International

Bild: Evan Vucci/AP/KEYSTONE

FBI-Chef Comeys Ende bedeutet Ärger: Diese 4 Probleme hat Trump jetzt an der Backe

Der Rausschmiss von FBI-Chef James Comey hat für Donald Trump unangenehme Konsequenzen. Die Causa belastet den US-Präsidenten gleich auf mehreren Feldern.

11.05.17, 10:01 11.05.17, 18:26

Veit Medick, Washington

Ein Artikel von

Donald Trumps Sprecherin sieht es so: «Lasst uns das abhaken. Lasst uns endlich nach vorne schauen.» Gemeint sind natürlich die Ermittlungen rund um mögliche Absprachen zwischen Trumps Kampagne und dem Kreml, die das Weisse Haus seit Monaten belasten.

Viel klarer kann man eigentlich das Kalkül hinter James Comeys fragwürdiger Entlassung kaum offenlegen. Trump dürfte den FBI-Chef weniger aufgrund seines Agierens in Hillary Clintons E-Mail-Affäre als vielmehr deshalb gefeuert haben, weil er glaubt, auf diese Weise die Russland-Affäre unter Kontrolle zu bekommen. Jetzt soll Ruhe einkehren und endlich mal regiert werden.

Wahrscheinlicher ist, dass das Gegenteil eintritt. Trump, so sehen es in Washington viele, hat mit seinem Schritt weder sich noch seiner Mannschaft oder der Partei einen Gefallen getan, ja, der Präsident könnte sich so sehr verkalkuliert haben, dass 2017 zum verlorenen Jahr zu werden droht.

Die Russland-Affäre ist mehr denn je im Fokus

Der Präsident hat mit der Entlassung Comeys bei vielen Demokraten, aber auch einigen Republikanern das Gefühl geweckt, er habe etwas zu verbergen. Und tatsächlich werden nun viele neue Details öffentlich, die nahelegen, dass das FBI die Suche nach möglichen Absprachen zwischen Trumps Umfeld und Moskau sehr ernst nimmt. Kurz vor seiner Entlassung bat Comey offenbar um mehr Geld für die Ermittlungen. Die Bundespolizei verlangte von Vertrauten des Ex-Sicherheitsberaters Michael Flynn die Offenlegung von Daten und Kommunikation. Und der Senat interessiert sich für Trumps Finanzen.

Die Republikaner stehen nun unter Druck: Um die Unabhängigkeit der Institutionen zu retten, müssen sie mindestens die im Senat laufenden Ermittlungen weiterführen und auf einen neuen FBI-Chef drängen, der die Prüfungen ernst nimmt. Besser wäre es, einen Sonderermittler einzusetzen, der sich der Aufklärung der Russland-Affäre hauptamtlich widmet. Erste Rufe danach gibt es, vereinzelt auch in der Partei des Präsidenten. Statt die Affäre einzudämmen, hat Trump sie erst recht in den Mittelpunkt gerückt.

Das FBI wird zur Gefahr

Trump will womöglich schon bald das Hauptquartier der Bundespolizei besuchen, um neues Vertrauen aufzubauen. Ob es der Präsident aber schafft, mit symbolischen Besuchen die Stimmung im FBI wiederherzustellen, ist fraglich. Dort herrscht weithin Entsetzen über das Agieren des Milliardärs. Trump hat sich viele Feinde gemacht und das könnte sich rächen.

Schon seit seinem Amtsantritt wird seine Regierung von Durchstechereien belastet, und es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Tagen und Wochen viele kleine und grössere Geheimnisse aus den Russland-Ermittlungen publik werden. Offene Fragen gibt es viele: Warum hielt Trump so lange an seinem Sicherheitsberater Flynn fest? Wer genau aus seinem Team traf sich mit russischen Stellen und worum ging es? Das Problem: Mit jedem neuen Detail, jeder neuen Abschrift eines Telefonats oder Treffens, dürfte die Affäre neu belebt werden.

