International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Explosion in Ansbach

Was wir über den Anschlag in Ansbach wissen – und was nicht

Ein Bombenanschlag in Deutschland, der Täter tot, zwölf Personen verletzt: Nach der Attacke in Ansbach suchen die Ermittler nach dem Motiv. Was bisher bekannt ist.

25.07.16, 13:48 25.07.16, 14:25


Ein Artikel von

Ein Musikfestival in Ansbach ist am Sonntagabend zum Ziel eines Bombenanschlags geworden: Die Behörden haben als Täter einen 27-jährigen Flüchtling aus Syrien identifiziert. Er wurde durch die Explosion getötet. Vieles an der Tat bleibt zunächst unklar. Die Ermittler gehen nach Polizeiangaben vom frühen Morgen auch der Frage nach, ob es sich um einen islamistisch motivierten Selbstmordanschlag gehandelt hat.

Was ist der Stand der Ermittlungen?

epa05439827 Bavarian Interior Minister Joachim Herrmann speaks during a press conference following an explosion in front of a restaurant in Ansbach, Germany, 25 July 2016. A man was killed and 12 others were injured in an explosion in Franconia Ansbach late on 24 July. According to media reports, a migrant from Syria tried to enter inJoachim Herrmannto a music festival nearby and after he was denied entry into the venue, detonated a device in his backpack in front of a restaurant. The suspect died in the explosion. Around 2,500 people were evacuated from the venue of the festival.  EPA/DANIEL KARMANN

Der bayerische Innenminister Joachim Hermann an der Pressekonferenz.
Bild: EPA/DPA

Auf einer nächtlichen Pressekonferenz in Ansbach schilderten der bayerische Innenminister Joachim Herrmann und der Polizeipräsident Roman Fertinger den Hergang der Tat: Der 27-jährige Täter habe als abgelehnter, aber geduldeter Asylbewerber aus Syrien seit rund zwei Jahren in der mittelfränkischen Stadt gelebt. Er habe gegen 22 Uhr versucht, auf das Gelände des Open-Air-Festivals zu gelangen.

Der Zutritt sei ihm verwehrt worden, weil er keine Eintrittskarte besass. Daraufhin habe der Mann einen Sprengsatz gezündet, den er in einem Rucksack versteckt hatte. Bei dem Festival waren nach Polizeiangaben rund 2500 Besucher. Durch den Sprengsatz seien Metallteile freigesetzt worden, sagte der Polizeipräsident. Es werde geprüft, ob es sich um eine Nagelbombe handle.

In einer Flüchtlingsunterkunft hat die Polizei mehrere Gegenstände beschlagnahmt. Ob es sich bei dem ehemaligen Hotel in der Stadt um die Unterkunft des mutmasslichen Täters handelte, wollte die Polizei aber zunächst nicht bekannt geben. Mitarbeiter der Spurensicherung hatten am Morgen mehrere Kisten, Säcke und Tüten unbekannten Inhalts aus dem Gebäude getragen.

Was wissen wir über den Täter?

epa05439811 A general view shows evidence on the scene of an explosion in Ansbach, Germany, 25 July 2016. A man was killed and 12 others were injured in an explosion in Franconia Ansbach late on 24 July. A man was killed and eleven others were injured in an explosion in Franconia Ansbach late on 24 July. According to media reports, a migrant from Syria tried to enter into a music festival nearby and after he was denied entry into the venue, detonated a device in his backpack in front of a restaurant. The suspect died in the explosion. Around 2,500 people were evacuated from the venue of the festival.  EPA/DANIEL KARMANN

Der Täter ist ein 27-jähriger Syrer, der im Flüchtlingsheim in Ansbach wohne, aber nach Bulgarien abgeschoben werden sollte.  Bild: EPA/DPA

Der Täter war nach Angaben des bayerischen Innenministers in medizinischer Behandlung. Der Grund dafür seien zwei Suizidversuche gewesen. Dass die Zündung eines mit Metallteilen gespickten Sprengsatzes auf einen Selbstmordanschlag hindeute, sei laut Polizeipräsident Fertinger «nicht von der Hand zu weisen». Es sei aber noch «zu früh», eine derartige Bewertung vorzunehmen.

