International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

«Theresa ist eine verdammt schwierige Frau»: Wenn Politiker vergessen, dass das Mikro schon an ist

06.07.16, 11:29

In Grossbritannien herrscht nach dem Brexit vor allem das Chaos. Die Parteien sind führungslos: Die Labour-Mitglieder haben sich in einer Wahl gegen ihren Vorsitzenden Jeremy Corbyn ausgesprochen, doch der denkt nicht daran, seinen Hut zu nehmen. UKIP-Chef Nigel Farage hat dagegen ebenso das Handtuch geworfen, wie David Cameron bei den Konservativen.

Bei den Tories haben sich mittlerweile die potenziellen Nachfolger positioniert – und was von denen zu halten ist, haben nun zwei Tories selbst verraten – wenn auch nicht ganz freiwillig. Kenneth Clarke und Sir Malcolm Rifkind sind wegen eines Interviews beim TV-Sender «Sky» und sich augenscheinlich nicht bewusst, dass ihre Mikrofone bereits senden.

Sir Malcolm Rifkind – hier mal vor der Kamera.
Bild: Getty Images Europe

«Es ist ein absolutes Fiasko», sagt Clarke offenbar mit Blick auf das Rennen um den Vorsitz. «Mir ist egal, wer gewinnt, solange [Michael] Gove Dritter wird», antwortet Rifkind und wiederholt: «Solange Gove nicht unter den beiden ersten ist, ist es mir egal.» Clarke beruhigt: «Ich glaube nicht, dass die Parteimitglieder für Gove stimmen.»

Da muss sogar Hardliner Liam Fox die Augenbrauen hochziehen.
Bild: NEIL HALL/REUTERS

Und warum nicht? Clarke so: «Ich erinnere mich an Diskussion über Syrien oder den Irak, und er war derart wild, dass ich Blicke mit Liam Fox austauschte, der um einiges rechter ist als ich, und Liam zog nur die Augenbrauen hoch. Wenn Michael Premierminister wird, werden wir gegen mindestens drei Länder auf einmal Krieg ziehen.»

Boris Johnson (links) und Michael Gove dürften nach dem Mikro-Fauxpas etwas verschnupft gewesen sein.
Bild: POOL/REUTERS

Michael Gove hat aber auch eine gute Seite, wenn man Clarke glauben will. «Er hat uns allen den Gefallen getan, indem er Boris [Johnson] losgeworden ist. Die Vorstellung, dass Boris Premierminister wird, ist lächerlich.»

Andrea Leadsom kandidiert neben Gove und Theresa May für den Torie-Vorsitz. Bild: PETER NICHOLLS/REUTERS

Rifkind bestätigt eifrig: «Das hätte passieren können!» Und die Lästerei ist noch nicht vorbei. «Ich glaube, weder Andrea Leadsom noch Boris Johnson sind tatsächlich dafür, die EU zu verlassen», weiss Clarke über die Brexit-Befürworter. «Ich glaube, es war ihnen so oder so nicht wichtig», wirft Rifkind ein.

Gnade findet dagegen Parteikollegin Theresa May. «Sie ist nicht eine von diesen kopflosen, engstirnigen Irren, die glauben, wir könnten eine glorreiche wirtschaftliche Zukunft ausserhalb des [EU-]Binnenmarktes haben. Sie muss nur wissen, dass sie den extrem dummen Sachen, die sie gesagt hat, keine Taten folgen lassen darf.»

Clarkes Schlusswort zu Theresa May ist dann nochmals ein richtig schönes britisches Bonmot: «Theresa ist eine verdammt schwierige Frau, aber du und ich haben für Margaret Thatcher gearbeitet.» Woraufhin sich die beiden alten Herren auf die Schenkel klopfen.

Theresa May: Thatcher lässt grüssen.
Bild: PETER NICHOLLS/REUTERS

Wären Abgeordnete immer so ehrlich, wäre die Politikverdrossenheit gewiss deutlich geringer!