Trumps Agenda gerät ins Stocken

Auch jenseits der Russland-Affäre steht Trump vor Problemen: Die Comey-Entlassung hat die ohnehin schlechte Stimmung in Washington zusätzlich vergiftet. Nicht nur gehen Demokraten und Republikaner aufeinander los, auch seine eigene Partei wirkt zunehmend gespalten in der Frage, wie viel Flankenschutz sie dem Präsidenten geben soll. Trump hat viel vor in diesem Jahr: Er will eine Steuerreform umsetzen und ein Infrastrukturpaket einbringen. Er will die Gesundheitsreform beschliessen lassen und muss im Herbst schwierige Haushaltsberatungen überstehen.

Für all das braucht er mindestens eine geschlossene Partei, in vielen Bereichen – etwa der Steuerreform – auch Teile der Demokraten. Wie das gehen soll, ist derzeit völlig offen. Die Demokraten im Senat denken darüber nach, über Verfahrenstricks ihre Kammer praktisch lahmzulegen und Initiativen der Republikaner lange hinauszuzögern. Heisst konkret: Läuft es schlecht, kriegt Trump in diesem Jahr so gut wie nichts mehr hin.

Die Stimmung in seinem Team verschlechtert sich

Eine der Schwierigkeiten in Trumps Startphase war die Stimmung im Weissen Haus. Unterschiedliche Flügel bekämpfen sich, und weil viele von seinen Vertrauten erstmals in der Politik arbeiten, kam es mitunter zu grossen Abstimmungsproblemen. Nach der erfolgreichen Abstimmung im Repräsentantenhaus zur Obamacare-Abschaffung meinten manche, eine gewisse Professionalisierung feststellen zu können, aber der Umgang des Weissen Hauses mit der Comey-Entlassung zeigte Gegensätzliches.

Trumps Team war von dem Schritt völlig überrascht, es gab weder eine Kommunikationsstrategie noch eine Pressekonferenz, auf der die Hintergründe erklärt wurden. Trumps Sprecher, Sean Spicer, beantwortete im Vorgarten des Weissen Hauses spontan ein paar Fragen, versteckte sich aber zunächst so lange hinter einem Busch, bis klar war, dass er bei seinen Aussagen nicht gefilmt wurde. Im Weissen Haus herrschen Frust und Verunsicherung über das jüngste Debakel. Spicer steht – wohl auch deshalb – bei Trump nicht mehr sehr hoch im Kurs. Schon gibt es Spekulationen darüber, ob er ihn auswechselt.

Das Problem dabei: Nach jedem Wechsel muss sich das Team erst wieder finden. Und Zeit hat der Präsident eigentlich nicht.

100 Tage Trump in 90 Bildern

Donald Trump

Trumps Erfolge – die unheimlich stille Veränderung der USA

Aufstand der «Hurensöhne» – jetzt gehen sie gegen Trump auf die Knie

Der herzloseste Trump-Gruss! Zumindest zog Melania diesmal nicht die Hand zurück ...

Wie er Nazis verteidigt und über Wein schwafelt – Trumps irre Wutrede in 7 Akten

8 Wesenszüge, die Trump und Hitler gemeinsam haben

Das üble Spiel des Donald T.

Trumps Sprecherin fragt, was US-Bürger mit 4000$ machen würden. Die Antworten? Unbezahlbar

Trumps Asienreise macht klar: Amerikas Tage als Handelsmacht sind gezählt

«Grauenhaft und falsch»: Barack Obama sagt Trump die Meinung – aber so richtig

Schwangere Soldaten-Witwe bricht nach Trump-Anruf zusammen – das Drama in vier Akten

