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Hat diese Schauspielerin die Fahnder auf «El Chapos» Spur geführt?

Wie kam das umstrittene Interview von Sean Penn mit Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán zustande? Den Kontakt vermittelte die mexikanische Schauspielerin Kate del Castillo. Für die Ermittler ein Glücksfall.

11.01.16, 11:39 11.01.16, 11:54

Ein Artikel von

Hollywoodstar trifft Drogenbaron auf einer Dschungellichtung: Dass Schauspieler Sean Penn den Unterweltboss Joaquín «El Chapo» Guzmán am 2. Oktober interviewen konnte, hat er wesentlich einer Kollegin zu verdanken: der mexikanischen Schauspielerin Kate del Castillo.

Im «Rolling Stone», das detailliert über das Treffen berichtet, beschreibt Penn, wie del Castillo den Kontakt herstellte. Das Magazin druckte ein Foto, auf dem sich Penn und Guzmán die Hand geben. (Aussagen aus dem Interview liest du hier.)

Sean Penn (links) mit «El Chapo».
Bild: X80001

Die 43-Jährige hatte 2012 einen öffentlichen Appell an Guzmán gerichtet und ihn gebeten, Gutes zu tun. «Heute glaube ich mehr an Chapo Guzmán als an Regierungen, die die Wahrheit vor mir verstecken», schrieb sie damals. Später wollte del Castillo das als Ironie, Sarkasmus und Witz verstanden wissen; das hätten viele nicht begriffen.

Für viele passte der Appell indes bestens zu del Castillos Karriere. In einer ihrer bekanntesten Rollen trat sie in der TV-Serie «Die Königin des Südens» auf. Darin spielte sie eine Drogenbaronin. Darüber sagte del Castillo: «Sie ist eine Figur, die mit verheirateten Männern schläft, Marihuana raucht, Drogen schmuggelt, Leute umbringt, sie flucht viel und ist eine grosse Trinkerin.» In der Serie «Weeds» spielte Castillo ebenfalls eine Gangsterin.

In der TV-Serie «Die Königin des Südens» spielte del Castillo eine Drogenbaronin. Hier ist die Schauspielerin mit ihren Serienkollegen Ivan Sanchez (links) und Rafael Amaya zu sehen.
Bild: AP

«Pure Eitelkeit»

Da passt es ins Bild, dass sie nun eine zentrale Rolle bei der Vermittlung des Treffens zwischen Guzmán und Penn spielte. Guzmán schickte ihr nach ihrem Appell Blumen; Mitglieder seiner Bande kontaktierten die Schauspielerin nach Guzmáns Festnahme im Februar 2014 – weil grosses Interesse bestand, die Geschichte des Drogenbosses zu erzählen. Del Castillo ist in Mexikos Filmindustrie gut vernetzt. Es ist allerdings unklar, wie weit die Planung für den Film fortgeschritten war.

Castillo – hier im vergangenen August auf einer Filmpremiere – spielte einst eine Drogenhändlerin. Sie hat sich bislang nicht zu ihrer Hilfe für Penn geäussert.
Bild: AP

Die Pläne für den Film könnten «El Chapos» Festnahme begünstigt haben. Zwar gab es laut Penn ausserordentlich grosse Sicherheitsvorkehrungen, um das Interview geheim zu halten – unter anderem wurde verschlüsselt kommuniziert. Beim Kontakt mit Guzmáns Anwälten liess del Castillo aber offenbar weniger Vorsicht walten.

Laut Mexikos Generalstaatsanwältin Arely Gómez war die Entdeckung, Guzmán wolle einen Film über «El Chapos» Leben drehen, eine der Spuren, die zu dem Drogenboss führte. «Zu diesem Zweck nahm er Kontakt zu Schauspielerinnen und Produzenten auf.» Man habe entsprechende Treffen überwacht. Bereits am Freitag hatte die Chef-Ermittlerin berichtet, die Behörden seien über Treffen Guzmáns mit Regisseuren und Schauspielern im Bilde gewesen, und diese hätten bei seiner Ortung geholfen. Der chilenische Regisseur Pablo Larrain sagte, die «pure Eitelkeit» sei Guzmán zum Verhängnis geworden.

