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Beihilfe zum Mord in 170'000 Fällen: Auschwitz-Wachmann zu fünf Jahren Haft verurteilt

17.06.16, 14:36 17.06.16, 15:44

Ein deutsches Gericht hat einen früheren SS-Wachmann im Konzentrationslager Auschwitz zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Reinhold Hanning vor dem Landgericht Detmold am Freitag, 17.6.2016. Bild: AP/POOL dpa

Das Landgericht Detmold (Nordrhein-Westfalen) sprach den 94-Jährigen Reinhold Hanning am Freitag der Beihilfe zum Mord in mindestens 170'000 Fällen schuldig. «Sie waren knapp zweieinhalb Jahre in Auschwitz und haben damit den Massenmord befördert», sagte Richterin Anke Grudda bei der Urteilsbegründung. Hanning sei bewusst gewesen, «dass in Auschwitz tagtäglich unschuldige Menschen in Gaskammern ermordet wurden».

Der Angeklagte hatte im Prozess zugegeben, Mitglied der SS-Wachmannschaft in Auschwitz gewesen zu sein und vom Massenmord gewusst zu haben. Die Verteidigung hatte Freispruch beantragt, weil keine Beweise für die direkte Beteiligung an konkreten Taten vorlägen.

Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft gefordert. Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Auschwitz mehr als eine Million Menschen ermordet. (sda/dpa/afp)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • pamayer 18.06.2016 02:20
    Highlight Wachmann, war dabei. Mitschuldig.

    Will ja nicht wissen, wie perfid und repressiv die ss den eigenen leuten gegenüber waren. Was wären die folgen eines leisen zögerns gewesen?

    War es nicht so, dass viele nazi kader nach dem Krieg wieder leitende Stellungen innehatten?
    Da ist ein Wachmann mit seiner ganzen mitschuld ein sehr kleiner fisch.
    1 0 Melden
  • DonPedro 17.06.2016 23:25
    Highlight Der Verurteilte hat das Pech, 94 Jahre alt zu werden.
    All diese KZ Wachmänner, die früher gestorben sind, wurden weder angeklagt noch verurteilt.
    Die KZ Todesfabriken könnten ja nur mit einer Belegschaft von Tausenden von Mittätern oder Gehilfen funktionieren!
    Diese konnte man während des "kalten Krieges" nicht einfach verurteilen, sondern brauchte sie für den Wiederaufbau!
    Und übrigens, wie mancher Richter der Nachkriegszeit, hatte nicht selber
    "Braunen Dreck am Stecken"?
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  • Kronrod 17.06.2016 19:52
    Highlight Die entscheidende Frage in solchen Fällen ist: hat er eine Wahl gehabt? Hätte er sich dem ganzen zB durch Versetzungsanträge entziehen können? Hat er es zumindest versucht? Wenn nicht, hat er sich wohl mitschuldig gemacht. Insgesamt ist es aber heikel, indirekt Beteiligte zu bestrafen.
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    • Gelöschter Benutzer 17.06.2016 20:57
      Highlight In einem Buch (dessen Namen ich vergessen habe) von einem ehemaligen Häftling der später ein grosser Psychiater wurde, waren Wärter beschrieben die 'unbeabsichtigt' brot irgendwo 'fallen' gelassen haben, oder Wein in den Schlafbaraken versteckten oder (das mag sich jetzt schrâg anhören) den lebensmüden Häftlingen nach Monaten im 'Loch' einen Gurt oder Schnürsenkel zur erlösung gaben...

      Hätte man von solchen Menschen kategorisch mehr erwarten dürfen, oder macht sie das schon zu kleinen Helden des Alltags?

      Ohne zu wissen ob er (R.H.) auch zu solchen gehört... DeEürde er es überhaupt sagen??
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  • HerrBircher 17.06.2016 19:36
    Highlight Ich sehe das Urteil aus geteilter Perspektive: Einerseits ist es unbeschreiblich Schrecklich was in Auschwitz passierte. Andererseits, stellt sich die Frage wie er sich andersweitig verhalten haben sollte, wenn man weiss wie das Militär funktioniert und welche unglaublich starken psychologischen Effekte dort genutzt werden.
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  • Gelöschter Benutzer 17.06.2016 17:59
    Highlight 70 Jahre zu spät. Was soll denn das?
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