Soldaten-Witwe bestätigt Vorwürfe gegen Trump – der US-Präsident reagiert sofort 

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
11
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pamayer 11.05.2017 13:29
    Highlight Er sollte ja 'regieren'.
    Zum Glück gibt's Skandale und Skandälchen, die davon ablenken, dass er Null Ahnung von re... regist... regiertrt...
    Damn it! How do you spell that Word, I should do?!
    27 5 Melden
  • Genital Motors 11.05.2017 13:10
    Highlight Schade bin ich kei nTrumpgegner, sonst könnt ich mich hier seit Wochen aufgeilen ;)
    18 53 Melden
  • Lutz Pfannenstiel 11.05.2017 12:40
    Highlight Die Chance, dass ein Watson-Leser gratis nach Russland fliegt, steigt.
    34 10 Melden
  • Wiesopferd 11.05.2017 11:31
    Highlight Das ist wie der Kampf mit der Hydra. Nur hat das grosse Kind noch nicht begriffen, dass jedesmal, wenn er dem Ungeheuer einen Kopf abschlägt, zwei neue nachwachsen.
    47 11 Melden
  • Gelöschter Benutzer 11.05.2017 11:27
    Highlight Ich glaube, dass der Grund für den Rauswurf garnicht die Russlandconnection ist. Viel eher habe ich das Gefühl, Trump hat andere Beweggründe u d ist einfach zu kurzsichtig um zu verstehen, was die Leute schlussfolgern werden.
    21 17 Melden
    • pamayer 11.05.2017 13:26
      Highlight Auf gut deutsch: dumm.
      19 5 Melden
    • Juliet Bravo 11.05.2017 13:28
      Highlight An welche andere Gründe denkst du?
      9 4 Melden
    • Gelöschter Benutzer 11.05.2017 13:51
      Highlight Hab jetzt nichts spezifisches im Kopf. Die Annahme basiert darauf, dass die Gründe für Donalds Handeln deslfteren viel banaler waren, als anfangs angenommen.
      8 3 Melden
  • Gummibär 11.05.2017 11:03
    Highlight «Lasst uns das abhaken. Lasst uns endlich nach vorne schauen.» Aber dauernd die vorherige Administration verantwortlich machen :
    Für frei erfundenes Wiretapping .
    Für die Security Clearance des kompromittierten Generals Flynn.
    Für die Unbeugsamkeit der Attorney General Sally Yates in rechtlichen Dingen.
    Für seine eigene überragende Inkompetenz.
    Für die Unabhängigkeit des Direktors des FBI

    Nach vorne schauend warten wir auf wikileaks mit veröffentlichung von Details über die Russian connection.
    82 9 Melden
  • Rubby 11.05.2017 10:22
    Highlight Offensichtlicher kanns donald trump gar nicht zeigen., dass er einen vertuschungsversuch gestartet hat....nur hat der arme alte kranke mann übersehen, dass es noch so einige comey's gibt...seine gegner sitzen in den startlöcher....aber das merkt dieser narzisst ja nicht...bin sehr gespannt was kommt...
    76 12 Melden
  • Dunkleosteus6765 11.05.2017 10:21
    Highlight Somit torpediert sich The Donald feucht fröhlich selbst. Hach wie schön!
    77 12 Melden

Das ist der Mann, der Trumps Twitter-Konto abgestellt hat

Der Deutsche Bahtiyar Duysak hat Anfang November den Twitter-Account von Trump Minuten deaktiviert. Jetzt äussert er sich erstmals in einem Interview. 

Ganze 11 Minuten war der Twitter-Account von US-Donald Trump am 2. November offline, weil ihm ein Twitter-Angestellter den Stecker gezogen hatte. Das Internet feierte den damals noch unbekannten Mitarbeiter als Helden, der den Nobelpreis verdient habe. 

Jetzt ist bekannt, wer dem US-Präsidenten seinen Twitter-Account deaktiviert hatte. In einem Interview mit TechCrunch outet sich Bahtiyar Duysak, ein Deutscher mit türkischen Wurzeln, als Trump-Blocker.

Aber wie konnte Duysak dem mächtigsten …

Artikel lesen