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** ARCHIV ** Das undatierte Archivbild, zur Verfuegung gestellt vom Architekturbuero Ingenhoven Architekten, Duesseldorf, zeigt im Modell den geplanten neuen Stuttgarter Hauptbahnhof mit den charakteristischen Tageslichtoeffnungen.  Das Stuttgart 21 genannte Projekt soll den derzeit oberirdischen Kopfbahnhof in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof verwandel und rund 2,8 Milliarden Euro kosten. (AP Photo/Architekturbuero Ingenhoven, Holger Knauf) ** NUR ZUR REDAKTIONELLEN VERWENDUNG *  ** --- ** ** This undated photo, published by Ingenhoven Architekten, Duesseldorf,  shows the planned new Stuttgart main station. The

Modell des geplanten neuen Stuttgarter Hauptbahnhof mit den charakteristischen Tageslichtöffnungen.
Bild: AP INGENHOVEN ARCHITEKTEN DUESSELDO

Umstrittenes Bahnprojekt Stuttgart 21 wird 500 Millionen Euro teurer – und später fertig

Hiobsbotschaft für das umstrittenste Grossprojekt des Landes: Die Kosten für Stuttgart 21 steigen nach «Spiegel»-Informationen wohl auf über 6,5 Milliarden Euro. Und die Eröffnung 2021 klappt auch nicht.

Sven Böll



Ein Artikel von

Spiegel Online

Es gibt schlechte Nachrichten. Es gibt ungünstige Zeitpunkte. Und es gibt Nachrichten, die kommen einfach zu einem verdammt ungünstigen Zeitpunkt. So wie am Freitag, als eine mehrseitige Unterlage die Aufsichtsräte der Deutschen Bahn für die Sitzung des Kontrollgremiums Mitte Juni erreichte.

Wenige Tage nachdem die Schweiz mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels aller Welt demonstriert hat, wie Grossprojekte erfolgreich gemanagt werden, erleidet das derzeit grösste Infrastrukturprojekt der Bundesrepublik einen erneuten Rückschlag.

Die Bahn, die für Stuttgart 21 bislang Kosten von knapp sechs Milliarden Euro veranschlagt hatte, fürchtet nun, dass es mehr als 6,5 Milliarden Euro werden. Das sind gut 500 Millionen Euro zusätzlich.

Der kleine Lichtblick dieser düsteren Nachricht ist, dass der nun kalkulierte Betrag von 6,511 Milliarden Euro noch innerhalb jener 6,526 Milliarden Euro liegt, die der Aufsichtsrat vor drei Jahren als Finanzierungsrahmen – also als Obergrenze inklusive grosszügigem Risikopuffer – bewilligt hatte. In der Unterlage für das Kontrollgremium heisst es deshalb beschwichtigend: «Die Bestandsaufnahme zeigt, dass selbst bei komplettem Eintreten der festgestellten Termin- und Kostenrisiken der in 2013 definierte und vom Aufsichtsrat beschlossene Finanzierungsrahmen eingehalten würde.»

Für eine streng mathematische Betrachtung stimmt das. Allerdings verbleibt bis zu dieser Obergrenze nur noch ein Mini-Puffer von 15 Millionen Euro – auf die Gesamtkosten von 6,5 Milliarden Euro bezogen sind das gerade einmal rund 0,2 Prozent. Hinzu kommt, dass der neue Betrag nicht mehr allzu weit von jenen 6,8 Milliarden Euro entfernt ist, die von der Bahn einst als absolute Schmerzgrenze definiert wurden.

«Neue, extern induzierte Risiken seit 2013»

Problematisch ist auch, dass sich die üppige Kostensteigerung von mehr als 500 Millionen Euro innerhalb von nur drei Jahren ergeben hat. Zumal Stuttgart 21 noch immer mehr Modell als Realität ist, gerade einmal 1,5 Milliarden Euro sind bislang verbaut worden – und damit weniger als ein Viertel der nun unterstellten Gesamtkosten.

Dass es bei der nächsten umfangreichen Kostenschätzung, die voraussichtlich in zwei bis drei Jahren stattfinden wird, nochmals teurer wird, ist zwar aus heutiger Sicht Spekulation. Die Erfahrung lehrt allerdings, dass Megaprojekte in der Regel im Lauf der Zeit nicht günstiger werden. Bis 2009 glaubte die Bahn, Stuttgart 21 sei für rund drei Milliarden Euro zu haben. Nun wäre es bereits ein riesiger Erfolg für das Unternehmen, wenn es mehr als doppelt so viel würde.

Allerdings ist die Bahn für die finanzielle Misere nicht allein verantwortlich. Wie aus der brisanten Unterlage weiter hervorgeht, geht die Kostensteigerung vor allem auf «neue, extern induzierte Risiken seit 2013» zurück. So mussten unter anderem die Fluchtwege im neuen Hauptbahnhof aufwendig umgeplant werden, im Tunnelbau kommen neue Verfahren zum Einsatz, und die Auflagen beim Lärmschutz sind gestiegen.

Allein mit 45 Millionen Euro zusätzlichen Ausgaben kalkuliert der Konzern, weil er eine Handvoll Bäume, in denen Juchtenkäfer wohnen oder vermutet werden, nicht fällen darf, und weil er rund zehntausend Eidechsen umsiedeln muss. Mit weit mehr als 160 Millionen Euro Mehrkosten rechnet die Bahn, weil die Planfeststellungsverfahren für einzelne Bauabschnitte länger dauern und Genehmigungen von Behörden später als veranschlagt erteilt werden.