CSU-Politiker Herrmann bestätigte, der Täter sei schon früher «strafrechtlich in Erscheinung» getreten. Polizeipräsident Fertinger berichtete, der Mann sei wegen Drogen- und Nötigungsdelikten polizeibekannt. Sein Asylgesuch war zwar abgelehnt worden, er wurde in Deutschland aber geduldet. (Lesen Sie hier, warum abgelehnte Asylbewerber nicht immer abgeschoben werben.)

Laut einem Sprecher des Bundesinnenministeriums sollte er nach Bulgarien abgeschoben werden. Warum dies nicht geschah, ist allerdings noch unklar:

«Ich kann Ihnen zur Stunde nicht sagen, warum diese Abschiebung nicht vollzogen worden ist.»

Sprecher des Bundesinnenministeriums

Demnach sei der Täter in der Eurodac-Datenbank mit seinen Fingerabdrücken für Bulgarien und Österreich aktenkundig geworden.

Ein Mitarbeiter des Sozialamts beschreibt den Täter hingegen als «freundlich, unauffällig und nett». «Der junge Mann war öfter als Asylbewerber hier und bei uns bekannt. Da ging es um soziale Leistungen», sagte Reinhold Eschenbacher von der städtischen Behörde.

Aus welchem Motiv handelte der Täter?

Police secure the area after an explosion in Ansbach, Germany, July 25, 2016. REUTERS/Michaela Rehle      TPX IMAGES OF THE DAY

Die Polizei sichert nach der Explosion den Tatort ab.
Bild: MICHAELA REHLE/REUTERS

Eine klare Antwort darauf gibt es bisher nicht. Eine Sonderkommission prüft derzeit, ob der mutmassliche Täter Verbindungen ins islamistische Milieu gehabt haben könnte. Wegen politisch radikaler Ansichten sei er den Behörden bislang nicht aufgefallen.

Innenminister Herrmann sagte jedoch bereits, er halte es für wahrscheinlich, dass der Anschlag das Werk eines islamistischen Selbstmordattentäters gewesen sei:

«Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich es leider für sehr naheliegend halte, dass hier ein echter islamistischer Selbstmordanschlag stattgefunden hat.»

Innenminister Herrmann

Auch Bayerns Justizminister Winfried Bausback teilte Herrmanns Einschätzung, «dass der islamistische Terror Deutschland erreicht hat». Das schrieb der Minister am Montag auf seiner Facebook-Seite. Darauf müsse sich «unser demokratischer und freiheitlicher Rechtsstaat einstellen».

Das Bundesinnenministerium wagt sich bislang nicht so weit vor: Es gebe noch keine konkreten Anhaltspunkte für einen islamistischen Hintergrund des Täters. «Bisher ist es einfach so, dass wir dafür keinen belastbaren Hinweis haben», sagte Innenministeriumssprecher Tobias Plate am Montagmittag in der Bundespressekonferenz.

Er fügte hinzu, er wisse nicht, «ob am Ende Erkenntnisse rauskommen, dass es möglicherweise Staatsschutzrelevanz haben mag oder nicht». Er bat um «Nachsicht mit allen Handelnden». Mit Bayern sei ein Bundesland innerhalb weniger Tage von furchtbaren Ereignissen schwer getroffen worden. «Alle handelnden Personen haben (...) in den letzten Tagen kaum Schlaf gefunden.» Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen.

Wie reagiert die Politik?

