International

NSA belauschte Merkel & Co. umfangreicher als bisher bekannt

Laut der Enthüllungsplattform WikiLeaks hat der US-Geheimdienst NSA Kanzlerin Merkel umfangreicher abgehört als bisher bekannt. Auch Berlusconi, Sarkozy und Netanjahu sind demnach betroffen.

23.02.16, 06:26 23.02.16, 08:11

Ein Artikel von

Via Twitter hatte WikiLeaks die jüngsten Enthüllungen schon Stunden vorher angekündigt. Es werde um die NSA-Überwachung gehen, hiess es da. Um die Uno, um Angela Merkel, Bank Ki Moon und Nicolas Sarkozy. Gegen ein Uhr nachts deutscher Zeit war es dann soweit: Die Dokumente gingen online.

Demnach hörte der US-Geheimdienst Kanzlerin Merkel umfangreicher ab als bisher bekannt. Ausserdem geht es in den Veröffentlichungen um Gespräche zwischen Silvio Berlusconi und Benjamin Netanjahu, sowie japanischen und europäischen Handelsvertretern. Der Überblick:

Angela Merkel und Ban Ki Moon

Angela Merkel und Ban Ki Moon 2014.
Bild: EPA/DPA

Den Dokumenten zufolge hörte die NSA im Dezember 2008 unter anderem ein Gespräch zwischen der deutschen Kanzlerin und dem UNO-Generalsekretär ab, Thema war demnach der Kampf gegen den Klimawandel: Ban habe Merkel für ihren Einsatz gelobt und zugleich mehr Engagement von der Europäischen Union gefordert. (Hier geht's zum WikiLeaks-Beitrag.)

Im Oktober 2013 hatte der SPIEGEL erstmals enthüllt, dass die NSA nicht nur die Daten von Millionen Bundesbürgern sammelte, sondern jahrelang auch das Handy der Kanzlerin abhörte. Nun liess WikiLeaks-Gründer Julian Assange mitteilen: «Wir haben heute gezeigt, dass die privaten Gespräche von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon über die Bekämpfung des weltweiten Klimawandels von einem Land ausgespäht wurden, das seine grössten Ölfirmen schützen will.»

Zuerst hatte unter anderem die «Süddeutsche Zeitung» über die Enthüllungen berichtet, sie konnte die WikiLeaks-Dokumente vorab einsehen. Wie genau die NSA an die Gesprächsinhalte gelangte, ist dem Bericht zufolge unklar.

Silvio Berlusconi und Benjamin Netanjahu

In den neuen Enthüllungen geht es auch um ein Gespräch zwischen dem italienischen Premierminister Silvio Berlusconi und seinem israelischen Amtskollegen Benjamin Netanjahu aus dem Jahre 2010. Die beiden sollen sich über die Beziehungen zu den USA sowie über den Häuserbau in Ostjerusalem unterhalten haben. Berlusconi versprach Netanyahu laut WikiLeaks, ihm bei den Verhandlungen mit Washington zu helfen. Die Informationen sollen aus Berichten italienischer Diplomaten stammen. (Hier geht's zum WikiLeaks-Beitrag.)

Silvio Berlusconi, Angela Merkel und Nicolas Sarkozy

Merkel, Sarkozy und Berlusconi bei einem Gipfeltreffen 2008.
Bild: PHILIPPE WOJAZER/REUTERS

WikiLeaks zitiert auch aus NSA-Dokumenten, die sich mit einem Gespräch des französischen Präsidenten, des italienischen Premiers und der deutschen Kanzlerin im Oktober 2011 befassen: Berlusconis Berater Valentino Valentini habe das Treffen anschliessend als «angespannt und sehr harsch gegenüber der italienischen Regierung» bezeichnet.

Dem Dokument zufolge ging es vor allem um die wirtschaftliche Krise in Italien. Nicolas Sarkozy und Merkel hätten Berlusconi dazu gedrängt, mit «starken, konkreten Massnahmen» zu zeigen, dass seine Regierung das Schuldenproblem seines Landes ernst nehme.

Japan und EU

Zudem veröffentlichte WikiLeaks Berichte, in denen es um Verhandlungen zwischen deutschen und japanischen Diplomaten aus dem Jahr 2008 gehen soll. In diesem Fall habe die NSA offenbar japanische Handelsvertreter abgehört. (aar)

So überwacht uns der Staat

Wo war Herr Glättli die letzten sechs Monate? Minute für Minute, Ort für Ort? Swisscom oder Sunrise wissen es, Sie wissen es jetzt – und der Staat kann es jederzeit wissen

Was der Staat von Ihrem Smartphone will. Und wann. Und weshalb.

«Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Bund auch Telefongespräche und SMS speichern will»

«Dass die Speicherung von Handydaten nichts bringt, ist kompletter Unsinn»

Das Beziehungsnetz: Wer ist beruflich wichtig, wer ist verwandt? Mit wem hat Herr Glättli wirklich viel zu tun?

Wie der Staat Daten «wegen Terror» abgreift – und uns eigentlich bloss komplett verarscht

Die Kapo Bern hat bald ein teures neues Abhörsystem. Aber der eigentliche Skandal dahinter ist die Beschaffung

Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Wenn Sie immer noch glauben, Datenschutz sei nur für Menschen, die etwas zu verbergen haben, bitte hier weiterlesen

Die unsäglich peinliche Geschichte der gehackten Hacker (und Kapo-ZH-Lieferanten) in 25 Tweets erzählt

Diese Politiker sorgten sich eben noch um unsere Privatsphäre – und sagen jetzt trotzdem Ja zu mehr Überwachung

Fremde Geheimdienste sollen die Leitungen von Swisscom und Co. angezapft haben. Das musst du wissen

Polizei und Staat wollen Sie im Internet umfassend überwachen. Jeder zweite Schweizer sagt «Nein, danke!»

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 23.02.2016 09:48
    Highlight Das Imperium hat die Macht, alles zu tun ohne Konsequenzen erwarten zu müssen.
    9 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 23.02.2016 08:53
    Highlight Wo bleibt der Shitstorm? Würden derartige Taten auf russischer Seite bekannt werden, wäre der Baum am brennen.
    14 1 Melden

Schlepper schicken Flüchtlinge per App durch die Schweiz

Neues Phänomen an der Landesgrenze: Asylbewerber reisen mit der Mitfahrzentrale Blablacar ein.

Ein tunesischer Lastwagenfahrer hat einen lukrativen Nebenverdienst entdeckt. Für seine Tour von Italien durch die Schweiz nach Deutschland vermietet er die freien Sitze seiner Führerkabine. Das macht man heute nicht mehr über Bekanntschaften an Autobahnraststätten, sondern mit ein paar Klicks auf der Online-Plattform Blablacar. Fahrer können dort Plätze für Mitfahrer anbieten und einen Preis dafür festlegen.

Die Fahrt des Tunesiers beginnt gut: Er findet zwei Mitfahrer, Nigerianer im Alter von …

Artikel lesen