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Trump bei Duterte: Hat jemand Menschenrechte gesagt?

Trump will die Beziehung mit Philippinens Präsident Rodrigo Duterte wieder auf Vordermann bringen. Bild: AP/AFP POOL

Das Verhältnis zwischen den USA und den Philippinen ist seit der Machtübernahme von Präsident Duterte angespannt. Donald Trump will das Bündnis nun wieder stärken – und setzt auf gefährliche Schmeicheleien.

13.11.17, 20:37

Vanessa Steinmetz

Ein Artikel von

Mit beiden Händen hielt Rodrigo Duterte das Mikrofon vor ihm fest, mit tiefer Stimme sang er die Ballade «Ikaw» («Du»). Es ist das Lieblingslied des philippinischen Staatschefs. «Du bist die Liebe, auf die ich gewartet habe», heisst es darin. «Du bist das Licht in meinem Herzen. Die Hälfte meines Herzens.» Donald Trump lächelte zufrieden.

Dutertes eigenwillige Gesangseinlage für den US-Präsidenten bei einer grossen Gala war bislang wohl die grösste Überraschung des Südostasien-Gipfels in Manila. Trump, Oberkommandeur der amerikanischen Streitkräfte, habe ihm befohlen, mit dem Lied aufzutreten, erklärte Duterte anschliessend.

Der Duterte-Auftritt im Video:

Doch das Bild der philippinischen Unterwürfigkeit trügt. Seit fast 70 Jahren ist das Land zwar einer der wichtigsten Partner der USA in Südostasien und Bollwerk gegen China – doch gerade Duterte stellt das Bündnis mit der ehemaligen Kolonialmacht immer wieder öffentlich infrage. Er sei nicht der Lakai von irgendjemandem, sagte er philippinischen Reportern vor dem Treffen mit Trump.

Im Oktober vergangenen Jahres erklärte er bei einem China-Besuch: «In Sachen Militär und Wirtschaft (...) haben die USA verloren.» Kurz darauf einigte er sich mit der Volksrepublik auf Handelsverträge mit einem Gesamtvolumen von 13.5 Milliarden Dollar. Duterte hoffte damals auf ein neues Machtbündnis: eine Dreierachse aus China, Russland und den Philippinen. Die USA wären damit aussen vor.

Noch gehen Trump und Duterte nicht Hand in Hand. Bild: AP/AP

Dabei sind die Philippinen für die Amerikaner in der Region enorm wichtig: Die Duterte-Regierung soll den Amerikanern vor allem im Streit um die Südchinesischen Inseln gegen China beistehen (mehr dazu lesen Sie hier).

Deshalb gibt sich Trump nun auch alle Mühe und umschmeichelt Duterte. Der hatte seinen Vorgänger Barack Obama noch öffentlich einen «Hurensohn» genannt. Man habe eine «grossartige Beziehung», sagte Trump am Rande des Gipfels und gratulierte Duterte zu der gelungenen Organisation.

Bedrohung durch Terror

Bei einem anderen Thema hielt sich Trump hingegen bedeckt: den Menschenrechtsverletzungen auf den Philippinen, die auf die Politik Dutertes zurückgehen. Dieser hatte die Wahl 2016 vor allem mit dem Versprechen gewonnen, die Kriminellen in seinem Land «auszurotten» - als sein Vorbild nannte er damals Adolf Hitler. Tausende vermeintliche Drogenkriminelle sind seitdem bei Polizeieinsätzen oder durch Todesschwadronen ermordet worden. In ihrem ersten Telefonat hatte Trump den philippinischen Machthaber laut Mitschrift für das Vorgehen gelobt.

Und auch bei dem ersten persönlichen bilateralen Gespräch der beiden am Montag soll es kaum ein kritisches Wort vom westlichen Staatschef dazu gegeben haben – wenn überhaupt. Nach Darstellung des Weissen Hauses sei es «kurz» um Menschenrechte gegangen. Die philippinische Seite aber widerspricht. Duterte habe über die «Drogenplage» in seinem Land berichtet, teilte der philippinische Sprecher Harry Roque mit. Trump habe dazu mehrfach zustimmend genickt. Gemeinsames Thema sei vielmehr die Bedrohung durch Terror gewesen.