Baravian secretary of the Interior Joachim Hermann, Barbara Stamm, president of the Bavarian parliament , Bavarian State Governor Horst Seehofer, and Munich's mayer Dieter Reite, from left, visit a mall where a shooting took place leaving nine people dead the day before on Saturday, July 23, 2016 in Munich, Germany. (AP Photo/Kerstin Joensson)

Der bayerische Innenminister Joachim Hermann, die Präsidentin des bayerischen Parlaments, Barbara Stamm, Bundesinnenminister Horst Seehofer, und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reite. Bild: Kerstin Joensson/AP/KEYSTONE

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat sich «erschüttert» über die Gewalttaten von Reutlingen und Ansbach gezeigt. «Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen des Opfers und den Verletzten.»

Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sagte: «Bayern erlebt Tage des Schreckens.» Zum dritten Mal in einer Woche sei der Freistaat von einer schweren Gewalttat erschüttert worden. «Unser Mitgefühl gilt den Verletzten des heimtückischen und brutalen Bombenanschlags in Ansbach.» Und der CSU-Politiker gab sich entschlossen: «Der Rechtsstaat wird nicht weichen.» Von Dienstag an will die Staatsregierung bei einer Kabinettsklausur am Tegernsee über das Thema Sicherheit beraten.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, forderte eine bessere Kontrolle der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge. «Weder ist die Identität aller Menschen geklärt, die zu uns gekommen sind, noch ihr geistiger und körperlicher Zustand», sagte er im HR-Info.

«Wir erleben ja in diesen Tagen, dass sich psychische Labilität, Terrorismus, Kriminalität miteinander vermischen.»

Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft

Umso wichtiger sei es, «dass wir die Menschen nicht nur unterbringen und verpflegen, sondern feststellen, wer da in unser Land kommt».

Wie geht es jetzt weiter?

epa05440157 Members of the German police walk through an archway located near the attack site in Ansbach, Germany, 25 July 2016. A man on late 24 July killed himself and injured 12 others when detonating a device with sharp metal pieces in his backpack in Ansbach in front of a restaurant. The 27-year-old - who had a history of suicide attempts - was denied access to a music festival earlier the day.  EPA/KARL-JOSEF HILDENBRAND

Mehr als 30 Mitglieder umfasst die Sonderkommission, die für die weiteren Ermittlungen gegründet wurde.
Bild: EPA/DPA

Die Polizei hat eine Sonderkommission mit mehr als 30 Mitgliedern gegründet. Sie sollen die Ermittlungen leiten, teilte das Polizeipräsidium Mittelfranken mit. Staatsanwalt Michael Schrotberger sagte auf der Pressekonferenz, es werde wegen Mordversuchs in zwölf Fällen ermittelt. Die Beamten forderten Zeugen auf, Videos und Bilder zu der Tat per Mail an die Behörde zu schicken. Auf Twitter veröffentlichte die bayerische Polizei einen entsprechenden Aufruf:

Auch de Maizière betonte: «Die Ermittlungen laufen mit Hochdruck und ich hoffe, wir erhalten bald Gewissheit über die Motivation der Täter.» Er werde sich von den Chefs der Sicherheitsbehörden über deren Erkenntnisse unterrichten lassen, und im Anschluss die Öffentlichkeit informieren.

Bausback plädierte für eine weitere Verstärkung der Sicherheitsbehörden: Im Internet und den sozialen Netzwerken müssten «die Möglichkeiten von Fahndung und Gefahrenabwehr verbessert werden». Der vom Bundesverfassungsgericht und dem Europäischen Gerichtshof gesetzte Rahmen sei «angesichts der Bedrohungslage zu eng».

vek/dpa/AP

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

11
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • john waynee 25.07.2016 15:36
    Highlight 15.31 Uhr: Auf einem Handy gebe es eine Anschlagsdrohung des Täters selbst als Video, sagte Innenminister Herrmann. Der Täter kündige einen Racheakt gegen Deutsche an als Vergeltung, weil sie Muslime umbrächten. In einer ersten Übersetzung des arabischen Textes heiße es, der Täter handle im Namen Allahs.-

