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Kölner Polizei wusste viel früher über Übergriffe Bescheid als bisher zugegeben

07.01.16, 17:16 08.01.16, 13:04

Der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers gerät nach den Übergriffen in der Silvesternacht unter Druck. Nach Angaben eines leitenden Beamten war die Polizei bereits frühzeitig über Ausmass und Dramatik der Übergriffe informiert.

Auf die Beamten seiner Hundertschaft seien bereits bei der Ankunft am Hauptbahnhof deutlich vor Mitternacht viele aufgewühlte Passanten zugelaufen und hätten von Schlägereien, Diebstählen und sexuellen Übergriffen auf Frauen berichtet, schrieb der Beamte im Bericht, der am Donnerstag der Nachrichtenagentur DPA vorlag.

Beamte am Kölner Dom am 6. Januar.
Bild: EPA/DPA

Die Polizei habe Schwerverletzte oder Tote befürchtet und daher um 23.30 Uhr mit der Räumung des Platzes zwischen Bahnhof und Dom begonnen. In der ersten Pressemitteilung der Polizei am Neujahrsmorgen war die Stimmung in der Innenstadt dagegen als «friedlich» bezeichnet worden. Erst zwei Tage nach Silvester hatte die Polizei über Übergriffe informiert.

«Spiessrutenlauf»

Hingegen schreibt der Bundespolizist: «Frauen mit Begleitung und ohne durchliefen einen im wahrsten Sinne »Spiessrutenlauf« durch die stark alkoholisierten Männermassen, wie man es nicht beschreiben kann». Viele weinende und schockierte Frauen und Mädchen hätten den Beamten von sexuellen Übergriffen berichtet.

Hätten die Beamten Hilferufe wahrgenommen, seien sie von Umstehenden, die Ringe um Täter und Opfer gebildet hätten, am Einschreiten gehindert worden. Daher sei auch eine Identifizierung der Angreifer nicht möglich gewesen.

In der Silvesternacht war die Lage in der Rheinmetropole völlig aus dem Ruder gelaufen.
Bild: EPA/DPA

Wegen der ständigen Präsenz der Polizei und aufmerksamer Passanten hätten Vergewaltigungen verhindert werden können. Massnahmen der Polizei sei mit einer Respektlosigkeit begegnet worden, wie er sie in 29 Dienstjahren noch nicht erlebt habe, schrieb der Beamte.

Auffällig sei die «sehr hohe Anzahl an Migranten innerhalb der polizeilichen Massnahmen» gewesen. Da die Polizei «nicht jedem Opfer einer Straftat helfen und den Täter dingfest machen konnte, kamen die eingesetzten Beamten an die Grenze zur Frustration», schreibt der Bundespolizist im Bericht, der zunächst der «Bild»-Zeitung und dem Magazin «Der Spiegel» vorgelegen hatte.

Die Bundespolizei bestätigte am Donnerstag die Echtheit des Berichts, den die «Bild» veröffentlichte. Sie erklärte, sie wolle den Bericht derzeit öffentlich nicht bewerten. Er fliesse aber in die Nachbereitung des Einsatzes ein, sagte ein Sprecher.

Angespannte Lage: Personenkontrollen beim Kölner Bahnhof am 5. Januar.
Bild: EPA DPA

Merkel: «Widerwärtige Taten»

«Was in der Silvesternacht passiert ist, das ist völlig inakzeptabel», sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstag in Berlin. «Es sind widerwärtige, kriminelle Taten, (...) die Deutschland nicht hinnehmen wird.» Wenn sich Frauen schutzlos und ausgeliefert fühlten, sei das auch für sie persönlich unerträglich.

Es müsse geklärt werden, ob es in manchen Gruppen Frauenverachtung gebe. «Wir müssen dem mit aller Entschiedenheit entgegentreten», betonte die Kanzlerin. Sie glaube nicht, dass es sich nur um Einzelfälle handle.

Der Staat habe die Pflicht, die richtigen Antworten zu finden, «wenn es rechtlicher Änderungen bedarf, oder wenn es auch Polizeipräsenz bedarf». Der deutsche Justizminister Heiko Maas hatte zuvor gesagt, es sei möglich, dass die Täter der Silvesternacht aus Deutschland ausgewiesen werden können. Asylsuchende könnten auch während eines laufenden Asylverfahrens ausgewiesen werden.

16 Verdächtige identifiziert

Die Kölner Polizei hat inzwischen nach eigenen Angaben Hinweise auf 16 Verdächtige, welche vor allem aus dem nordafrikanischen Raum stammen. Zugleich stieg den Ermittlern zufolge die Zahl der Strafanzeigen von Opfern der Übergriffe und Raubstraftaten auf 121.

Laut Polizei wird es nun Aufgabe der Beamten sein, den 16 identifizierten Männern «konkrete Straftaten nachzuweisen». Dazu würden unter anderem Videosequenzen analysiert und die Aussagen von Opfern und Zeugen ausgewertet.

