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Wie Angela Merkels Social-Media-Team mit einem Asyl-Post auf Facebook für Aufsehen sorgt



Am Montag wählte das Redaktionsteam für soziale Medien der Bundesregierung die Flucht nach vorne: In einem knapp 7000 Zeichen starken Post auf Facebook thematisierten die Redaktoren die wohl brennendste politische Frage in Deutschland überhaupt – die Flüchtlingsfrage. Hintergrund war eine Pressenkonferenz von Innenminister Thomas de Maizière. Der CDU-Innenminister hatte zuvor angekündigt, dass in diesem Jahr wohl bis zu 800'000 Menschen in Deutschland um Schutz und Asyl ersuchen werden – ein Aufschrei von sogenannten besorgten Bürgern war vorprogrammiert:

«Bundesregierung, meine Kristallkugel sagt grade einen Shitstorm biblischen Ausmaßes voraus.»

Reaktion eines Facebook-Users zum Post

Sympathisch die Reaktion des Social-Media-Teams darauf:

«Unsere Kristallkugel sagt ganz ähnliches, lieber Torsten Schwender. Manchmal muss man Dinge einfach beim Namen nennen. Und unsere Tastaturen sind geölt, kann losgehen.»

Und im Facebook-Post wurden die Dinge tatsächlich beim Namen genannt:

«Jeder Mensch, der zu uns kommt, hat das Recht, würdig behandelt und sicher untergebracht zu werden. Und jeder hat ein Recht darauf, dass wir seine Gründe, zu uns zu kommen, in einem ordentlichen Verfahren prüfen»

Social-Media-Redaktionsteam der Bundesregierung

Erwartungsgemäss hagelte es Kommentare. Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Artikels waren es 1'641. 4692-mal wurde der Post geteilt, 10'896-mal der Like-Button gedrückt. In den Kommentarspalten entwickelte sich eine rege Diskussion – in der sich positive und negative Beurteilung des Posts die Waage hielten.

Neben Glückwünschen zum Text ...

«Liebe Redaktion, fühlt Euch gefeiert.»

«Ganz grosses Kompliment für diesen differenzierten Beitrag, der beide Seiten ernst nimmt und den Extremen auf beiden Seiten eine klare Absage erteilt.»

... gibt es auch geharnischte Kritik.

«Das ist quasi die Abteilung für Schönreden, Lügen und Falschdarstellungen!»

«Als ob es bei den 800'000 bleiben wird! Man wird, was das Thema Flüchtlinge angeht, nur noch verarscht! Man wird, wenn man sich negativ äusserst, als Nazi betitelt.»

«Wann wird es endlich einen demokratischen Diskurs zur aktuellen Einwanderungswelle geben? Diese ist schließlich kein Naturereignis, sondern eine staatliche gewollte Maßnahme.»

Die Social-Media-Redaktoren lassen es nicht bei dem Post bleiben, sondern stellen sich in der Kommentarspalte der Debatte. Mit ihren Beiträgen versuchen sie, die Diskussion zu versachlichen und ein Überhandnehmen von rassistischen oder diskriminierenden Kommentaren zu verhindern:

«Guten Abend, hier schreibt das Redaktionsteam für soziale Medien im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Natürlich interessieren wir uns für die Ideen und Gedanken der Menschen, hier im sachlichen Dialog via Facebook, dafür sind wir da, gern übrigens.»

Social-Media-Redaktionsteam der Bundesregierung

Und ernten auch dafür – mehrheitlich – Lob:

«Noch mehr als über diesen Post staune ich über das Antwort-Team – selten habe ich bei Organisationen, Firmen etc. etwas derart Professionelles gesehen, da versteht in der Tat jemand was von Kommunikation und darüber freue ich mich sehr! Weiter so, bleibt fleissig! 

«Wenn schon die Regierung an sich den Mund nicht anständig aufkriegt, dann wenigstens das Facebook-Team. Danke dafür, Leute. smile emoticon»

Die Praktikanten-Keule wird ebenfalls geschwungen:

«Die Kommentare schreiben irgendwelche Praktikanten oder Azubis ... und wenn sie überfordert sind sachlich zu antworten, weil sie selber wissen oder anhand mancher Kommentare grad merken dass im Lande was nicht ganz stimmt, dann wird einfach nicht mehr geantwortet !!!!»

Die Diskussion erschliesst schnell einmal neue Themenfelder – über die Flüchtlingsdebatte hinaus. Die Löhne der Politiker, das parlamentarische System der Bundesrepublik, die Exportpolitik Deutschlands, die Zusammenarbeit mit diktatorischen Regimes, usw.

Daneben gibt es nicht wenige User, die auf Facebook ihre persönliche Hilfe anbieten, um den Flüchtlingen und Asylsuchenden das Leben zu erleichtern.

«Natürlich liest sich ihr Text gut. Aber Papier ist geduldig (oder eine Bildschirm-Ausgabe). Aber wie heisst es so schön. An den Taten soll man sie (Euch) messen. Und ja, ich würde auch gerne meinen Beitrag leisten und meine Arbeitskraft zur Verfügung stellen.»

(wst)

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