Aus Ermittlerkreisen war zu hören, del Castillo und Penn sollten vernommen werden. Besonders Penn wird für das Interview heftig kritisiert; ob er oder del Castillo sich strafbar gemacht haben, ist unklar.

Auslieferungsverfahren an USA läuft

Mexiko hat inzwischen das Auslieferungsverfahren an die USA eingeleitet. Mitarbeiter von Interpol Mexiko stellten am Sonntag im Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano zwei Haftbefehle mit dem Ziel der Auslieferung an die USA zu, wie die Generalstaatsanwaltschaft mitteilte.

Kate del Castillo spielte für das Interview von Sean Penn mit Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán eine zentrale Rolle. Die Schauspielerin vermittelte den Kontakt.
bild: ap

Guzmán kann nun Einspruch gegen die Auslieferung einlegen. Ein Gericht trifft daraufhin eine Entscheidung und leitet den Vorgang an das mexikanische Aussenministerium weiter. Wenn das Aussenamt die Auslieferung einleitet, kann «El Chapo» noch einmal einstweiligen Rechtsschutz gegen die Überstellung beantragen. Lehnt ein Gericht den Antrag ab, ist der Weg für die Auslieferung frei.

In den Vereinigten Staaten liegen mehrere Haftbefehle gegen «El Chapo» vor. Die US-Behörden werfen dem Chef des Sinaloa-Kartells unter anderem Mord, Drogenhandel, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche vor. Die Antidrogenbehörde DEA hatte ein Kopfgeld von bis zu fünf Millionen US-Dollar auf Guzmán ausgesetzt.

Festnahme ein halbes Jahr nach der Flucht

Guzmáns Organisation wird für Tausende Morde im mexikanischen Drogenkrieg verantwortlich gemacht. Gegen den Drogenboss liegen in Chicago, Brooklyn, Manhattan, San Diego, Miami, New Hampshire und El Paso Anklagen vor. Chicago etwa hatte Guzmán 2009 zu seinem ersten Staatsfeind seit dem legendären Gangsterboss Al Capone erklärt.

«El Chapo» war am 11. Juli 2015 durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel aus dem Gefängnis El Altiplano entkommen. Am vergangenen Freitag wurde er schliesslich gefasst, knapp ein halbes Jahr nach seinem Ausbruch. Marineinfanteristen hatten sich zuvor in der westmexikanischen Stadt Los Mochis eine heftige Schiesserei mit seinen Leibwächtern geliefert.

In den USA bringen sich bereits mehrere Gerichtsstandorte für einen möglichen Prozess gegen Guzmán in Stellung. Konkret geht es um Chicago und Brooklyn. Letztlich entscheidet darüber das US-Justizministerium. Je nach Gerichtsort könnten sich die Anklagepunkte unterscheiden.

ulz/AP/dpa

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 11.01.2016 13:19
    Highlight Wie kann man nur darüber spekulieren, wer denn nun den Typen verraten hat. Das ist in Mexiko nicht so wie beim Bubi Snowden. Steht der Name fest, ist die Person innerhalb 24 h samt Familie tot. Also wäre es vernünftiger nicht darüber zu spekulieren. Falls es 5 Möglichkeiten gibt, werden die auch nicht davon zurückschrecken alle fünf Fälle zu lösen. Hoffentlich hört die Presse auf sich dumm zu benehmen. Das ist nicht die USA oder EU. Das ist Mexiko. Da spielen die harten Jungs.
    18 2 Melden
    • hobelot 11.01.2016 14:23
      Highlight das hast du von narcos, gibs zu ;) ne schon klar, hast total recht...
      5 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 11.01.2016 14:52
      Highlight Nein Ich habe Freunde in El Paso und Austin. Da hört man so einiges.
      5 1 Melden

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