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Russisches Roulette – die Suche nach Trumps Aussenminister 

Romney? Giuliani? Von wegen. Rex Tillerson, ExxonMobil-Chef und Putin-Freund, soll angeblich US-Aussenminister werden. Die Personalie platzt mitten in neue Spekulationen, Russland könnte Donald Trump zum Sieg verholfen haben.

11.12.16, 09:57 11.12.16, 14:40

Veit Medick, Washington

(9.12.16) Trumps Regierungsmannschaft

Ein Artikel von

Samstagnachmittag, das M&T Bank Stadion in Baltimore: Donald Trump gönnt sich eine Auszeit und besucht das Footballspiel der Army gegen die Navy, den jährlichen Sport-Showdown der US-Streitkräfte. Er verfolgt das Geschehen mit einigen Vertrauten hinter Panzerglas. Als Trump in einer der Pausen auf einer Leinwand gezeigt wird, reckt er die Faust in die Höhe und lacht. Ein Teil des Stadions singt «USA! USA!». Der neue Präsident ist zufrieden.

Sein Auftritt in Baltimore ist Teil eines mal wieder ziemlich abenteuerlichen Wochenendes. Trump steht offenbar kurz davor, seinen Aussenminister zu ernennen. Im Hintergrund tobt eine Debatte darüber, wie massiv Russland sich in die US-Wahl eingemischt hat. Und beide Geschichten sind in gewisser Weise miteinander verwoben. Aber der Reihe nach.

Trump ist mitten in der Regierungsbildung, bei der Besetzung des Aussenministers tut er sich schwer. Seit Wochen zirkulieren Namen: Mitt Romney, Rudy Giuliani, Bob Corker – allesamt gestandene Republikaner. Aber wie es aussieht, könnte es eine Überraschung geben: Trump, so heisst es, soll zu Rex Tillerson neigen, seines Zeichens Chef des mächtigen Ölkonzerns ExxonMobil.

Ein US-Aussenminister mit gutem Draht in den Kreml?

Es wäre eine spektakuläre Wahl. Der 64-Jährige Tillerson hat keinerlei Regierungserfahrung, er wäre ein vollkommener Neuling auf der politischen Bühne. Seit mehr als 40 Jahren ist er in der Ölbranche aktiv. Mit Tillerson würde Trump einem schwerreichen Geschäftsmann einen wichtigen Kabinettsposten anvertrauen. Mal wieder.

Kennt Tillerson die Welt? Sicher. ExxonMobil forscht, bohrt und investiert in rund 70 Ländern. Als Chef eines globalen Konzerns mit einem Umsatz von knapp 300 Milliarden Dollar ist er international bestens vernetzt und bekannt mit etlichen Staatsoberhäuptern und Regierungschefs.

Besonders zu einem Mächtigen hat Tillerson beste Kontakte: Russlands Präsident Wladimir Putin. Tillerson kennt Putin angeblich schon seit zwei Jahrzehnten, erhielt 2014 von ihm eine Freundschaftsmedaille. Ein US-Aussenminister mit einem guten Draht in den Kreml – es ist ein Szenario, das in den USA bislang allenfalls in einer Fernsehserie denkbar war.

Bild: Andrew Harnik/AP/KEYSTONE

Tillersons Geschäfte in Russland sind ebenfalls pikant. ExxonMobil unterhält mehrere Joint Ventures mit dem Ölgiganten Rosneft. Die Allianz der beiden Unternehmen hat im Zuge der in der Ukraine-Krise verhängten Wirtschaftssanktionen gegen Russland Schaden genommen. Tillerson hält nichts von den Sanktionen. Als Aussenminister könnte er sie aufzuweichen versuchen.

Russland soll bei Trumps Sieg nachgeholfen haben

Kann das gut gehen? Tillerson müsste vom Senat bestätigt werden, und sowohl seine möglichen Interessenkonflikte wie sein persönliches Verhältnis zu Putin könnten zu einem Problem werden. Das dürfte auch Trump ahnen. Will er ihn womöglich nur testen? Oder von einer anderen Geschichte ablenken?

Jedenfalls ist interessant, dass die Personalie just an jenem Tag öffentlich wird, an dem Spekulationen die Runde machen, dass Moskau Trump zum Sieg verholfen haben könnte. Der Verdacht ist nicht neu. Nun aber, so schreiben die «Washington Post» und die «New York Times», hätten die Dienste «Individuen» mit Verbindungen zum Kreml identifiziert, die die Enthüllungsplattform «Wikileaks» mit sensiblen Dokumenten aus dem Lager von Hillary Clinton versorgten. Die Personen seien Teil einer Operation der russischen Regierung gewesen, die kein geringeres Ziel gehabt hätte, als Donald Trump ins Weisse Haus zu bringen.

Was wie eine wilde Verschwörungstheorie klingt, löst in Washington erhebliche Verunsicherung aus. Während Trump seine Regierung zusammenstellt, wird täglich klarer, wie knapp sein Sieg am 8. November war. Er ist Präsident, obwohl er in absoluten Wählerstimmen gegen Hillary Clinton verloren hat.