Wenn es dem US-Präsidenten gelingt, dass sich Duterte wieder öffentlich zu dem Bündnis mit den Vereinigten Staaten bekennt, könnte er das als aussenpolitischen Erfolg verbuchen. Dabei dürften ihm auch die Gemeinsamkeiten der Staatschefs nutzen: Beide sind scharfe Populisten, die sich als «Macher» inszenieren und die internationale Gemeinschaft als elitär empfinden.

Im Vergleich zu Rodrigo Duterte ist Donald Trump ein laues Lüftchen. Bild: AP/European Pressphoto Agency Pool

Im Wahlkampf wurde Duterte gar als «Trump Asiens» über die Landesgrenzen hinaus bekannt – das ist allerdings eine Untertreibung. Erst vor wenigen Tagen brüstete Duterte sich damit, im Alter von 16 Jahren zum ersten Mal einen Menschen umgebracht zu haben. Dagegen ist sogar Trump harmlos.

Die Umschmeichlungstaktik des US-Amerikaners ist deshalb ein gefährliches Signal an andere zunehmend autoritär geführte Staaten in Südostasien. Schon jetzt nehmen sich die Regierungen in verschiedenen Asean-Staaten mehr heraus als noch zu Zeiten der Obama-Regierung. In Vietnam, Thailand und Kambodscha gehen die Regierungen deutlich härter gegen die Opposition vor; der Regierung in Burma wird eine «ethnische Säuberung» an der muslimischen Minderheit der Rohingya vorgeworfen. Trump sagte zu alldem nichts.

Mit Material von dpa

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Butzdi 13.11.2017 21:19
    Highlight Links der sozialistische Parteipräsident Vietnams, rechts der bekennende Massenmörder Duerte und in der Mitte Trump, der seine Produkte gerne in Billiglohnländern wie Vietnam, den Philippinen, China oder Bangladesch herstellen lässt. Eine ‘feine’ Truppe.
    27 5 Melden
  • iNo 13.11.2017 21:01
    Highlight Die zwei grössten Demokratieverweigerer der Neuzeit treffen aufeinander. Abscheuliche Personen.
    25 11 Melden
    • iNo 14.11.2017 10:45
      Highlight Wer da blitzt gehört eingeliefert.
      3 5 Melden
    • MacB 14.11.2017 16:44
      Highlight Ich habe nicht geblitzt aber du darfst auch nicht nur schwarz/weiss denken. Du magst recht haben aber es gibt viele, die Demokratien nicht die beste Staatsform finden, das ist zu akzeptieren. Deswegen gehört jemand ja noch nicht gleich eingeliefert.
      1 2 Melden
    • Fabio74 14.11.2017 17:52
      Highlight @mcB wer Todesschwadronen gut findet, der hat keine einzige Tasse im Schrank
      2 0 Melden
  • roger.schmid 13.11.2017 20:39
    Highlight Dutertes eigener Sohn ist offenbar in Drogengeschäfte involviert:

    https://www.nzz.ch/international/drogenkrieg-auf-den-philippinen-dutertes-sohn-in-teufels-kueche-ld.1315173

    30 0 Melden
    • iNo 13.11.2017 21:03
      Highlight Der Typ ist so ein kaltblütiger Hardliner, der würde den eigenen Sohn sogar selber erschiessen, um nicht von seiner perversen Linie abweichen zu müssen.
      20 2 Melden
    • Pana 13.11.2017 21:48
      Highlight Dann müsste er sich aber auch selber erschiessen, wenn ich die andere Nachricht (Drogensucht) richtig verstanden habe.
      7 1 Melden
    • roger.schmid 13.11.2017 23:30
      Highlight @Pana: ja, Duterte hats sogar selbst zugegeben. eigentlich hätte er sich selbst erschiessen müssen, denn er war zumindest süchtig und Fentanyl ist stärker als Heroin
      https://www.thenational.ae/world/asia/duterte-s-use-of-painkiller-fentanyl-draws-concern-in-philippines-1.221659
      4 0 Melden
    • roger.schmid 13.11.2017 23:54
      Highlight ..und wenn Duterte selbst an den Geschäften seines Sohnes beteiligt wäre, würde mich dies kein bisschen verwundern. Die Konkurrenz wurde ja nun ausgeschaltet..
      4 0 Melden
  • MacB 13.11.2017 20:35
    Highlight Da haben sich zwei gefunden...
    40 2 Melden

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