International

Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan nach der Ankunft in München (12.09.2015).
Bild: Getty Images Europe

Ankunft von bis zu 13'000 neuen Flüchtlingen in München: «Einige Leute müssen die Nacht im Sitzen verbringen»

12.09.15, 21:59 13.09.15, 12:48

Die deutsche Stadt München kann erstmals seit Beginn der grossen Flüchtlingswanderung vor einer Woche nicht mehr allen Ankommenden eine Notunterkunft bieten. Am Samstag wurden bis Mitternacht rund 13'000 Menschen am Münchner Hauptbahnhof erwartet.

Nicht für alle werde es einen Schlafplatz geben, sagte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand bei einer Medienkonferenz am Abend im Hauptbahnhof. Mehrere Tausend könnten ohne Nachtquartier bleiben. Bis zum Abend kamen bereits etwa 9000 Menschen in München an. «Das ist aber noch nicht der ganze Tag bis 00.00 Uhr», sagte Hillenbrand.

Abhängig davon, wie viele es letztlich sein werden, können nach Angaben von Stadt und Regierung eine Anzahl zwischen 1000 und 5000 Menschen nicht mehr unmittelbar untergebracht werden. Einige der Ankömmlinge würden sich dann im Hauptbahnhof aufhalten – oder sich selbst weiter auf den Weg machen.

Deutsche Bundespolizisten in München begleiten Flüchtlinge in eines der zahlreichen Aufnahmezentren (12.09.2015).
Bild: EPA/DPA

Übernachten in der Olympiahalle

Die Behörden wollen die Olympiahalle kurzfristig als Übernachtungsstätte herrichten. Auch sei die Errichtung von Zelten geplant. Nach Angaben ehrenamtlicher Helfer haben die Arbeiten unter anderem in der Olympiahalle bereits begonnen.

Feldbetten seien kaum noch zu bekommen. Man werde auf Isomatten und Decken umsteigen müssen, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter. Die Hilfsbereitschaft der Münchner sei jedoch ungebrochen. Notfalls werde man einen Aufruf über die sozialen Medien starten. Das habe immer bestens funktioniert. Schon am Samstagabend kamen Menschen und brachten Decken und Isomatten in den Hauptbahnhof.

Ausser nach Nordrhein-Westfalen seien am Samstag lediglich acht Busse mit insgesamt 400 Menschen in andere Bundesländer gestartet. «Das ist einfach lächerlich», sagte Reiter. München übernehme praktisch alleine eine nationale Aufgabe.

Die Erleichterung ist den Flüchtlingen ins Gesicht geschrieben.
Bild: Getty Images Europe

Seit Tagen absehbar

Die Situation sei seit Tagen absehbar gewesen. Dennoch habe sich nichts getan. Er sei «bitter enttäuscht, dass es nun auf eine Situation zuläuft, in der wir sagen müssen: Wir haben für ankommende Flüchtlinge keinen Platz mehr.» Tausende weiterer Menschen würden in den nächsten Tagen ankommen. Die Balkanroute sei voller denn je, hiess es.

Bereits am Mittag hatte Reiter gesagt, er finde es seitens der anderen Bundesländer nach zehn Tagen «absolut dreist, zu sagen: Wir sind am Anschlag». Wer so spreche, solle sich in München ansehen, was «am Anschlag» bedeute.

Appell an Merkel

Reiter und Hillenbrand wiederholten ihren Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die anderen Bundesländer, München und die Region nicht allein zu lassen. Jeder Zug, der in einer anderen Kommune ankomme, sei eine Entlastung für München. Auch die Deutsche Bahn und private Bahnunternehmen seien an der Grenze ihrer Kapazitäten.

Wegen der sich dramatisch zuspitzenden Lage kommt das bayerische Kabinett an diesem Sonntag zu einer Sondersitzung zusammen, um weitere Sofortmassnahmen zu beschliessen. (sda/dpa/afp)

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
5
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 13.09.2015 00:48
    Highlight Einfach nur noch fahrlässig diese Flüchtlingspolitik. Wieviele Tausend wollen sie noch aufnehmen. Was will man mit den Menschen machen, soll man alle inegrieren. Frau Merkel ist nicht sehr Inelligent, sie denkt nur über ihre beliebtheit nach. Was mit den Flüchtlingen geschehen soll weiss kein Mensch. Die Willkommen Flüchtlings euphorie wird sich auch legen sobald die ersten Probleme auftauchen. Diese Politik hat keine Zukunft und nützt niemandem. Hört lieber mal auf Waffen zu liefern, hört auf mit eurer Doppelmoral liebe Poltiker.
    3 0 Melden
  • NikolaiZH 12.09.2015 22:30
    Highlight wieso werden die menschen nicht weiter in deutschland "umverteilt"?
    5 5 Melden
    • SVARTGARD 12.09.2015 22:56
      Highlight Irgendwann reicht es,die Schweiz kann auch noch aufnehmen.
      15 41 Melden
    • Herr Lehmann 12.09.2015 23:14
      Highlight Krass, was da abgeht! Wieso muss München die ganzen Abkömmlinge abfangen, die Situation schlägt bald um. Es wird jetzt aber echt zu viel! Nur wenn man die Flüchtlinge willkommen heisst, heisst es nicht das alle hinkommen sollen!
      P.S: ist man automatisch ein Nazi, wenn man gegen den Massen-Einwanderungsstrom ist?!
      40 7 Melden
    • flixio 12.09.2015 23:45
      Highlight @lehmann leider ja selbst vernunft wind schon als braunes gedankengut abgestempelt..
      22 6 Melden

Immer wieder krass: Diese Luftaufnahmen zeigen, wie ein Flüchtlingsproblem wirklich aussieht 

Im Mittelmeer soll sich erneut ein Flüchtlingsunglück mit vielen Toten ereignet haben. «Es sieht so aus, als seien Hunderte Menschen gestorben», sagte Italiens Präsident Sergio Mattarella. Offiziell ist das noch nicht bestätigt. Fakt ist aber: Jeden Monat versuchen tausende Flüchtlinge aus Nordafrika und der Türkei mit Booten nach Europa zu gelangen. 2014 starben nach Angaben der International Organization for Migration (IOM) knapp 3300 Flüchtlinge auf See, 2015 …

Artikel lesen