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Ist nicht mehr länger an der Spitze des FBI: James Comey. Bild: Susan Walsh/AP/KEYSTONE

Donald Trump über FBI-Chef James Comey: «Er hat keinen guten Job gemacht»

11.05.17, 05:42 11.05.17, 08:06

Nach der Entlassung von FBI-Chef James Comey sieht sich US-Präsident Donald Trump dem Vorwurf ausgesetzt, er wolle damit die Ermittlungen zu einer russischen Beeinflussung der US-Wahl 2016 begraben. Trump wies das am Mittwoch zurück. Er begründete Comeys Entlassung mit den Worten: «Weil er keinen guten Job gemacht hat. Ganz einfach. Er hat keinen guten Job gemacht.»

Die Russland-Untersuchungen belasten Trumps Präsidentschaft schwer. Auch Vize Mike Pence wies am Mittwoch zurück, die Entlassung habe mit den Ermittlungen zu tun. Vielmehr hätten die US-Amerikaner das Vertrauen in das FBI verloren. «Es war Zeit für einen Neuanfang», sagte Pence.

Trump hatte den FBI-Chef am Dienstagabend überraschend gefeuert. Comeys Behörde ermittelt wegen möglicher Kontakte zwischen Mitgliedern von Trumps Wahlkampfteam und Vertretern Russlands.

Comey galt deswegen eigentlich als unantastbar, hatte sich in Washington aber auch viele Gegner auf beiden Seiten geschaffen. Er war erst drei von geplanten zehn Jahren im Amt.

Zynische Begründung

Präsident Trump habe auf klare Empfehlungen des Justizministers Jeff Sessions und seines Stellvertreters Rod Rosensteins gehandelt, hiess es in einer Mitteilung des Weissen Hauses. Die US-Regierung begründete die Entlassung vor allem mit Comeys Verhalten in der E-Mail-Affäre Hillary Clintons. Von dieser hatte der Wahlkämpfer Trump 2016 allerdings sehr profitiert.

Auch Hillary Clinton habe zur Entlassung Comeys beigetragen. Bild: Charles Sykes/Invision/AP/Invision

Comey hatte rund um die US-Wahl 2016 eine herausragende Rolle gespielt. Erst vor wenigen Tagen verteidigte er seine umstrittene Entscheidung, kurz vor der Wahl im November 2016 neue Entwicklungen in der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton öffentlich gemacht zu haben.

Trump hatte ihn wiederholt gelobt. Allerdings stiess sich der Präsident sehr an Comeys öffentlicher Weigerung, seine Abhörvorwürfe an die Adresse Barack Obamas zu unterstützen. Das Verhältnis galt seither als belastet.

Wollte Comey Ermittlungen ausweiten?

Nach Informationen der «New York Times» bat Comey wenige Tage vor seiner Entlassung in einem Treffen mit Rosenstein um deutlich mehr Geld und Personal für die Russland-Ermittlungen. Eine Sprecherin des Justizministeriums wies das bei «Politico» als unwahr zurück.

«Gleichwohl stimme ich völlig mit dem Justizministerium überein, dass Sie nicht in der Lage sind, das FBI effektiv zu führen.»

Harte Worte von Trump an Comey

Am Mittwoch twitterte Trump: «Comey hat das Vertrauen von fast jedem in Washington verloren, sowohl von Republikanern wie von Demokraten», twitterte er. «Wenn sich die Dinge beruhigt haben, werden sie mir noch dankbar sein!» In einem zweiten Tweet schrieb Trump, Comey werde durch jemanden ersetzt werden, der dem FBI Prestige und Geist zurückbringen werde.

Der Präsident schrieb in einem Brief an das FBI, der US-Medien vorliegt, Comey habe ihm drei Mal persönlich gesagt, dass nicht gegen ihn selbst ermittelt werde. «Gleichwohl stimme ich völlig mit dem Justizministerium überein, dass Sie nicht in der Lage sind, das FBI effektiv zu führen.»

Kritik am Vorgehen Trumps gibt es auch vom ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders. Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Viel Kritik aus dem Kongress

Die Entscheidung stiess auf heftige Kritik der oppositionellen Demokraten, aber auch einiger republikanischer Politiker.

Trump habe wiederholt versucht, die Russlandermittlungen abzuwürgen, erklärte der frühere Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders. Die Entscheidung zur Entlassung Comeys werfe die ernste Frage auf, was die Regierung verberge.

Es sei klar, dass der von Trump handverlesene künftige FBI-Chef diese Ermittlung nicht objektiv führen können werde. Demokratische Abgeordnete und Senatoren wie Charles Schumer erneuerten ihre Forderung nach einem unabhängigen Sonderermittler zu Russland.

Republikanische Senatoren wie John McCain, Richard Burr, Richard Blumenthal und Ben Sasse zeigten sich von Trumps Entscheidung irritiert. Das ist deswegen wichtig, weil sich um eine vergleichsweise kleine Gruppe eher moderater Republikaner herum Widerstand gegen das Weisse Haus bilden könnte.

