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Dasselbe Lächeln, aber konträre Interessen: Assad-Freund Putin trifft Assad-Gegner Hollande.
Bild: REGIS DUVIGNAU/REUTERS

Deutschland, USA, Türkei und Co. fordern von Russland Stopp von Luftschlägen auf Rebellen, die nicht dem IS angehören

02.10.15, 16:10

Gipfeltreffen: Bundeskanzlerin Merkel mit Russlands Präsident Putin, dem ukrainischen Staatspräsidenten Poroschenko und Francois Hollande.
Bild: AP/RIA NOVOSTI KREMLIN

Eine breite internationale Koalition hat Russland die Eskalation des Syrien-Konflikts vorgeworfen. Sie forderte den sofortigen Stopp von Luftangriffen auf die «gemässigte Opposition».

«Diese Militäraktionen bedeuten eine weitere Eskalation und werden mehr Extremismus und Radikalisierung schüren», heisst es in einer in der Nacht zum Freitag veröffentlichten Erklärung mehrerer Staaten. Die westlich-arabische Anti-IS-Koalition wirft Moskau vor, bislang vor allem die gemässigten Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad angegriffen zu haben.

Erste Video-Aufnahmen von russischem Stützpunkt in Syrien

YouTube/RT

Insbesondere die Luftangriffe auf Hama, Homs und Idlib mit zahlreichen Toten in der Zivilbevölkerung seien nicht gegen die IS-Terrormiliz gerichtet gewesen, heisst es in der gemeinsamen Erklärung von Deutschland, den USA, Frankreich, Grossbritannien, der Türkei, Saudi-Arabien und Katar.

EU zeigt sich «besorgt» über Angriffe

Moskau wird darin aufgerufen, seine Angriffe auf die syrische Opposition und Zivilisten «sofort zu stoppen» und seine Bemühungen auf den Kampf gegen den IS zu konzentrieren. Auch die EU zeigte sich am Freitag «besorgt» über zivile Opfer der russischen Angriffe und verlangte von Moskau, seine Ziele «sorgfältig auszusuchen».

Bislang gibt es keine Anzeichen, dass die internationalen Kritik an Russlands Vorgehen etwas ändern könnte: Die Angriffe würden mindestens noch «drei bis vier Monate» fortgesetzt, sagte der Vorsitzende des aussenpolitischen Ausschusses des russischen Parlaments, Alexej Puschkow, dem französischen Sender Europe 1. Und auch die Intensität könne noch gesteigert werden.

Russische Jets bombardierten auch Vororte der Hauptstadt Damaskus – insgesamt wurden in den letzten 24 Stunden rund 20 Angriffe geflogen.
Bild: AP/Qasioun News

Die russische Luftwaffe bombardiert seit Mittwoch Ziele in Syrien. Alleine am Donnerstag wurden dabei nach Angaben von Aktivisten mindestens sieben Zivilisten getötet, darunter zwei Kinder. Nach Moskauer Darstellung richten sich die Angriffe gegen die Islamistenmiliz Islamischer Staat (IS) und andere extremistische Gruppen.

So sei am Donnerstag erstmals die syrische IS-Hochburg Rakka in der gleichnamigen Provinz von Kampfbombern vom Typ Suchoi 34 bombardiert worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Freitag mit. Ein Ausbildungslager und ein getarnter Befehlsposten seien getroffen worden.

Zwölf IS-Kämpfer in Rakka getötet

Der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge wurden dabei mindestens zwölf IS-Kämpfer getötet. Nach Moskauer Angaben wurden auch IS-Ziele in den Provinzen Aleppo an der türkischen Grenze und Idlib «vollständig zerstört».

Beobachter und Aktivisten sagen, die von Russland ausgewählten Ziele zeigten, dass Moskau alle Gruppen treffen wolle, die sich gegen Damaskus richteten - ob Dschihadisten oder andere. Ziel sei es, Assad an der Macht zu halten. Russland ist nur ein Mitspieler in einem überfüllten Feld von Akteuren.

Die Türkei begann mit Angriffen, die sich offiziell gegen den IS richteten, von denen die meisten aber auf Kurden abzielten. Saudi-Arabien und Katar sehen in dem Konflikt einen Stellvertreterkrieg gegen ihren Rivalen Iran. «Und dann sind da noch die USA, die gegen Assad sind», sagt sagt der Experte vom Londoner Rusi-Institut, Shashank Joshi. (tat/sda/apf/dpa)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • sowhat 03.10.2015 09:59
    Highlight Die "gemeinsamen Erklärungen" sind genau das worauf er baut. Er weiss, dass keine Handlungen folgen sondern weitere Erklärungen und allenfalls "Protestnoten" also kann er ruhig sein Ziel verfolgen, was hat er schon zu befürchten? hats ja bei der Krim ausprobiert....
    2 0 Melden
  • Ruffy 02.10.2015 19:59
    Highlight Ist das nicht Toll, haben die Amis und die Russen mal wieder ein Land gefunden in dem sie Krieg spielen können...
    2 4 Melden
  • Henrix 02.10.2015 18:29
    Highlight NATO Propaganda vom feinsten. Wie aus dem Lehrbuch. Das wird so weitergehen, und sich noch intensivieren. Nicht beeindrucken lassen.
    14 7 Melden
  • Thrasher 02.10.2015 18:23
    Highlight Ich kann das Wort "gemässigte Opposition" sowas von nicht mehr hören! Reine Rethorik, um uns das Bild von Gut und Böse zu vermitteln.
    12 4 Melden
  • Gelöschter Benutzer 02.10.2015 17:18
    Highlight Hätte man den Vorschlag der Türkei eine Flugverbotszone in Nordsyrien einzurichten ernstgenommen, würde die ganze Situation ganz anders aussehen.
    6 5 Melden
    • holymoly 02.10.2015 17:24
      Highlight wie? und warum wollte erdogan im (grösstenteils kurdischen) nordsyrien eine flugverbotszone einrichten?
      5 3 Melden
    • WeischDoch 02.10.2015 17:35
      Highlight Damit die USA den Kurden nicht mehr gegen den IS unterstützen können? Versteht doch endlich, dass die Türkei Gruppen wie den IS oder die al nusra front unterstützt. Was Putin macht ist vollkommen korrekt und legitim.
      11 8 Melden

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