International

Lara Wiencke, die regelmässig von Enschede in ihre Heimat Hamburg pendelt, steigt aus dem Fenster. «Ich finde es eher lustig. Mir macht das nichts aus», sagt die Studentin. Bild: EPA/DPA

Durch das Fenster statt durch die Türe: Dieser Umbau des Bahnhofs ging voll in die Hose

Barrierefrei kann man das wohl nicht nennen: In Bad Bentheim wurde der Bahnsteig erhöht, um Rollstuhlfahrern den Zugeinstieg zu erleichtern. Dafür sind nun die Bahnhofstüren nicht mehr zu nutzen.

30.08.16, 16:37

Ein Artikel von

Gut gemeint, schlecht geplant: Nach einem Umbau am Bahnhof Bad Bentheim können Passagiere nicht mehr auf gewohntem Weg von den Ticketautomaten zu ihrem Zug gelangen. Der Bahnsteig wurde erhöht, daher lassen sich die Türen des Gebäudes zu den Gleisen nicht mehr öffnen.

Reisende können über einen Stuhl durch ein geöffnetes Fenster klettern oder um das Gebäude herumgehen. Durch die Erhöhung des Bahnsteigs um circa 40 Zentimeter wurde erreicht, dass der Einstieg in die Züge für Rollstuhlfahrer leichter wird.

Bei Twitter kursieren schon Fotos vom Pannenbahnhof und amüsierte Kommentare:

Was aussieht wie ein Schildbürgerstreich, liess sich nach Auskunft des Bürgermeisters von Bad Bentheim, Volker Pannen, nicht verhindern. «Es muss erst schlechter werden, bevor es besser wird», sagt der SPD-Politiker. «Die grosse Mehrheit der Leute nimmt es mit Humor.»

Unterschiedliche Auftraggeber

Grund für das Planungsdesaster sind unterschiedliche Auftraggeber: Für die Arbeiten rund um die Gleise ist die Deutsche Bahn zuständig, Eigentümerin des historischen Bahnhofs ist zurzeit noch die Stadt. Sie will ihn an die Verkehrsgesellschaft Bentheimer Eisenbahn verkaufen, sobald Fördermittel der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LVNG) in Höhe von 1,1 Millionen Euro bewilligt worden sind. Dann könne der Umbau des Gebäudes starten, für den 3,3 Millionen Euro veranschlagt sind, berichtet Pannen.

Walter Eberhard (Bild) aus Nordhorn meint: «Meine Frau ist sportlicher als ich, die springt auch durchs Fenster.» Bild: EPA/DPA

Die Aufstockung des Bahnsteigs habe von der Bahn nicht später terminiert werden können, erläutert der Bürgermeister. 4,6 Millionen Euro investieren die DB, der Bund und die LNVG in den Umbau des Bahnhofs des Kurortes an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden. Der Boden des Gebäudes sowie der Vorplatz sollen erhöht werden. Die Arbeiten werden nach seiner Einschätzung bis Ende 2017 dauern.

«Mehr ein Notausstieg»

Die Arbeiten seien mit dem Eigentümer des Bahnhofsgebäudes abgestimmt gewesen, sagt die Sprecherin der Deutschen Bahn (DB), Sabine Brunkhorst. Sie findet die Situation gar nicht lustig. «Ich halte es wegen der Unfallgefahr für völlig absurd, Leute durchs Fenster zu lassen», meint sie. «Wir werden den Eigentümer und den Nachnutzer des Gebäudes eindringlich darauf hinweisen, dafür zu sorgen, dass die Reisenden ausschliesslich den sicheren und barrierefreien Weg um das Gebäude herum zum Bahnsteig nehmen.»

Schon seit April sind die Türen zu den Gleisen zugemauert. Erst berichtete die Lokalpresse, in der vergangenen Woche brachte das NDR-Satiremagazin «Extra 3» einen Fernsehbeitrag in der Rubrik «Realer Irrsinn.» Darin sind Senioren zu sehen, die ein Ticket ziehen, dann erst ihre Koffer durchs Fenster hieven und hinterherklettern.

