International

Paniktaste in der iOS-App Panic SOS.
Bild: OMG Productions

Schutz für Frauen: Indien will Notruftaste auf Handys vorschreiben

Mobiltelefone müssen in Indien ab 2017 mit einem Panikknopf ausgerüstet sein. Die neue Vorschrift soll helfen, Frauen vor Übergriffen zu schützen.

26.04.16, 16:50 26.04.16, 17:02

Ein Artikel von

Ab dem 1. Januar 2017 müssen Handys, die in Indien verkauft werden, über einen Panik-Button verfügen. Telekommunikationsminister Ravi Shankar Prasad habe eine entsprechende Anordnung unterzeichnet, berichtet The Indian Express.

Demnach sollen herkömmliche Handys, die über eine physische Tastatur bedient werden, ab 2017 einen Notruf absetzen, sobald die Tasten «5» oder «9» länger gedrückt werden. Ein Jahr später soll zudem ein GPS-Empfänger Pflicht werden, der zugleich mit dem Notruf die Position des Handys übermittelt.

Mit der neuen Zwangsfunktion soll vor allem Frauen die Möglichkeit gegeben werden, schneller und zuverlässiger als bisher Hilfe zu rufen, wenn sie in eine Notsituation kommen. 

Indische Frauen demonstrieren in Kalkutta für die Bestrafung von acht Angeklagten in einem Vergewaltigungsfall. 
Bild: PIYAL ADHIKARY/EPA/KEYSTONE

Vier Vergewaltigungen pro Stunde

Seit 2012 sechs Männer eine 23 Jahre alte Studentin in einem Bus brutal mehrfach vergewaltigt hatten, bekommen Meldungen über sexuelle Übergriffe in Indien vermehrt Aufmerksamkeit. Zwar wurde das Strafrecht verschärft und in einigen Fällen wurden auch Todesstrafen ausgesprochen, beseitigt worden ist das Problem dadurch jedoch nicht. Erst im März soll ein 20-Jähriger eine 15-Jährige zuerst vergewaltigt und dann angezündet haben, weil sie ihn nicht heiraten wollte.

Dem Finanzdienst Bloomberg zufolge werden in dem bevölkerungsreichen Land durchschnittliche vier Vergewaltigungen pro Stunde gemeldet. Zugleich sei die Polizeipräsenz im weltweiten Vergleich extrem niedrig. 

Dreimal schnell drücken

Neben Handys mit Tastatur seien auch Smartphones von der neuen Vorschrift betroffen, meldet das Blog 9to5mac. Diese müssten entweder mit einer dedizierten Notruftaste ausgerüstet werden oder die Notruffunktion über die Einschalttaste auslösen können. Demnach soll es ausreichen, die Einschalttaste dreimal kurz nacheinander zu drücken, um einen Notruf zu senden.

Hersteller wie Apple und Samsung könnten eine solche Funktion per Software integrieren und werden das wahrscheinlich auch tun. Denn das Schwellenland Indien ist mit mehr als einer Milliarde Einwohnern einer der wichtigsten Wachstumsmärkte für Handyhersteller.

Unklar ist derzeit allerdings noch, wie genau der per Paniktaste ausgelöste Notruf funktionieren soll. Derzeit gibt es in Indien nicht einmal eine einheitliche Notrufnummer. Die soll erst im Laufe des Jahres eingeführt werden. Ausserdem ist unklar, ob und wie schnell Frauen in Indien tatsächlich Hilfe bekommen, sollten sie einmal den Panikknopf verwenden.

mak

Das könnte dich auch interessieren:

Hier werden zwei Olympia-Skicrosser spektakulär durch die Luft geschleudert

Rumantsch, du hast die schönsten Fluchwörter! Errätst DU, was sie bedeuten?

Apple veröffentlicht Notfall-Update für iPhone, Mac und Watch (und TV)

Die Geburtsstunde einer Legende: Jamaika hat 'ne Bobmannschaft!

Medienhaus Somedia streicht 600 Stellenprozente

Trump kündigt «grösste Sanktionen aller Zeiten» an

Die Reaktionen dieser Basler Fussball-Reporter nach ihrer falschen Prognose? Unbezahlbar

«Vorwärts Marsch!» – hier findest du die schönsten Laternen des Morgestraichs

Die irische Rebellin, die lieber stirbt, als auf die britische Krone zu schwören

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
6
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sveitsi 27.04.2016 10:39
    Highlight Der Ansatz, den Frauen ein Gefühl von Sicherheit zu geben finde ich gut. Allerdings sollte man dringend auch bei den Vergewaltigern ansetzen. Ein Umdenken muss stattfinden, denn im besten Fall wird der Notfallknopf überflüssig.
    3 0 Melden
  • bangawow 26.04.2016 20:27
    Highlight Oder mal langsam mit dem Kastensystem aufhören.
    16 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 26.04.2016 18:33
    Highlight Was würde passieren, wenn man dasselbe in Deutschland machen würde? Dort gibts nämlich laut diverser Artikel mehr Vergewaltigungen als in Indien. Wie wohl die Schweiz im Vergleich dazu da steht? Hat das schon jemand recherchiert?
    2 11 Melden
    • Maett 27.04.2016 00:23
      Highlight @Rhabarber: statistisch korrekt, allerdings geht es einerseits nur um gemeldete Vergewaltigungen (in Indien wird die Dunkelziffer höher sein als in Deutschland, weil man nicht dieselbe gesellschaftliche Ächtung fürchten muss), andererseits ist eine Vergewaltigung in Indien etwas anderes als in Deutschland (einige Tatbestände die in Deutschland als Vergewaltigung gelten, sind in Indien sexuelle Belästigungen). Kann man so also nicht direkt vergleichen.

      Abgesehen davon werden in Indien viel mehr Frauen nach der Vergewaltigung getötet oder zumindest schwer verletzt.
      14 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 27.04.2016 09:02
      Highlight Mindestens mit dem letzten Abschnitt hast du leider Recht. Zu den anderen von dir erwähnten Aspekten kann ich nichts sagen.
      1 0 Melden
    • Maett 27.04.2016 10:53
      Highlight @Rhabarber: vergewaltigte Frauen werden in Indien aufgrund des Kastensystems extrem stigmatisiert - hinzu kommt, dass ich weiss, dass z.B. Vergewaltigungen in der Ehe in Indien völlig legal sind.

      Eine Notruftaste an den Handys wird wohl wenig bewirken, die Hindis sind sehr patriarchisch organisiert, die Frau wertlos - Gerichte entscheiden deshalb meist auch sehr einseitig und Polizisten handeln selten (hab mich eingelesen).

      Der problematische Patriarchalismus ist z.B. auch hier bei den Tamilen auch zu beobachten, Tamilinnen dürfen sehr selten Beziehungen mit Männer anderer Nationen eingehen.
      2 0 Melden

Schlepper schicken Flüchtlinge per App durch die Schweiz

Neues Phänomen an der Landesgrenze: Asylbewerber reisen mit der Mitfahrzentrale Blablacar ein.

Ein tunesischer Lastwagenfahrer hat einen lukrativen Nebenverdienst entdeckt. Für seine Tour von Italien durch die Schweiz nach Deutschland vermietet er die freien Sitze seiner Führerkabine. Das macht man heute nicht mehr über Bekanntschaften an Autobahnraststätten, sondern mit ein paar Klicks auf der Online-Plattform Blablacar. Fahrer können dort Plätze für Mitfahrer anbieten und einen Preis dafür festlegen.

Die Fahrt des Tunesiers beginnt gut: Er findet zwei Mitfahrer, Nigerianer im Alter von …

Artikel lesen