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Panama Papiere über China: Der rote Offshore-Adel

Chinas Führung reagiert gereizt auf die Enthüllungen über Briefkastenfirmen. Die Spuren führen offenbar zu Verwandten wichtiger Politbüro-Mitglieder.



epa05210553 A general view shows the closing of the Fourth Session of the 12th National Committee of the Chinese People's Political Consultative Conference (CPPCC) at the Great Hall of the People (GHOP) in Beijing, China, 14 March 2016. The CPPCC is the top advisory body of the Chinese political system and runs alongside the annual plenary meetings of the 12th National People's Congress (NPC), together known as 'Lianghui' or 'Two Meetings'.  EPA/WU HONG

Chinas Führung im Visier.
Bild: WU HONG/EPA/KEYSTONE

Ein Artikel von

Spiegel Online

Die chinesische Elite lebt nicht gerade enthaltsam, so viel ist bekannt. Neue Enthüllungen zeigen nun, dass Verwandte von Chinas mächtigstem Führungszirkel offenbar Geschäfte über internationale Briefkastenfirmen abgewickelt haben. Das hat die Auswertung der Panama Papiere durch Süddeutsche Zeitung und Guardian ergeben. Die Spur führe zu Angehörigen von drei der sieben amtierenden Mitglieder des Ständigen Ausschusses des Politbüro.

Die Veröffentlichungen zeigen demnach, wie Mitglieder der chinesischen Elite internationale Kanzleien und in Übersee registrierte Briefkastenfirmen nutzen, um möglicherweise ihr Vermögen zu verschleiern.

Folgende Verwandte von hochrangigen chinesischen Politikern hatten laut «Süddeutsche Zeitung» mit Offshore-Firmen zu tun, teils als alleinige Besitzer, teils als Anteilseigner. Die Namen der Politbüro-Mitglieder sind gefettet:

Die Enthüllungen bringen Chinas Führung in Verlegenheit. Präsident Xi Jinping hat seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren der Korruption den Kampf angesagt. Dieser solle sich sowohl gegen mächtige «Tiger» als auch einfache «Fliegen» wenden. Das Problem der Bestechung sei so gross, dass es den Machtanspruch der Kommunistischen Partei gefährden könne, warnte Xi damals. Seither werden hohe Funktionäre und ihre Familien – der sogenannte rote Adel – regelmässig verhaftet und verurteilt.

Die Panama-Meldungen stören nun das Bild, das Xi transportieren will. Denn betroffen sind auch Prinzlinge, also Kinder einflussreicher Politiker und Geschäftsleute. Bereits nach ersten Enthüllungen am Dienstag sprach die der chinesischen Führung nahestehende «Global Times» von einer «Kampagne zur Destabilisierung». Das Blatt wertete die Enthüllungen als Versuch, «nicht-westliche politische Eliten und Institutionen zu treffen».

Chinas Zensur versucht, die Verbreitung der Berichte zu verhindern. Nach Informationen der «China Digital Times» in Hongkong wies die Zensur die Staatsmedien an, Berichte über die Offshorefirmen in Steueroasen zu suchen und diese zu löschen. In sozialen Medien wurde die Suche nach «Panama Papieren» oder den Namen der Genannten verhindert.

Medien aus rund 80 Staaten veröffentlichen seit Sonntag Informationen über weitreichende Geldgeschäfte mit Briefkastenfirmen in Steueroasen. Die von einer anonymen Quelle übermittelten Daten stammen von der Kanzlei Mossack Fonseca.

Die Firma unterhält acht Büros in China und Hongkong – und damit mehr als in jedem anderen Land. Laut ihrer Internetseite hat sie Büros in den Finanzzentren Shanghai und Shenzhen, den Hafenstädten Qingdao und Dalian, aber auch in Provinzstädten wie Jinan, Hangzhou und Ningbo.

Wie der «Guardian» berichtete, stammen die meisten Eigentümer der von Mossack Fonseca betriebenen Briefkastenfirmen aus China, der zweitgrösste Anteil aus Hongkong.

kgp/cht/dpa/AP

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    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 07.04.2016 20:23
    Highlight Highlight Aus den "Kommunisten" sind gewöhnliche Kriminelle geworden...
    In China versuchen sie, den Schein zu wahren, was immer weniger gelingt.
    In Russland streiten sie erst alles ab, und wenn das nichts mehr hilft, treten sie die "Flucht nach vorn" an:
    "Das ist doch völlig normal, dass mächtige Leute so etwas machen, hahahahaa!"
    Die Militarisierung und Bevormundung der Gesellschaft durch "die Partei" hat die Leute charakterlich verdorben.
    Der "tote Fisch" stinkt vom Kopf her, aber er stinkt auch am Schwanz...

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