100 Tage Trump in 90 Bildern

Vergleiche zu Watergate-Affäre

Im Zusammenhang mit Comey und seiner Nachfolge spielen auch die Halbzeit-Wahlen 2018 eine grosse Rolle. Dann werden ein Drittel der Senatoren und das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt.

In Kommentaren wurden in den USA Vergleiche mit dem Watergate-Skandal laut, der 1974 zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon geführt hatte. In der damaligen Affäre um das illegale Abhören der Demokratischen Partei hatte der Republikaner Nixon den Chefermittler gefeuert.

Das FBI wird kommissarisch von Andrew McCabe geführt. Comeys Nachfolger bedarf der Zustimmung des Senats. US-Medien handelten unter anderem den ehemaligen New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani als Nachfolger. Dieser sagte dem Magazin «The Atlantic» jedoch, er sei kein Kandidat für den Posten. (sda/dpa)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Spooky 13.05.2017 23:58
    Highlight Soll mir jemand sagen, wo Comey einen guten Job gemacht hat!

    FBI-Chef James Comey hat keinen guten Job gemacht. Donald Trump hat darum recht, dass er ihn feuert.

    Soll mir jemand sagen, wo Comey einen guten Job gemacht hat!

    0 0 Melden
  • rodolofo 11.05.2017 20:35
    Highlight Gegen Trump ermitteln?
    Gar nicht gut!
    Ja das hat Comedy gar nicht gut gemacht, einen so tollen, wunderschönen und super-intelligenten Präsidenten zu verdächtigen, nicht gute Sachen zu machen!
    Dieser Präsident Trump ist nämlich tatsächlich der beste und fähigste Präsident, den die USA je hatten und haben werden!
    (Das sind Alternative Fakten, die in der Mainstream-Lügenpresse verschwiegen werden!)
    1 1 Melden
  • Denk nach 11.05.2017 01:28
    Highlight Ganz ehrlich? Wenn ich jedesmal einen Stutz kriegen würde, wenn ich irgendwo lese das Trump am Ende ist.... würde ich den Rest der Woche blau machen.

    Ich bin mir nicht sicher ob die Journalisten ihn aus dem Amt schreiben können.... Totgesagte Leben bekanntlich länger!

    5 4 Melden
  • banda69 10.05.2017 23:37
    Highlight For Donald.
    With Love.
    4 0 Melden
  • Olaf! 10.05.2017 22:57
    Highlight Wieso nennt das eigentlich niemand Comeygate? Sonst wird ja aus jedem Brunz ein Gate, nur nicht wenn es wirklich mal halbwegs mit dem Original vergleichbar ist.
    12 4 Melden
  • Gelöschter Benutzer 10.05.2017 22:37
    Highlight (Trump) begründete Comeys Entlassung mit den Worten: «Weil er keinen guten Job gemacht hat. Ganz einfach. Er hat keinen guten Job gemacht.»

    Nun, Donnie... Du machst ohne Zweifel einen guten Job. Jedes Mal wo ich Deine Fresse sehe begreife ich, ja!, die Dummheit ist unendlich, meine Dummheit ist unendlich! Thanks for this feeling! Ewigkeit! Ha, lass die Raketen knallen wie Sektkorken. The greatest party on the world, with the fatest, sorry, biggest president all over the univers.

    Sorry, musste meinen Brechreiz sublimieren...
    21 2 Melden
  • Fischra 10.05.2017 22:28
    Highlight Ja lieber Donald. Dann entlass dich aber schnell selbst !!!
    22 1 Melden
  • Makatitom 10.05.2017 21:52
    Highlight Dear Mr. President, You too, you don't do a good job
    40 3 Melden
  • Dummbatz Immerklug 10.05.2017 21:21
    Highlight Er hat keinen guten Job gemacht... Hat The Donald in den Spiegel geschaut?
    45 7 Melden
  • Gilbert Schiess 10.05.2017 20:42
    Highlight "Er hat keinen guten Job gemacht." Ist natürlich eine subjektive Meinung.
    Ich finde, der Kürbiskopf macht auch keinen guten Job, was auch eine subjektive Meinung ist.
    52 6 Melden
  • Thoemmeli 10.05.2017 20:32
    Highlight Die nächste Kündigung wurde soeben von HihiLeaks veröffentlicht:
    50 5 Melden
  • Basswow 10.05.2017 19:49
    Highlight ..."aufgrund der Kontroversen um den FBI-Chef glaube er, dass ein Neuanfang dem FBI und dem Land gut tun würde."
    Ein Neuanfang bei der Regierung auch!
    Impeach 45!
    40 9 Melden
  • Pana 10.05.2017 19:46
    Highlight "Comey habe nur Tage vor seiner Entlassung beim stellvertretenden Justizminister Rod Rosenstein mehr Geld und weiteres Personal für die Untersuchungen beantragt."

    Wenn das stimmt, klingt es schon verdammt stark nach Watergate. Alles andere als eine unabhängige Weiterführung der Untersuchungen wären zutiefst beunruhigend.

    51 6 Melden

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