Immerhin will das Unternehmen nun versuchen, die Kostensteigerung zu begrenzen. Mit unzähligen Massnahmen soll dafür gesorgt werden, dass der ursprüngliche Zeitplan wieder halbwegs der Massstab ist. Schliesslich gilt: Je schneller die Bauarbeiten vorangehen, desto günstiger wird es. Jedes Jahr Verzögerung bei Stuttgart 21 kostet 100 Millionen Euro. Deshalb schlägt die Bahn den Aufsichtsräten unter anderem vor, auf bestimmten Bauabschnitten die Arbeitszeiten zu erhöhen oder auf eine Verlegung der A8 zu verzichten. In dem Dokument heisst es, der Vorstand «strebe an», so den ursprünglich vereinbarten Kostenrahmen und den geplanten Termin für die Inbetriebnahme Ende 2021 einzuhalten.

Wer etwas anstrebt, hat den Glauben allerdings häufig längst verloren. Im Konzern ist deshalb zu hören, statt einer Eröffnung im Dezember 2021 sei eher Ende 2023 realistisch. Wohlgemerkt: Das ist der Stand von Mitte 2016. In siebeneinhalb Jahren kann noch viel passieren.

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    Alle Leser-Kommentare
  • The Destiny // Team Telegram 04.06.2016 10:49
    Highlight Highlight Ich dachte das Projekt wurde Mittels Proteste verhindert, weil man so nichts davon gehört hat. XD
  • Klaus K. 04.06.2016 10:00
    Highlight Highlight "Allein mit 45 Millionen Euro zusätzlichen Ausgaben kalkuliert der Konzern, weil er eine Handvoll Bäume, in denen Juchtenkäfer wohnen oder vermutet werden, nicht fällen darf, und weil er rund zehntausend Eidechsen umsiedeln muss."
    -
    Naja, wer um jeden Preis Geld scheffeln will, schafft es auch. 45 Mio für ein paar Bäume und Eidechsen... Der Konzern zockt die Politiker ab, und diese die Bürger. Muss wohl so sein.
    • Klaus K. 04.06.2016 21:12
      Highlight Highlight zuagrosta, genauso rechtfertigen depperte ideologische politiker die mehrkosten. eidechsen retten ist ok, darum gehts gar nicht. aber: 45 mio sind 450 mann-jahre (!) arbeitskraft, in deutschland wohl gar das doppelte. soviel brauchts um die eidechsen umzusiedeln? "etwas geld", haha, schön untertrieben. aber gut kann man dem staat irre preise verrechnen, wird ja alles durchgewunken.
  • Licorne 04.06.2016 09:06
    Highlight Highlight Warum laufen in Deutschland so viele Projekte dermassen aus dem Ruder? Verständlich, dass da die Bevölkerung rebelliert und das Vertrauen in die Regierung dadurch nicht gerade wächst. Nicht nur Grossprojekte, auch im Kleinen schaffen sie es viel zu häufig nicht, diese sauber durchzuziehen. Und schlussendlich wird wohl niemand dafür geradestehen müssen.
  • Raembe 04.06.2016 08:36
    Highlight Highlight Haha wieso denk ichnach dieser Story bloss an Berlins Flughafen 😂😂😂
  • Hierundjetzt 04.06.2016 07:57
    Highlight Highlight Jetzt mal ehrlich, unsere Nachbarn sind doch nicht blöd. Deren Ingenieure und Projektleiter sind doch gleich gut wie unsere. Beide Länder haben ähnliche Bildungssysteme, Kulturen und Rechtsprechungen.

    Also, an was liegt es dann? Ich stehe vor einem Rätsel.
    • E7#9 04.06.2016 09:28
      Highlight Highlight Rundherum wird applaudiert weil der Gotthard-Basistunnel rechtzeitig und budgetgerecht fertiggestellt wurde. Das ist für Europa nicht normal. In der EU ist es üblich ursprüngliche Budgets nach und nach zu erhöhen und die Fertigstellung der Grossbauwerke terminlich nach hinten zu Verlegen. Verträge werdenhalbherzig eingehalten, Deutschland und Italien erfüllen ihre Vorgaben zum Nord/Süd-Transit nicht rechtszeitig (wenn überhaupt). Die Schweiz dürfte nun ruhig etwas selbsbewusster gegenüber der EU autreten und auch penibel auf die Einhaltung der Verträge hinweisen.
    • Tornado 04.06.2016 10:23
      Highlight Highlight Ich denke hier kann man schön sehen wohin die Geiz ist Geil Mentalität hinführt. Nur noch der günstigste erhält den Auftrag. Also wird getrickst, geschummelt wo es nur geht und dann immer schön Zusätze verrechnet. Und da immer mehr Stellen involviert sind, kann man sich dann den Schwarzen Peter schön hin und her schieben ohne das es Konsequenzen hat.
    • MM 04.06.2016 10:54
      Highlight Highlight Auch bei uns können Projekte aus dem Ruder laufen:

      «Die Gesamtkosten für den Basistunnel beliefen sich schliesslich auf 318,5 Mio. Franken, gut vier Mal mehr als geplant»
      Wikipedia über den Furka-Basistunnel
    Weitere Antworten anzeigen
  • zettie94 04.06.2016 07:54
    Highlight Highlight In der Schweiz sind gerade ein paar Ingenieure vom GBT freigeworden. Da könnten wir den Deutschen ja mal ein bisschen unter die Arme greifen ;-)
  • Seppeli 04.06.2016 07:17
    Highlight Highlight Ursprünglich sollte die Sache doch 5 Milliarden kosten?
    • Maett 04.06.2016 10:53
      Highlight Highlight @Seppeli: 3.076 Milliarden Euro waren vorgesehen, plus 1.5 Milliarden Puffer.

      Naja, Preisaufschläge gehören dort ja zum guten Ton, warum auch immer... dass die Bevölkerung rebelliert, kann man allerdings verstehen.

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