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Hier mauern Street-Art-Künstler in Seelenruhe die Tür einer S-Bahn zu. Die Hamburger Polizei findet das Video nicht so cool

14.07.15, 16:59 14.07.15, 17:13

Einsam und verlassen steht die S-Bahn auf einem Abstellgleis irgendwo in Hamburg. Zwei Männer trotten auf den Zug zu: Sie tragen orangefarbene Westen mit einem Enblem der Deutschen Bahn. Sie haben mit dem Konzern allerdings nichts am Hut. Im Gegenteil: Nach Lesart der Behörden führen sie nichts Gutes im Schilde. 

Das Ergebnis der Aktion sorgte im Frühling 2015 für Schlagzeilen: Fotos von verdutzten Hamburgern machten die Runde, die hinter der Tür des eingefahrenen Zuges eine Mauer vorfinden. Während die Norddeutschen gelassen mit dem Hindernis umgegangen sind, hat die Polizei Ende April umgehend Ermittlungen aufgenommen, um diejenigen ausfindig zu machen, die dort die Kelle geschwungen haben.

«Tatort» Hamburg: Bitte nehmen sie die andere Tür. screenshot: youtube

Nun bekommen die Wachtmeister unerwartete Schützenhilfe: Die «Täter» selbst haben ein Video von ihrem Vergehen gedreht, das nun auf YouTube zu sehen ist. Völlig ungehindert entern sie den parkierte Zug, mischen Mörtel an, sägen in aller Ruhe Steine zurecht und versperren den Eingang. Nach getaner Arbeit filmen sie freudig die Reaktionen der Passanten auf ihr kleines Kunstwerk.

Ist die echt? Passanten bewundern das Bauwerk. screenshot: youtube

Dank des Clips steht nun fest: Das Sprayer-Kollektiv «Moses & Taps» steckt hinter dem Mauerbau. Die deutsche Polizei hat Blut geleckt: «Dieses Video hat für uns eine Qualität, die unsere Ermittlungen wesentlich voranbringt», meinte Bundespolizei-Sprecher Rüdiger Carstens im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Behörden ermitteln demnach nicht nur wegen Sachbeschädigung, sondern auch wegen «Störung öffentlicher Betriebe», weil die Bahn zwölf Stunden nicht genutzt werden konnte.

Wer hat diesen Mann gesehen? Er ist einer der beiden Maurer. screenshot: youtube

Mehrere Zehntausend Euro habe die Bahn für den Fall der Mauer bezahlen müssen, heisst es weiter. Bis zu fünf Jahre Haft könnten auf die Verursacher zukommen, falls die Bundespolizei einen der Männer im dem Clip erkennen kann. Andererseits stecken hinter «Moses & Taps» nicht immer dieselben Personen: Hieb- und stichfeste Beweise zu finden, dürfte für die Behörden nicht so einfach werden, wie sie den Medien vermitteln wollen.

Bleibt die Frage: Versprüht das Bauwerk der Graffiti-Gauner nicht auch einen Hauch von Kunst? Hierzulande wären die Leute hinter «Moses & Taps» womöglich von der Marketingabteilung einer städtischen Toursimusbehörde gebucht und bezahlt worden. Vielleicht hätte es gar eine scherzhafte Anleihe an den alten DDR-Urmel Walter Ullbricht gegeben: «Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.» Stoff genug für Diskussionen im Kommentarfeld – und eine Umfrage: Was denkt Ihr darüber?

Umfrage

Eine Zugtür zumauern? Darf man das?

  • Abstimmen

662 Votes zu: Eine Zugtür zumauern? Darf man das?

  • 14%Ein klarer Fall von Sachbeschädigung, der strikt verfolgt werden muss, wie ich finde.
  • 23%Ich meine, die Polizei muss dem Fall halt nachgehen, sollte aber auch keinen Megading daraus machen.
  • 5%Ich denke, man sollte Gnade vor Recht ergehen lassen, die deutsche Bahn sollte ihre Anzeige zurückziehen.
  • 43%Das Ganze ist eine Mischung aus Kunst und zivilem Ungehorsam, die ich begrüsse.
  • 13%Die Mauer muss weg! (Antwort für Scherzkekse und Ostdeutsche)
  • 2%Ich bin unschlüssig.

(phi)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • G.Oreb 14.07.2015 23:58
    Highlight Die Idee war super! Leider haben die Typen ihr Vorhaben zum Leid der Bahn umgesetzt. Man hätte die Mauer auch aufstellen können, ohne dass dabei ein Schaden von 10k entsteht. Auch die Fenster zusprayen hätte nicht sein müssen, ein Abfallsack hätte es auch getan. Wäre niemand zu Schaden gekommen, wäre die Aktion lustig gewesen. Obwohl ich damals auch gelacht habe, jetzt find ich sie doof...
    4 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 14.07.2015 20:07
    Highlight na ja, ist doch pillepalle. in der schweiz haben wir eine 30%-SVP die zwischen eidgenossen und schweizern, zwischen inländern und ausländern, zwischen abzockern und menschen in not und so weiter und so fort mauern aufzieht.
    12 6 Melden
  • Reiser 14.07.2015 18:16
    Highlight Das einzige Problem stellt m.E. das Verbarrikadieren eines Fluchtwegs im Brandfall dar. Wäre etwas passiert, hätte die Öffentlichkeit leider schnell einen Sündenbock in einer Szene gefunden, die sonst schon unter Beschuss steht. Ist aber nichts passiert, darum: Ich finds gut!
    6 9 Melden
  • Gelöschter Benutzer 14.07.2015 17:47
    Highlight Die Polizei in Westeuropa soll sich um richtige Probleme kümmern und nicht Kiffer, Fussballfans, Falschparker oder Zugmaurer jagen, dies sind auch nur Ablenkungsgründe. Wer glaubt im Westen gäbe es keine Korruption, der irrt sich gewaltig, in der Schweiz haben wir einen knuffigen Namen hierfür "Vetterliwirtschaft". Natürlich ist es doof für die Deutsche Bahn, aber so what ist ja auch mal witzig sowas in unserer Gesellschaft.
    18 11 Melden
    • goschi 14.07.2015 18:11
      Highlight Das ist keine entweder/oder-Entscheidung und die öffentliche Ordnung ist auch nicht einfach irrelevant.

      Und soll die Polizei dann das nächste mal, wenn du einen hauseinbruch in einer billigen 3-Zimmer-Wohnung melden willst auch sagen "ja ne Sie, entschuldigung, aber wir müssen uns um wichtigeres kümmern, ihre Wohnung ist kein richtiges und wichtiges Problem, zu klein und billig"
      15 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 14.07.2015 20:01
      Highlight Ich rede ja nicht von entweder/oder. Das ich für die Legalisierung von Cannabis bin ist was anderes und allgemein der Busseneintreibung eher kritisch entgegen stehe ist was anderes. Ich verstehe was du meinst. Jedoch sollte gesammthaft gesehen die Prioritätenverteilung dringend angepackt werden. Denn die klassische Strassenkriminalität existiert zwar, jedoch niemals in diesem Ausmass wie in US-Grossstädte Vororten oder in Südafrika. Deshalb finde ich es banal wie man aus einer Mücke einen Elefanten macht. Lasst doch die Jungs (Mädchen eingeschlossen) ihren Spass mit dem Mäuerchen haben. Die Gesellschaft heute ist spiessiger als 68er es je erdacht hätten.
      7 2 Melden

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