Auto sei unweit von ihrem Zuhause mit dem Plastiksprengstoff Semtex in die Luft gejagt worden.

Dies berichtete die «Times of Malta» am Mittwoch unter Berufung auf Polizeikreise. Der Sprengstoff wird bei kommerziellen Sprengungen eingesetzt, gelangt aber auch immer wieder in die Hände von Terroristen. Die maltesischen Behörden werden von niederländischen und FBI-Ermittlern unterstützt.

Oppositionsführer Adrian Delia von der konservativ-christlichen Partei Partit Nazzjonalista forderte den sozialdemokratischen Regierungschef Joseph Muscat zum Rücktritt auf. Er wirft ihm fehlende Schutzmassnahmen für die getötete Journalistin vor.

Der Regierungschef sagte in einem Fernsehinterview jedoch, dass die Journalistin Polizeischutz verweigert habe. Bei der Polizei sei auch nicht offiziell angezeigt worden, dass sie Morddrohungen erhalten habe.

Muscat mit Vorwürfen gegen Opposition

Muscat erhob schliesslich seinerseits Vorwürfe gegen die Opposition. Zwar wollte er nicht darüber spekulieren, wer hinter dem Anschlag stehen könnte, das «Einfachste» wäre aber für ihn, «mit dem Finger auf die Opposition zu zeigen», sagte er der italienischen Zeitung «La Repubblica» vom Mittwoch. Caruana Galizia habe sich in ihren letzten Artikeln mit Oppositionsführer Delia befasst, sagte Muscat.

Der italienischen Zeitung «La Stampa» sagte Muscat, die Journalistin habe Delia der «Geldwäsche, Prostitution und mehr» bezichtigt. Überdies habe sie auf ihrem Blog geschrieben, dass sie Drohungen «von Leuten in der Opposition» erhalten habe. Er könne dies aber nicht belegen, sagte Muscat.

Unter einem Artikel hatte Caruana Galizia ein Bildschirmfoto eines Facebook-Profils veröffentlicht, auf dem ein Foto von ihr in einem Käfig zu sehen ist. Das Profil schreibt sie einem angeblichen Freund Delias zu, den sie als verurteilten Drogendealer bezeichnet.

International bekannt wurde Caruana Galizia durch ihre Recherchen zu Geldwäsche und Steuerhinterziehung im Inselstaat. Sie hatte Muscats Mitarbeitern vorgeworfen, Offshore-Firmen in Panama zu haben. Auch schrieb sie, eine in den «Panama Papers» erwähnte Firma gehöre Muscats Frau. Muscat wies das immer wieder als Lüge zurück. (sda/dpa/afp)

Aktuelle Polizeibilder: 

Das könnte dich auch interessieren:

Warum hunderte Fussball-Junioren gegen einen Millionär marschieren: Ein Herrliberger Drama

Mehr 2017 geht nicht: Die unfassbare Geschichte des weinenden Keatons – in 4 Schritten

Ein Nigerianer stirbt nach seiner Ausschaffung – was die Schweiz damit zu tun hat

Amis lynchen Hai mit Speedboot und grinsen – jetzt tobt das Netz wegen dem Video

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
9
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • chrisdea 18.10.2017 22:00
    Highlight @watson: Danke für das Anpassen der Bildunterschrift.
    1 1 Melden
  • Wehrli 18.10.2017 13:53
    Highlight Hach, das gute alte Semtex. Bier und Plastiksprengstoff - tschechische Exportschlager.
    14 13 Melden
    • Wehrli 18.10.2017 14:51
      Highlight Jaja, Humor ist tot.
      12 3 Melden
    • Spooky 18.10.2017 23:40
      Highlight "Jaja, Humor ist tot."

      Bei mir nicht.
      4 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 18.10.2017 13:30
    Highlight Ich verstehe das nicht... da verhaftet Erdi ein paar Journis und hat sofort Ärger mit dem Herkunftsland. z.B. Deutschland - da mischt sich sogar die Kanzlerin persönlich ein.

    Wir aber eine Reporterin/Journalistin umgebracht die etwas im Wirtschaftsbereich aufgedeckt hat - easy. Wen kümmerts?

    Verstehe nicht weshalb hier nicht mit der gleichen Intensität berichtet und gesprochen wird.
    27 4 Melden
    • demokrit 18.10.2017 14:06
      Highlight Es ist halt eine sozialdemokratische Regierung, die in Malta gross in die Korruption verwickelt ist.
      12 14 Melden
    • Baba 18.10.2017 14:10
      Highlight Weil's beim Erdi offensichtlich ist, dass die Verhaftungen auf seinem Mist gewachsen sind und ein Staatschef, der die Medien einschüchtert ist ein NoGo.

      Beim Mord an Daphne Galizia weiss man offenbar (noch) nicht, wer verantwortlich ist. Es sind bislang nur Vermutungen: Kreise um den Premier, dessen Frau, die Opposition, die Drogenhändler... oder vielleicht war sie noch was ganz anderem auf der Spur, über das sie noch gar nicht gebloggt hatte :'(

      Aber auf jeden Fall eine Katastrophe - für den (investigativen) Journalismus und natürlich für Frau Galizias Familie.
      16 4 Melden
    • demokrit 18.10.2017 16:08
      Highlight Der feiner Herr Sozialdemokrat Joseph Muscat hat auch schon wiederholt die freien Medien eingeschüchtert.
      3 0 Melden
    • pamayer 19.10.2017 06:35
      Highlight In Bälde werden Dokumente auftauchen, die alles belegen können. Bis dann kann sich der feine Herr noch etwas zurück lehnen. Ober er wohl gut schläft??
      2 0 Melden

Nach Überdosis: Toter pendelt sieben Stunden im Zug zwischen Basel und Offenburg

Im Regionalzug zwischen Basel und dem deutschen Offenburg hat sich Ende November ein Drama abgespielt: Ein Drogenabhängiger hat sich während der Fahrt nach Basel auf einer Zugtoilette eine Überdosis Heroin gespritzt. Obwohl die Toilette nicht abgeschlossen war, fuhr der Verstorbene sieben Stunden im Zug zwischen Basel und Offenburg hin und her. Dies berichtet die Badische Zeitung.

Warum die Leiche des 28-Jährigen stundenlang unbemerkt im Zug fahren konnte, ohne dass ein Fahrgast oder …

Artikel lesen