Lara Wiencke, die regelmässig von Enschede in ihre Heimat Hamburg pendelt, macht es auch so. «Ich finde es eher lustig. Mir macht das nichts aus», sagt die Studentin. Walter Eberhard aus Nordhorn meint: «Meine Frau ist sportlicher als ich, die springt auch durchs Fenster.» Bürgermeister Pannen selbst ist Bahnfahrer, aber noch nicht durchs Fenster geklettert. «Das ist auch mehr ein Notausstieg», sagt er.

abl/dpa

Das könnte dich auch interessieren:

Der Kicker, der nie kickte – die bizarre Geschichte von Fake-Fussballer Carlos Kaiser 

Neue Umfrage zeigt: Die Gegner der No-Billag-Initiative liegen vorne – und zwar deutlich

Türkei greift Stellungen in Syrien an

US-Kongress findet Kompromiss gegen «Shutdown» – die grössere Hürde kommt aber noch

Das sind die Rekordtorschützen in Europas Top-Ligen

Mord an Ex-YB-Spieler Andrés Escobar: Mutmasslicher Auftraggeber wurde verhaftet

Kein Plastikmüll mehr bis 2030: Mit diesen 3 Massnahmen will es die EU schaffen

Apple knickt ein – neues Feature gibt iPhone-Usern (endlich) die Wahl

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
12
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • iNDone 31.08.2016 10:14
    Highlight Hach die Deutschen, wahnsinnig gute Fachkräfte, leider mit Scheuklappen. *lachmichtot*
    1 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 31.08.2016 08:04
    Highlight hat da wer den realen irrsin gesehen? :D
    0 1 Melden
  • Agakami 30.08.2016 21:14
    Highlight Was ich bewundere ist die Moral der Arbeiter die es gebaut haben, normaletweise meldet man soetwas dem vorgesetzten sobald es auffällt, aber diese Arbeiter haben Ihre eigene Lösung gefunden: Ab durchs Fenster.
    18 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 30.08.2016 20:58
    Highlight Tür rausnehmen, und als Rampe hinlegen 😜
    17 0 Melden
  • E. Edward Grey 30.08.2016 19:53
    Highlight Der Humor damit pragmatisch umzugehen spricht für die Deutschen, der verursachende menschenfremd blinde Bürokratismus gegen sie.
    29 0 Melden
    • Amboss 31.08.2016 07:48
      Highlight Wie wahr.

      Was aber auch gegen die Deutschen spricht ist der Umstand, dass sie das nicht einfach beheben:
      Vorplatz vor der Türe machen und zwei Tritte aufs Perron gestalten und ein Geländer, damit niemand runterfällt.

      Gibt zwei kleine Aufträge an einen Bauunternehmer und einen Metallbauer.
      Wäre mit wenigen tausend Euro behoben...
      1 0 Melden
    • E. Edward Grey 31.08.2016 09:06
      Highlight Das würden sie bestimmt machen gäbe es nicht den Bürokratismus drum herum. ;)
      1 0 Melden
  • norsk 30.08.2016 19:46
    Highlight ich finde es noch passend, dass der Bürgermeister Pannen heisst...
    34 0 Melden
  • TheMan 30.08.2016 18:58
    Highlight Bericht von Extra3 👏👏👏
    17 1 Melden
  • TheMan 30.08.2016 18:56
    Highlight Extra3 lässt Grüssen. Die bringen so was immer mit viel Humor.
    10 0 Melden
  • Pingupongo 30.08.2016 18:42
    Highlight 😂 Pannen, passender Name!
    17 0 Melden
  • koks 30.08.2016 18:04
    Highlight Wenn man sowas nicht hinkriegt, wie will man dann einen Flughafen bauen können.
    50 1 Melden

«Es war einmal ein Weib, das zeigte seinen Unterleib»: Polizei-Gedicht warnt vor Cybersex

Das gibt es nicht oft: Die Polizei dichtet. Die Aachener Behörden wollen mit ihrem Gedicht Männer davor warnen, sich beim Skypen auszuziehen.

Wenn ein Mann im Internet von einer fremden bildhübschen Frau angeschrieben wird, ist Vorsicht angebracht. Vor allem dann, wenn sie alsbald Cybersex vor der Kamera vorschlägt. Denn wer sich auf dieses Vergnügen am PC einlässt, erhält einige Tage später die Quittung. Er wird erpresst. Die einst so nette Frau will Geld sehen. Kriegt sie keins, so droht sie damit, seine Nacktbilder im Netz zu verbreiten.

Auch in der Schweiz fallen immer wieder Männer auf diese Masche herein. So registrierte das …

Artikel lesen