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So reagiert die britische Presse auf den Brexit

«Europa unter deutscher Fuchtel» – das schreibt die internationale Presse zum Brexit

Die Briten verlassen Europa – und die Welt sucht nach Gründen. Jedes Land hat dabei seine eigene Sichtweise, wie ein Überblick über die europäischen Zeitungen zeigt.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Nährboden aus Angst und Groll

«El País» (Spanien): «Der Austritt Grossbritanniens hat gezeigt, dass es für den Nationalismus keinen besseren Nährboden gibt als die Angst und den Groll. Europa wurde von der letzten Wirtschaftskrise stark erschüttert und hat sich davon nicht erholt. Die EU wurde so zu einer perfekten Zielscheibe für all jene, die ihre Frustrationen und Ängste abladen wollen, die sich bei ihnen in schweren Zeiten angesammelt hatten.»

Europa unter deutscher Fuchtel

«Il Messaggero» (Italien): «Ende eines grossen Missverständnisses. Grossbritannien hat die EU überhaupt nicht verlassen. Es ist nie eingetreten. Es wäre daher falsch, Trauer zu empfinden. Allenfalls eine bittere Aufgeregtheit, zusammen mit einer Anwandlung von Erlösung. Der britische Abschied wird diesem Volk vielleicht helfen, über seine Zukunft nachzudenken (...). Aber es ist schwer, in dieser Scheidung auf Englisch nicht vor allem eine klare Botschaft an Merkel zu sehen. Eine echte Warnung im Interesse aller europäischen Bürger. Europa hat es nicht verdient, unter deutscher Fuchtel zu stehen.»

Die Bilder zum Brexit-Referendum

Britischer Provinzialismus

«Kathimerini» (Griechenland): «Die Wahrheit ist, dass die Briten und vor allem die Engländer nie mit ganzem Herzen Mitglied der Europäischen Union waren (…...). Entsprechend fiel die Entscheidung für den Brexit nicht aufgrund einer Wirtschaftskrise, eines Referendums oder dem Wunsch nach Einsparungen. Das waren nicht die Themen des Vereinigten Königreichs. Der Brexit ist den erfolglosen Manövern von David Cameron geschuldet, dem Provinzialismus, der Angst, von Flüchtlingen überschwemmt zu werden, der Unsicherheit und Mentalität der Älteren, der Stärke des Nationalpopulismus, der Haltung der Medien, den Zweifeln an einem wirklichen – oder eingebildeten – Establishment.»

Stadtmenschen gegen Landmenschen

«Lidove noviny» (Tschechien): «Debatten darüber, ob die Briten rational oder eher emotional abgestimmt haben, haben keinen Sinn. Die Bewohner der Insel sind geteilt in Stadtmenschen, welche die Vorteile eines überreichen Europas geniessen, und den Landmenschen, die den Eindruck haben, von den Vorteilen einer postindustriellen Gesellschaft nicht zu profitieren und bei den Politikern keinen Einfluss zu haben. Statt diese unzufriedene Gruppe von oben herab zu kritisieren, sollten die Politiker ihr Aufmerksamkeit schenken und herausfinden, was sie quält.»

Orbán verliert seinen Partner

«Nepszabadsag» (Ungarn): «Es ist keine einfache Frage, ob die Lösung der Krise in einem engeren oder in einem lockereren Bündnis (der EU-Staaten) liegt. Jene, die eher für Letzteres sind, wie zum Beispiel der ungarische Ministerpräsident, haben soeben ihren wichtigsten Bündnispartner verloren. Sie werden jetzt gezwungen sein, mit der übermütig gewordenen Marine Le Pen zusammenzuarbeiten, mit Geert Wilders und mit den übrigen rechtsextremen Populisten. Oder im Gegenteil, sie können versuchen, näher an das nunmehr völlig ins Zentrum gerückte Deutschland heranzurücken. Letzterem wünschen wir viel Erfolg!»

Moskau wird gewinnen

«Evenimentul Zilei» (Rumänien): «Es wird klare geopolitische Folgen haben. Russland hat dabei sehr viel zu gewinnen. Die Europäische Union wurde geschaffen, um Europa nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufzubauen und um den Einfluss der UdSSR auf den Kontinent zu hemmen. Jahrzehntelang war dies ein erfolgreiches Projekt. In den letzten Jahren aber ist die EU in beiden Zielen gescheitert. Sogar die Existenzberechtigung der EU ist infrage gestellt worden.»

Die EU wird geschwächt

«Moskowski Komsomolez» (Russland): «Noch sind nicht alle Folgen der britischen Entscheidung absehbar. Aber eines ist klar: Der Brexit wird die EU schwächen und die Rhetorik der Euroskeptiker befeuern, wie wir das am Beispiel Frankreich bereits erleben. Schon länger ist der Trend zu Eigeninteressen in der EU spürbar, und er schwächt die gemeinsam errungenen Vereinbarungen in wichtigen Fragen. Natürlich wird die EU für Grossbritannien ein Partner bleiben, aber viele Beziehungen werden gekappt – vielleicht sogar von den USA, für die London dann nicht mehr so wichtig ist. Ein Argument für die EU-Gegner war die Flüchtlingskrise. Dass aber Grossbritannien damit allein fertig wird, darf bezweifelt werden.»

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