Das könnte dich auch interessieren:

10 Fragen, die dem SBB-Kundendienst im Internet tatsächlich gestellt wurden 🙈

Stoppt die Essensdiebe! 9 Etiketten, die du brauchst, wenn du im Büro arbeitest

Vergesst Russland und USA: In Syrien droht ein Krieg zwischen Iran und Israel

Dreht Obama durch? Dieses Video zeigt eine der grössten Gefahren für Demokratien

«Ohne Fiat Money wäre unser Wohlstand undenkbar»

Liebe Baslerinnen und Basler, das passiert jetzt mit eurer BaZ ...

John Oliver attackiert die Schweiz – das sagt der Steuerexperte dazu

«Sitz, du Sau!» – Als Hockeybanausin am Playoff-Finalspiel

Hätten die Echo-Verantwortlichen doch diesen Film gesehen ...

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
6
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pamayer 06.07.2016 22:10
    Highlight Wir könnten den briten ja glarner andrehen, und martullo blocher als Dolmetscherin.
    Dann wäre allen geholfen.


    Ausser, wenn die Briten dahinter kämen, dass diese idee von mir ist, dann hätt ich ein Great Broblem
    2 2 Melden
  • Gelöschter Benutzer 06.07.2016 14:28
    Highlight Wenn heute eine Person Rückgrat, Verbissenheit, Kampfgeist, Patriotismus zeigt und sich für seine Sache einsetzt ist die Frau/Mann "verdammt schwierig". Genau das erwarten wir eigentlich von uns allen und im Speziellen von gewählten Politikern. All diese Probleme der EU, in der CH und weltweit (Trump/Clinton, Syrien, etc.) basieren unter Anderem auf Unentschlossenheit und Gleichgültigkeit. es wird bald Zeit, dass unsere Politiker Haare auf den Zähnen haben und nicht nur Küsschen verteilen.
    8 9 Melden
    • dä dingsbums 06.07.2016 17:01
      Highlight Sehe ich nicht so.

      Wenn alle Politiker mehr "Haare auf den Zähnen haben", gibt es dann mehr Kompromisse oder mehr Konflikte? Denk mal darüber nach.

      G.W. Bush und Blair sind im Irak und Afgahnistan sehr entschlossen aufgetreten. Die Probleme lösen müssen jetzt aber andere...
      7 2 Melden
  • Peter Wolf 06.07.2016 12:40
    Highlight Bitte genau sein, lieber Kollege Dahm: Nicht die "Labour-Miglieder" haben Corbyn das Vertrauen entzogen ( das hätte eine Mitgliderbefragung erfordert und eine solche hat meines Wissen seit dem
    Brexit nicht stattgefunden), sondern die Mehrheit der Labour MPs im Unterhaus. Gruss Peter Wolf (Journi - zeitweise in GB - im Unruhestand)
    8 0 Melden
  • Calvin WatsOff 06.07.2016 12:01
    Highlight So ein Nonsens. Solch "Lästereien" sind ja wohl alltäglich...
    5 1 Melden
  • goschi 06.07.2016 11:42
    Highlight Ich seh jetzt keinen Skandal darin, nur Offenheit und wer den ganzen text verfolgt, vor allem zu theresa may, empfindet dies auch kaum als diffarmierend.
    Schwierig ist ja noch ziemlich wertfrei, dass der Umgang mit ihr nicht unproblematisch ist, ist nun auch kein Geheimnis, dazu ist sie zu Willensstark.

    3 1 Melden

Wie die Russen ein Schweizer Labor vorschoben, um sich aus der Skripal-Affäre zu ziehen

Die Russen sagen, das Labor in Spiez habe Beweise, dass der Westen am Angriff auf den Ex-Spion Skripal beteiligt gewesen ist. Jetzt weisen die Schweizer diese Darstellung vehement zurück. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Nach der Giftattacke auf den früheren russischen Doppelspion Sergej Skripal und dessen Tochter Julia, hat die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) die Untersuchung des verwendeten Kampfstoffes angeordnet. 

Vier Vertrauenslabors erhielten daraufhin Blutproben von Skripal und Julia wie auch Umweltproben aus deren Umgebung. Um welche Labors es sich dabei handelt, wird geheim gehalten. 

Am Donnerstag vor einer Woche veröffentlichte die OPCW schliesslich einen Bericht, wonach …

Artikel lesen