International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wer Mao einen «alten Hurensohn» flucht, fliegt: Chinesischer Star-Moderator gefeuert und gedemütigt 

Bi Fujian war im chinesischen Fernsehen ein Star-Moderator. Dann tauchte ein Video auf, in dem er sich über Mao Zedong lustig macht. Der TV-Mann wurde nicht nur gefeuert – an ihm soll ein Exempel statuiert werden.

18.08.15, 12:05 18.08.15, 12:21

Maximilian Kalkhof



In this photo taken Wednesday April 18, 2012, Bi Fujian, a talent show host at the state broadcaster CCTV, takes part in a program in Pingguo county in southern China's Guangxi Zhuang Autonomous Region. Authorities ordered a state broadcaster to punish a popular TV celebrity for insulting Communist Party founder Mao Zedong at a private dinner, state media reported Sunday, Aug. 11, 2015. (Chinatopix Via AP) CHINA OUT

Nannte Mao einen «alten Hurensohn». Bild: AP/CHINATOPIX

Ein Artikel von

Ein runder Tisch im Nebenraum eines chinesischen Restaurants, die Schalen und Teller sind leer, das Essen scheint noch nicht serviert zu sein. Der Fernsehmoderator Bi Fujian singt eine chinesische Oper, am Tisch sitzen mehrere Chinesen, auch ein Westler ist unter ihnen. Bi singt «Mit taktischem Geschick den Tigerberg erobern», eine sogenannte Modelloper – eine von acht Pekingopern, die während der Kulturrevolution entstanden und die politischen Erfolge Mao Zedongs und der Kommunistischen Partei (KP) preisen.

Aber Bi hält sich nicht an den Originaltext. Immer wieder fügt er spöttische Kommentare hinzu. Seine Zuhörer sind amüsiert. Dann besingt Bi den «Vorsitzenden Mao» mit den Worten: «Ach, erwähn doch nicht diesen alten Hurensohn, er hat uns so viel Elend gebracht.» Die Chinesen lachen. So ist es in einem Video zu sehen, das im April an die chinesische Öffentlichkeit gelangte – und die Fernsehkarriere von Bi beendete. Er muss gewusst haben, dass er während des Singens gefilmt und fotografiert wird, denn mehrmals zucken Blitzlichter durch den Raum. Wie und warum das Video publik wurde, ist nicht bekannt.

Bi Fujian ist in China nicht irgendein Moderator – er ist eine Institution. Seit 1989 moderierte der heute 56-Jährige beim Staatssender CCTV, zuletzt die Talentshow «Star Boulevard», die chinesische Version von «Das Supertalent».

Bi ist seit dem Vorfall von der Oberfläche verschwunden, aus chinesischen Medien war bis jetzt nichts über sein Schicksal zu erfahren. Die Zensurbehörde löschte das Video seiner Opern-Parodie (auf YouTube, das in China gesperrt ist, ist es aber nach wie vor zu sehen), auch hatte sie der Presse die Anweisung erteilt, nicht weiter über den Fall zu berichten. Doch nun ist ein Zeitungsbericht aufgetaucht, der nicht nur über den Verbleib von Bi Aufschluss gibt – sondern auch den Umgang der Führung in Peking mit Kritik an Mao verdeutlicht.

Die China Discipline Inspection Daily, eine staatliche Tageszeitung, die der Anti-Korruptions-Kommission der KP nahesteht, verkündete jetzt, dass Bi das Image der KP und des ehemaligen Staatsführers beschädigt habe. Wie die Zensurbehörde entschieden habe, handele es sich um einen Vorfall, «der die politische Disziplin schwer verletzt» habe. Weiter heisst es im Originalton: «Die Behörden fordern die Disziplinarkommission von CCTV auf, den Fall ernst zu behandeln und allgemein vor solchem Verhalten zu warnen.» Zwei Dinge sind an diesem Satz bemerkenswert: Zum einen, dass es innerhalb des Staatssenders CCTV eine Kommission zu geben scheint, die politisch unliebsames Verhalten ahndet. Zum anderen, dass an Bi offenbar ein Exempel statuiert werden soll. «Das Huhn töten, um den Affen zu erschrecken», sagt man auf Chinesisch dazu. Was genau das für den Moderator bedeutet, bleibt unklar.