Trump versucht, Berichte zu diskreditieren

In dieser Gemengelage ist jeder Hinweis auf russische Einmischung besonders explosiv, weil er die Legitimation Trumps zusätzlich in Frage zu stellen droht. «Russland», sagt der Senator Lindsey Graham, «versucht, Demokratien und demokratische Bewegungen zu zerstören – weltweit». Dafür, so der Republikaner, müsse Moskau einen Preis zahlen". Graham will die Einmischung Moskaus vom Kongress untersuchen lassen.

Es gibt Schwächen in den Berichten. So nennen weder die «Post» noch die «Times» namentliche Quellen. Nähere Angaben zu den enttarnten russischen «Individuen» fehlen ebenfalls. Alarmierend ist allerdings, dass dieselben russischen Stellen, die in die Rechner der demokratischen Partei eingedrungen sein sollen, angeblich auch bei den Republikanern Dokumente abfischten – diese aber zurückhielten.

Zudem sollen führende Kongresspolitiker bereits im September in einer geheimen Sitzung vom Ausmass der russischen Einmischung erfahren haben. Mitch McConnell, der Mehrheitsführer im Senat, habe damals jedoch Zweifel an den Erkenntnissen angemeldet und das Weisse Haus davor gewarnt, öffentlich Moskau der Einmischung zu bezichtigen.

Für Trump sind die Berichte unangenehm. Und so versuchte er, sie rasch zu diskreditieren. «Dies sind dieselben Leute, die gesagt haben, Saddam Hussein habe Massenvernichtungswaffen», sagte er in Richtung CIA. Ein erstaunlicher Vorgang. Dass ein Präsident mal eben seinen eigenen Geheimdienst öffentlich bloss stellt, kommt auch nicht alle Tage vor.

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    Alle Leser-Kommentare
  • The Return of The King, Louie the Gscheidhaferl I. 12.12.2016 13:57
    Highlight Ich will zu diesem Artikel nicht all zu viel sagen, nur etwas muss ich loswerden. Diesen Satz von Graham find ich sehr amüsant, weil heuchlerisch bis zum geht nicht mehr: "«Russland versucht, Demokratien und demokratische Bewegungen zu zerstören – weltweit»". Ähm joa, ist ja nicht so, als das die USA dasselbe tun. Hypocricy thy name is you, mr. Graham. Es macht nichts besser oder wett oder wasauchimmer, wollte das einfach sagen.
    2 0 Melden
  • Einfache Meinung 11.12.2016 19:19
    Highlight Nur Freundschaft und Diplomatie kann das Schlimmste verhindern! Das verstehen die meisten irgendwie nicht.
    4 1 Melden
  • rodolofo 11.12.2016 16:19
    Highlight Wir können davon ausgehen, dass die gleichen Supermächte, welche den "Kalten Krieg" geprägt und dominiert haben, sich einander angeglichen haben.
    Sowohl die USA, wie auch Russland haben mit hochgerüsteten Armeen und Geheimdiensten extrem mächtige "Staaten im Staate", die der demokratischen Kontrolle weitgehend entzogen sind.
    Die Wirtschaft wird von einem entfesselten Casino-Kapitalismus und stinkreichen Oligarchen dominiert.
    Die Öffentliche Meinung wird von Propaganda und gekauften Medien manipuliert.
    Die Achse Russland-USA ist Tatsache geworden.
    Das Demokratische Europa hat das Nachsehen...
    13 4 Melden
  • Radiochopf 11.12.2016 14:09
    Highlight "Es gibt Schwächen in den Berichten. So nennen weder die «Post» noch die «Times» namentliche Quellen. Nähere Angaben zu den enttarnten russischen «Individuen» fehlen ebenfalls." Wie immer, keine Namen und keine Beweise aber es waren immer die bösen Russen... Spiegel-Artikel sind lächerlich..Snowden bereut es sicher schon längst, das er der the guardian, dem spiegel und der Washington post seine Leaks zur Verfügung gestellt hat.. die Post hat ja sogar dafür einen Preis bekommen, wollen aber mittlerweile das Snowden ins Gefängnis kommt.. was für Heuchler...
    7 11 Melden
  • Danyboy 11.12.2016 11:03
    Highlight Ob jetzt da ein "Putin-Freund" kommt oder nicht, finde ich im Moment zweitrangig. Höchst amüsant ist, dass die Leute ja scheinbar Typen wie Trump aus Gründen der "Elitenkritik" und "-überdruss" wählen. Und was passiert dann? Tollste Realsatire: Ein Milliardär kommt an die Macht, holt sich Kumpanen und Altgediente ins Boot und bald haben wir eine Elite installiert, die noch perverser und technokratischer ist als alles bisher Gesehene. Es wäre zum Lachen wenns nicht zum Heulen wäre...
    36 0 Melden
    • urano 11.12.2016 13:33
      Highlight und das absurdeste daran ist, dass das seine Fans gar nicht merken !
      25 4 Melden

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