    Aha.- Dass diesselben Leute ihn herzlich willkommen hiessen und ihm Obdach, Verpflegung und Sicherheit gewährleistet haben, das hat der nette Herr scheinbar ausgeblendet.- Es werden noch viele Leute auf schreckliche Weise das Gesicht der "Kämpfer Allah's" sehen.-
    12 2 Melden
    • Randy Orton 25.07.2016 17:21
      Highlight Ich habe gemeint gelesen zu haben, sein Asylantrag sei abgelehnt worden?
      0 7 Melden
    • Stachanowist 25.07.2016 18:58
      Highlight @ Randy

      Er hätte nach Bulgarien ausgeschafft werden sollen und kam 2014 nach DE, also bevor Merkel Dublin für Syrer abschaffte. Das heisst, er war aller Wahrscheinlichkeit nach ein Dublin-Fall und bekam deshalb das, was man in der Schweiz einen Nichteintretensentscheid (NEE) nennt.
      5 0 Melden
    • Fabio74 25.07.2016 22:32
      Highlight Nun du schreibst im Konjunktiv. Warten wir ab was die Behörden rausfinden.
      0 1 Melden
  • Randy Orton 25.07.2016 14:11
    Highlight Ein Vorsitzender der Polizeigewerkschaft hat gefälligst keine Politik zu betreiben. Wenn er polemisieren will, soll er sein Amt abgeben und zur AfD gehen. Wenn er bei der Polizei arbeiten will, soll er sich auf diese Arbeit konzentrieren.
    10 75 Melden
    • lichtler 25.07.2016 14:29
      Highlight Die Gewerkschaft der Polizei hat in Deutschland eine starke Stimme und ist sehr wohl da um Politik zu betreiben.
      45 3 Melden
    • Stachanowist 25.07.2016 14:31
      Highlight @ Randy Orton

      Gewerkschaften sind Teil des politischen Prozesses. Die Aufgabe eines Gewerkschaftsvorsitzenden ist es genau, Position zu beziehen.

      Möchten Sie, dass Gewerkschaften Organisationen mit Maulkorb sind? Dann sollten Sie ab sofort SVP wählen, die kämpft ganz in Ihrem Sinne für mundtote Gewerkschaften.
      42 7 Melden
    • Randy Orton 25.07.2016 17:20
      Highlight Das Ziel einer Gewerkschaft ist der Schutz der Arbeiter. Was der Herr erzählt hat absolut rein gar nichts damit zu tun. Er betreibt Parteipolitik und das nicht zum ersten Mal.
      0 9 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Angelo C. 25.07.2016 14:06
    Highlight Hier als hilfreiche Ergänzung dessen was man hier offenbar noch nicht weiss, in Deutschland aber schon etwas mehr. Dies die bisher bekannten Fakten aus den Mittagstagesschauen von SF DRS und ARD.


    http://www.srf.ch/play/tv/tagesschau-am-mittag/video/tagesschau-vom-25-07-2016-1245?id=2e80c110-1d96-4224-bbab-05b8eae8de8d

    http://www.tagesschau.de/inland/ansbach-135.html


    Die Stimmung in der deutschen Bevölkerung verschlechtert sich offensichtlich von Tag zu Tag...


    Wen wunderts 🤔?!

    55 8 Melden

Debakel für CSU und SPD in Bayern – Grüne und AfD räumen ab

CSU 👎 ++ SPD 👎👎 ++ Grüne 👍👍 ++ AfD 👍👍 

Bei der Landtagswahl im deutschen Bundesland Bayern haben die regierenden Christsozialen und die SPD laut ersten Prognosen schwere Verluste erlitten.

Nach Berechnungen der Fernsehsender ARD und ZDF verlor die CSU von Ministerpräsident Markus Söder mehr als zehn Prozentpunkte und landete bei 35,5 Prozent. Sie hatte bisher mit absoluter Mehrheit regiert und bräuchte jetzt zum Weiterregieren einen oder mehrere Koalitionspartner.

Zweitstärkste Kraft wurden die Grünen mit 18,5 bis 19 Prozent (2013: …

Artikel lesen