FILE - In this Feb. 5, 2015 file photo, vendors sell posters of Chinese President Xi Jinping, left, and Communist Party founder Mao Zedong, center and right, on a street of Gujiao in northern China's Shanxi province. Authorities ordered a state broadcaster to punish a popular TV celebrity for insulting Mao at a private dinner, state media reported. Bi Fujian was a talent show host on China Central Television when a video circulated in April showing him mocking Mao in comments interspersed in a song. He publicly apologized and was suspended. (AP Photo/Ng Han Guan, File)

Bild: Ng Han Guan/AP/KEYSTONE

Chinas Zensurbehörde intervenierte zuletzt immer wieder, wenn sie befürchtete, Presse und Fernsehen könnten vom Sozialismus abfallen. Im Juli monierte sie, dass chinesische Reality-Shows dem Materialismus huldigten und verpflichtete sie deswegen, sich zu den «zentralen sozialistischen Werten» zu bekennen. Einen Monat zuvor hatte sie Radio- und Fernsehsender dazu aufgefordert, ihre Moderatoren genauer zu überprüfen und angekündigt, die Qualifikationen der Moderatoren regelmässig zu kontrollieren. Derzeit müssen alle Moderatoren zwei staatliche Zertifikate vorweisen: einen Sprachtest und einen Test, der die beruflichen Fertigkeiten bescheinigt. Beide Bescheinigungen müssen regelmässig erneuert werden.

Moderator entschuldigte sich

Die «zentralen sozialistischen Werte» sind ein Propagandaslogan der KP, der in China allgegenwärtig ist. Er prangt in U-Bahnschächten und an Häuserfassaden, in jeder Stadt und auch auf dem Land. Nach Staatspräsident Xi Jinping sind die Werte «alles durchdringend, wie Luft». Zu den «zentralen sozialistischen Werten» gehören unter anderem Begriffe wie Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit. Dass damit etwas anderes gemeint ist als im Westen, zeigen Fälle wie der von Bi Fujian.

Bi hat sich mittlerweile für sein Verhalten entschuldigt. Auf seinem offiziellem Weibo-Account, der chinesischen Version von Twitter, schrieb er, er sei bedrückt und mache sich Selbstvorwürfe. «Als Person des öffentlichen Lebens habe ich eine Lektion gelernt und werde jetzt streng und diszipliniert sein», kündigte er an.

Die Reaktionen auf seinen Post fielen sehr unterschiedlich aus. Viele Weibo-User vermuten hinter dem Video-Leak Rache und spekulieren, dass Bi Opfer eines Komplotts geworden sei. Manche verteidigen Mao Zedong. «Der Vorsitzende Mao darf nicht beleidigt werden, von niemandem!», schimpft einer. Viele nehmen Bi aber auch in Schutz: «Ich dachte, wir hätten jetzt Redefreiheit», schreibt etwa ein anderer.

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

3
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hayek1902 18.08.2015 22:58
    Highlight da hat er absolut recht. empfehle jedem chinesen, mal endlich eine unabhängige mao biographie zu lesen. leider glauben die die märchen immer noch
    1 1 Melden
  • MaskedGaijin 18.08.2015 17:58
    Highlight schade. der mann hat recht.
    5 1 Melden
  • swissda 18.08.2015 16:53
    Highlight Auf dem Titelbild sieht der aus wie Raimondo Ponte :-D
    2 1 Melden

USA sanktionieren China wegen Waffengeschäfts mit Russland

Die USA haben Sanktionen gegen China wegen Waffengeschäften mit Russland verhängt. Die Strafmassnahmen richten sich gegen die für Waffen und Ausrüstung zuständige Entwicklungsabteilung des chinesischem Militärs und deren Leiter, Li Shangfu.

Das teilte das Aussenministerium in Washington am Donnerstag mit. Grund seien Geschäfte zum Kauf von zehn russischen Kampfjets vom Typ SU-35 und dem Boden-Luft-Raketensystem S-400.

Gleichzeitig setzte die US-Regierung 33 weitere Personen und Einrichtungen, die …

Artikel lesen