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Morde durch Polizisten in Brasilien: «Erst schiessen, dann fragen»

Die Vorwürfe wiegen schwer: Amnesty International macht die Militärpolizei von Rio de Janeiro für Hunderte Morde verantwortlich. In den wenigsten Fällen müssten sich die Sicherheitskräfte für ihre Taten verantworten.



epaselect epa04146982 Brazilian policemen advance during a police raid at Mare favela cluster, in Rio de Janeiro, Brazil, 30 March 2014. Almost 1,200 policemen backed by Brazilian Army's 21 armoured vehicles occupied peacefully the Mare favela complex, considered the most dangerous in Rio de Janeiro as it's the main drug distribution center of the city because of its strategic location between the bay of Guanabara and the two main roads leading to the airport. The operation was carried out days after Brazilian President Dilma Roussef signed a decree that states the Army's presence at the Mare favelas until the end of FIFA's Brazil 2014 World Cup.  EPA/MARCELO SAYAO

Bild: EPA/EFE

Ein Artikel von

Spiegel Online

Die Polizei von Rio de Janeiro gehört zu den schlimmsten Gewalttätern in der Stadt – diesen Vorwurf erhebt Amnesty International. Die Menschenrechtsorganisation hat ein Jahr vor Beginn der Olympischen Sommerspiele 2016 in der brasilianischen Metropole einen Bericht veröffentlicht. Er trägt den Titel «Du hast meinen Sohn getötet: Morde der Militärpolizei».

Über einen Zeitraum von zehn Jahren seien 8466 Fälle von Tötungen durch die Polizei im Bundesstaat Rio de Janeiro registriert worden, davon 5132 in der Sieben-Millionen-Einwohner-Stadt, heisst es in dem Report. Besonders bei der Befriedung von Armenvierteln, den Favelas, komme es immer wieder zu Tötungen. Schusswechsel zwischen Drogenbanden und Polizeikräften seien alltäglich.

2014 waren Polizisten dem Bericht zufolge für 15,6 Prozent der Tötungsdelikte verantwortlich. In der Favela Acari im Norden seien neun von zehn Tötungen auf das Konto der Militärpolizei gegangen. Besonders häufig seien die Opfer Schwarze zwischen 15 und 29 Jahren. Für die Untersuchung führten Amnesty-Mitarbeiter viele Interviews mit Opferfamilien.

Bild: Getty Images South America

«Erst schiessen, dann fragen»

Amnesty schreibt, die Polizei gehe nach dem Prinzip «erst schiessen, dann fragen» vor. Sie geniesse praktisch Straffreiheit, da kaum jemals richtig zu ihren Gewalttaten ermittelt werde. Von 220 in den vergangenen Jahren begonnenen Untersuchungen seien 183 immer noch offen.

«Rio de Janeiro ist eine Stadt mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite Glanz und Glamour, um die Welt zu beeindrucken, und auf der anderen eine Stadt, in der durch repressive Polizeieinsätze ein signifikanter Teil der Generation von jungen, schwarzen und armen Männer dezimiert wird», sagte der brasilianische Amnesty-Chef Atila Roque.

Der «Krieg gegen die Drogen» legitimiere Verstösse gegen die Menschenrechte, so Roque. Es gebe «starke Hinweise», dass die Polizeikräfte in vielen Fällen standrechtliche Hinrichtungen verübten. Die Tötungen würden anschliessend als «Tod nach Widerstand» gegen die Staatsgewalt eingestuft und unabhängige Ermittlungen systematisch verhindert.

Brasilien hat eine der höchsten Gewaltraten unter nicht im Krieg befindlichen Ländern. Laut den aktuellsten UNO-Angaben wurden 2012 mehr als 50'000 Menschen ermordet. Im Bundesstaat Rio de Janeiro fiel die offizielle Mordrate im Juni 2015 mit 272 Toten auf den niedrigsten Stand seit 24 Jahren.

Rio ist bestrebt, Touristen sichere Olympische Spiele zu bieten – am 5. August 2016 werden sie im Maracanã-Stadion eröffnet. Für das Sportereignis sollen 85'000 Polizisten und Soldaten mobilisiert werden, insbesondere rund um die Sportstätten sowie an Hotels und Stränden.

wit/dpa/AFP

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    Alle Leser-Kommentare
  • Commodore 03.08.2015 12:32
    Highlight Highlight Habt ihr Rio schon mal gesehen? Da herrschen andere Zustände, die Polizei kann nicht einfach so in die Favelas und zuerst mal deeskalieren und die Situation analysieren, die Banden schiessen scharf und sind gut organisiert - logisch, dass die Polizei zuerst schiessen und dann fragen muss. Recherchiert mal wie viele Polizisten sterben.

    Das Problem lösen wird die Repression dennoch nicht, viele Südamerikanische Länder sind durch die amerikanische Nachfrage nach Drogen unheilbar zerstört. Sehr schade, es zeigt aber, was mit einem Land passiert, dass durch allochthone Mischlinge bevölkert wird.

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