International

Pegida-Demonstranten in Dresden, am 2. November.
Bild: EPA/DPA

Pegida-Führer Bachmann vergleicht deutschen Justizminister mit Goebbels

Weniger Demonstranten, schrille Töne: Pegida-Redner wettern in Dresden gegen Angela Merkel, Flüchtlinge und die angebliche «Selbstvernichtung Deutschlands». Anführer Bachmann versteigt sich dazu, Justizminister Maas mit Goebbels zu vergleichen.

03.11.15, 00:49 03.11.15, 05:22

Alexander Sarovic, Dresden

Ein Artikel von

Die Invasoren sind eingefallen. Der Staat schützt die Bürger nicht. Also wehren sich die Bürger; sie leisten Widerstand. Willkommen im belagerten Deutschland, willkommen in der Gedankenwelt von Pegida.

Auch am Montagabend ziehen Tausende Demonstranten durch Dresden. Die gleiche Zeit, dieselbe Stadt, dieselben Feindbilder: Politiker, Journalisten, Flüchtlinge. Auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche, wo die Kundgebung beginnt, tritt Lutz Bachmann ans Mikrofon. Der Pegida-Mitbegründer, gegen den eine Anklage der Staatsanwaltschaft Dresden wegen Volksverhetzung anhängig ist, löst sogleich einen Eklat aus: Er vergleicht Bundesjustizminister Heiko Maas mit Joseph Goebbels. Die Menge jubelt.

Justizminister Heiko Maas.
Bild: Gero Breloer/AP/KEYSTONE

Ein weiterer Redner fordert Angela Merkel zum Rücktritt auf. Überall in der Republik entstehe Protest gegen die Politik der Bundeskanzlerin. Sie werde es bei der derzeitigen Entwicklung nicht schaffen, sich bis zur Bundestagswahl 2017 im Amt zu halten. Die Pegida-Anhänger fühlen sich von der politischen Klasse verraten. Drei Silben hallen immer wieder über den Platz: «Wi-der-stand!»

«Pegida, Rassistenpack, wir haben euch zum Kotzen satt!»

Anschliessend beginnen die Demonstranten ihren wöchentlichen «Spaziergang» durch Dresden. Auf etwa 8000 schätzt die Studentengruppe «Durchgezählt» die Zahl der Teilnehmer. Vergangene Woche sollen es bis zu 11'000 Demonstranten gewesen sein.

Pegida lebt noch immer: Tausende protestieren in Dresden

Vor dem Staatsschauspiel in der Dresdner Innenstadt warten Gegendemonstranten auf die vorbeiziehenden Pegida-Anhänger. 800 bis 1000 sind es laut «Durchgezählt». Zur Gegendemonstration aufgerufen hatte die Organisation Gepida, was für «Genervte Einwohner protestieren gegen Intoleranz Dresdner Aussenseiter» steht.

Die Pegida-Anhänger fühlen sich von der politischen Klasse verraten. Drei Silben hallen immer wieder über den Platz: «Wi-der-stand!»

Ein Ring aus Polizeibussen trennt die beiden Gruppen. «Pegida, Rassistenpack, wir haben euch zum Kotzen satt!», rufen die Gegendemonstranten. «Faules Pack!», erwidern die Pegida-Anhänger. Es bleibt bei Beschimpfungen. Die Polizei meldet am Ende des Abends keine gewalttätigen Übergriffe.

Als die Pegida-Anhänger wieder auf dem Neumarkt angekommen sind, spricht Tatjana Festerling zu ihnen. Die ehemalige Hamburger AfD-Politikerin gehört seit einigen Monaten zu den führenden Köpfen bei Pegida.

Tatjana Festerling und Lutz Bachmann am 13. April.
Bild: FABRIZIO BENSCH/REUTERS

Ein Spruch wie Hohn

Sie kritisiert Merkel, Vize-Kanzler Sigmar Gabriel und CSU-Chef Horst Seehofer. Keiner aus diesem «Trio Infernale» habe einen Plan, wie die öffentliche Ordnung geschützt werden könne. Festerling nennt Merkel «die gefährlichste Frau Europas». Auch der EU wirft sie in der Flüchtlingskrise Versagen vor. Die Deutschen müssten «Widerstand gegen die Selbstvernichtung Deutschlands» leisten. Die grösste Unterstützung käme dabei von den osteuropäischen Staaten: von Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei. Auf Plakaten in der Menge ist Dank zu lesen an Victor Orbán; wie schon in den vergangenen Wochen rufen die Demonstranten seinen Namen.

Festerling beklagt sich über die «Horden von Eindringlingen», nennt Flüchtlinge «Invasoren». Hinter ihr steht ein Transparent: «Pegida-Deutschland gewaltfrei und friedlich», steht drauf. Bei ihrer Rhetorik erscheint der Spruch wie Hohn.

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • atomschlaf 03.11.2015 02:17
    Highlight Besser mal über die katastrophalen Zustände in Orten wie Freilassing berichten...
    http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/brandbrief-buergermeister-von-freilassing-hilfe-frau-merkel-meine-stadt-blutet-aus-a1280891.html
    2 4 Melden
    • ferox77 03.11.2015 07:29
      Highlight Wozu soll ein Protest-Bündnis gut sein? Um allwöchentlich Dampf abzulassen? Und dann? Wenn sich L. Bachmann und Co. einmischen wollen, sollen sie das mehr substanziell tun und eine Partei gründen. Dann können sie sich zur Wahl stellen und wenn es dann für einen Einzug in einen Landtag oder dem Bundestag reicht, dann kann man politisch mitgesstalten, statt durch Städte spazieren. Aber dann gäbe es rechts der Union eventuell zwei Parteien, was dann heissen würde, die potentiellen Stimmen verteilen sich auf zwei Parteien, was am Ende für beide Parteien heissen kann, nicht mitgestalten zu können.
      1 0 Melden

«Lieber nicht regieren als falsch»: FDP lässt Jamaika-Koalition platzen

Polit-Beben in Deutschland: Die FDP hat die Jamaika-Sondierungen mit CDU, CSU und Grünen nach vier Wochen abgebrochen. Parteichef Christian Lindner begründete das am Sonntagabend mit fehlendem Vertrauen.

Es sei den vier Gesprächspartnern nicht gelungen, eine Vertrauensbasis oder eine gemeinsame Idee für die Modernisierung des Landes zu finden, sagte Lindner. Dies wäre aber eine Voraussetzung für eine stabile Regierung gewesen.

«Nach Wochen liegt heute Papier mit zahllosen Widersprüchen, offenen …

Artikel lesen