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Hasskommentare im Netz: «Berliner Zeitung» geht juristisch gegen Social-Media-Hetze vor

«Uns reicht es»: Die «Berliner Zeitung» will künftig alle Personen verklagen, die ihre Redakteure bedrohen und diffamieren. Eine erste Anzeige wurde schon gestellt, es geht um die angebliche Vergewaltigung einer 13-Jährigen.

27.01.16, 01:31

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Der Fall einer 13-Jährigen, die angeblich von Flüchtlingen gefangen gehalten und vergewaltigt wurde, hat für heftige Reaktionen gesorgt. Die Behörden dementieren zwar, Russland macht den Fall dennoch zum Politikum (mehr Hintergründe zu dem Fall lesen Sie hier).

Kritisiert und in sozialen Medien teils heftig angegriffen werden auch Journalisten, die über den Fall berichten. Für die «Berliner Zeitung» schrieb Andreas Kopietz einen Artikel, er trägt die Überschrift «Staatsanwaltschaft Berlin über 13-Jährige aus Marzahn: 'Wir gehen von einvernehmlichem sexuellem Kontakt aus'».

Es dürfe nicht sein, «dass einige Menschen im Internet mit Verleumdungen, Drohungen und Beleidigungen die Meinungs- und Deutungshoheit erlangen».

Ressortleiter der «Berliner Zeitung» Arno Schupp

Bei Twitter wurde Kopietz daraufhin aufs Übelste beschimpft. Eine Nutzerin schrieb ihm: «Erweise Deutschland einen Dienst und scheide freiwillig aus dem Leben.» Es sollte legal sein, ihm «wenigstens die Fresse zu polieren».

Jetzt hat die Zeitung reagiert — und eine Strafanzeige gestellt. Es soll offenbar nicht die letzte gewesen sein. In einem Beitrag auf der Online-Seite der Zeitung kündigt Ressortleiter Arno Schupp an, die Redaktion werde «jetzt juristisch gegen alle vorgehen, die unsere Redakteure bedrohen und diffamieren».

Schon in der Vergangenheit habe es sogenannte Shitstorms gegeben. Doch, so Schupp, «jetzt reicht es». Es dürfe nicht sein, «dass einige Menschen im Internet mit Verleumdungen, Drohungen und Beleidigungen die Meinungs- und Deutungshoheit erlangen».

In Deutschland steht unter anderem Facebook seit Wochen in der Kritik: Das Unternehmen lösche nicht genügend gemeldete Hassbeiträge, so der Vorwurf. Vor knapp zwei Wochen gab Facebook bekannt, auf eine zentrale Forderung seiner deutschen Kritiker einzugehen: Nach Spiegel-Informationen lässt die Firma gemeldete Nutzerbeiträge über einen Dienstleister in Berlin von mehreren Hundert Mitarbeitern überprüfen. Kurz darauf reiste Top-Managerin Sheryl Sandberg nach Berlin und kündigte eine «Initiative für Zivilcourage Online» an.

Die Debatte über Facebooks Umgang mit Hassbotschaften hatte sich verschärft, als angesichts der Flüchtlingskrise rassistische Kommentare zunahmen. Unter anderem Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hatte von Facebook den Aufbau eines Lösch-Teams in Deutschland gefordert. (aar)

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