(sda/dpa/reu/afp)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • hoi123 08.01.2016 05:36
    Highlight Die Polizei in NRW hat seit der Loveparade in Duisburg schon mehrmals kläglich versagt
    Es müssen nun Konsequenzen Folgen
    11 0 Melden
  • Smart as hell 07.01.2016 20:27
    Highlight Ach nein, die wohlstandsverweichlichte schönwetterpolizei mit dem gesprächstherapeutischen Ansatz konnte nicht eingreifen. Umstehende haben sie am eingreifen gehindert. Da waren sie ganz frustriert. Sagt mal merkt ihr eigentlich was das für lächerliche Aussagen sind? Es heisst staatliches GEWALTmonopol. Darum ist in solchen Fällen GEWALT anzuwenden. Und das gewaltMONOPOL haben sie hier gleich auch noch verloren. Ich habe schon länger den Eindruck dass beträchtliche Teile der Bevölkerung nicht mehr ganz bei Trost sind. Das wichtigste scheint:Aufrechterhaltung der gleichheitsreligion at any cost
    36 5 Melden
  • Angelo C. 07.01.2016 19:04
    Highlight Info : Heute Abend gibt es um 20.15 Uhr auf ARD eine Spezialsendung zu den bekannten Vorfällen, mit Schwerpunkt die beklagenswerte Polizeiarbeit.
    18 1 Melden
    • atomschlaf 07.01.2016 19:30
      Highlight Danke für die Info, aber es greift etwas kurz, jetzt auf der Polizei herumzuhacken. Es gibt unzählige Berichte im Netz, dass die Polizei auf Weisung von oben bei Migranten und insbesondere Flüchtlingen vielfach beide Augen zudrücken musste. Bis anhin war ich da vielfach recht skeptisch, aber die Ereignisse von Köln scheinen genau dies zu bestätigen.
      Der Fisch stinkt vom Kopf.

      Hoffen wir, dass jetzt endlich nicht mehr weggeschaut und auch wahrheitsgetreu berichtet wird!
      37 7 Melden
    • Angelo C. 07.01.2016 20:10
      Highlight Doch, doch - auf der Polizeiführung kann man nicht, man MUSS auf ihr rumhacken, denn ich habe soeben noch nicht mal die Spezialsendung um 20.15 Uhr, sondern erst die vorangehende Tagesschau gesehen.

      Dort wurde UNMISSVERSTÄNDLICH und offiziell ausgesagt, dass die Polizeiführung wohlwissend um die Dramatik der Situation absichtlich mangelhaft informiert habe. Auch seien 32 Männer überprüft worden, darunter hätten sich ZAHLREICHE Asylbewerber aus Syrien, die Asylausweise auf sich trugen, befunden.

      Es wird also mehr und mehr zur Tatsache, dass die Polizei da mit gezinkten Karten gespielt hat.
      30 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 07.01.2016 20:28
      Highlight Polizisten sind leider für viele keine Respektspersonen mehr. Auch, oder vorallem, weil Konsequenzen kaum zu befürchten sind.
      Und wie schon gesagt, der Fisch beginnt am Kopf zu stinken! Die Polizeiführung bestimmt, was wie gemacht wird. Und die wird von der Politik beeinflusst, sei es in Form von Weisungen und politischen Entscheiden oder in Form von Umstrukturierungen, Sparmassnahmen, etc.
      Das ist auch in der Schweiz so, ich kenne genügend "Insider" (Polizisten, Staatsanwaltschaftsangestellte, Juristen) und der Tenor ist bei allen derselbe.
      26 3 Melden
    • chrach 07.01.2016 20:42
      Highlight Das war ja ein super Brennpunkt Sonderbeitrag:
      [Intro mit Infos zu Köln -> "Hat die Polizei versagt?" -> Danach ein Beitrag wie die Polizei schon bei der Demo der rechtsradikalen HOGESA überfordert war -> Weitere 10 Minuten welche Aufzeigen das die Polizei das Problem ist]
      Ergo: Die Polizei ist Schuld (Entwarnung für die Frauen) und man muss auf die Rechten aufpassen.
      22 4 Melden
  • ferox77 07.01.2016 18:49
    Highlight Der deutsche Justizminister Heiko Maas meinte: „Die feigen und abscheulichen Übergriffe werden wir nicht hinnehmen“
    Das wird man aber hinnehmen müssen! Oder glaubt man ernsthaft, gegen die bereits in Milliomenstärke anwesenden jungen kräftigen muslimischen Männer hätte man auch nur die geringste Chance? Im Übrigen, dieses Jahr werden es noch einige mehr werden als 2015. Warm anziehen!
    34 10 Melden
    • LaPaillade #BringBackHansi 07.01.2016 19:42
      Highlight Ja, weil ja wirklich JEDER von diesen muslimischen Männern fremde Frauen belästigt....
      22 26 Melden
    • Bobo B. 07.01.2016 22:01
      Highlight @LP: Genau. Ist irgendwie dasselbe, wie jeder der nicht mit der geltenden Asyldoktrin einverstanden ist, eine SVP-wählende Dummbratze sein soll. Das ist dann wohl was anderes, weil es von den "Guten" kommt...
      18 6 Melden
    • LaPaillade #BringBackHansi 07.01.2016 22:15
      Highlight @Bobo: Sie lassen mich etwas verwirrt dastehen; ich kann nicht ganz nachvollziehen, wie sie zu diesem Vergleich kommen. Können Sie dies allenfalls weiter ausführen?
      10 16 Melden

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