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Streifenwagen vor der Flüchtlingsunterkunft in Kassel-Calden.
Bild: twitter

Streit unter Flüchtlingen in Kassel-Calden eskaliert – 14 Verletzte 

In Kassel-Calden ist ein Streit unter Flüchtlingen eskaliert: Hunderte Menschen attackierten sich mit Stöcken und Reizgas, die Auseinandersetzung dauerte mehrere Stunden. 14 Personen wurden verletzt, darunter drei Polizisten.

28.09.15, 04:09 28.09.15, 08:36

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Bei Massenschlägereien in der Flüchtlingsunterkunft Kassel-Calden sind 14 Menschen verletzt worden. Mehrere Hundert Menschen verschiedener Nationalitäten waren in die stundenlangen Auseinandersetzungen involviert, wie die Polizei mitteilte. Die Beteiligten schlugen unter anderem mit Stöcken aufeinander ein und versprühten Reizgas.

Am Sonntagmittag sei es während der Essenausgabe in der Kantine zunächst zu einer Rangelei zwischen zwei Bewohnern gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Dieser Streit habe am frühen Nachmittag zu einer Auseinandersetzung zwischen Pakistanern und Albanern geführt. Jeweils rund 60 Menschen seien aufeinander losgegangen. Acht seien dabei verletzt worden. Die Polizei habe die Lage zunächst beruhigt.

Am Abend eskalierte die Gewalt erneut: Diesmal hätten sich 70 auf der einen und 300 Menschen auf der anderen Seite gegenübergestanden, sagte der Polizeisprecher. Erst nach mehreren Stunden sei es der Polizei gelungen, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Festnahmen habe es keine gegeben.

1500 Flüchtlinge aus 20 Nationen

Die Polizei versuchte am Abend, Ausweichquartiere für einige der Flüchtlinge zu finden, um die Lage in der Zeltstadt zu entspannen. Bis zu 50 Beamte waren auf dem Gelände des alten Flughafens Calden im Einsatz. Dort sind Polizeiangaben zufolge rund 1500 Flüchtlinge aus etwa 20 Nationen untergebracht. Erst vor zwei Wochen hatten sich dort mehrere Menschen gegenseitig mit Reizgas angegriffen. Rund 60 von ihnen wurden verletzt, darunter auch Kinder.

«Wenn über eintausend Menschen aus 18 Nationen zusammenleben, dann beinhaltet das eine gewisse Eskalationsstufe. Das war mir natürlich klar», sagte der Bürgermeister der Gemeinde Calden, Maik Mackewitz, der Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen. In dieser Schärfe sei eine Auseinandersetzung in der Caldener Zeltstadt jedoch etwas Neues.

Schon seit Monaten wird über die richtige Unterbringung von Flüchtlingen diskutiert – auch, weil es immer wieder zu teils gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Bewohnern kam. Suhl Bonn, Dresden und Trier gerieten so zuletzt in die Schlagzeilen. Inzwischen fordern führende Unionspolitiker eine getrennte Unterbringung von christlichen und muslimischen Flüchtlingen.

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(aar/dpa/Reuters)

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    Alle Leser-Kommentare
  • RFC 28.09.2015 10:18
    Highlight Also eine "getrennte" Unterbringung halte ich doch für eher kontraproduktiv. Eher sollte von Anfang an klar gemacht werden das ethnische / religiöse oder ähnliche Zwistigkeiten nicht akzeptabel sind.
    9 1 Melden
  • boxart 28.09.2015 09:06
    Highlight Von wo zum Teufel kriegten diese Flüchtlinge das Reizgas her?
    Ich verstehe nichts mehr.
    10 0 Melden

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