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CORRECTS FIRST NAME - Diego Zas shows two bags of legal marijuana he just bought at the Antartida drugstore in downtown Montevideo, Uruguay, Wednesday, July 19, 2017. Marijuana is going on sale at 16 pharmacies in Uruguay, the final step in applying a 2013 law that made the South American nation the first to legalize a pot market covering the entire chain from plants to purchase. (AP Photo/Matilde Campodonico)

Ein Mann aus Uruguay zeigt zwei Packungen Marihuana, die er soeben legal in einer Apotheke in Montevideo erworben hat.   Bild: AP/AP

Marihuana-Revolution: 7 Fragen und Antworten zum historischen Tag in Uruguay

19.07.17, 18:32 20.07.17, 16:24


Für die Freunde der Marihuana-Legalisierung ist es ein historischer Tag: Als erstes Land hat Uruguay den staatlichen Verkauf von Gras in Apotheken gestartet, auch der Anbau wird vom Staat organisiert. Das Ziel: den kriminellen Drogenbanden Millioneneinnahmen entziehen.

Ganz behutsam werden die Pflanzen untersucht, die Mitarbeiter der International Cannabis Corporation müssen Haarnetze tragen. Hier, unweit des Gefängnisse Libertad, wird in Uruguay in diesen Tagen eine neue drogenpolitische Geschichte geschrieben. Im Auftrag des Staates wird Marihuana angebaut, um es landesweit an interessierte Menschen zu verkaufen. Ganz legal, zum Schleuderpreis.

Marihuana-Legalisierung: Historischen Tag in Uruguay

Was ist das einzigartige an dem Projekt?

Produktion und Abgabe wird erstmals durch den Staat organisiert. Die Macht der Drogen-Clans soll damit gebrochen werden. Wer kiffen will, konnte sich in den vergangenen Monaten registrieren lassen.

Es gibt drei Optionen, man muss sich für eine entscheiden: Erstens: Den Kauf in 16 ausgewählten Apotheken, der am Mittwoch gestartet worden ist. Zweitens: den Anbau von bis zu sechs Pflanzen daheim oder drittens die Mitgliedschaft in einem Club, der gemeinschaftlich Hanf anbaut und jedem Mitglied bis zu 480 Gramm Eigenkonsum im Jahr gestattet.

Wie viel kostet das «Staats-Marihuana»?

Die Regierung hat den Preis auf 187.04 Peso für ein 5-Gramm-Päckchen festgelegt. Das entspricht umgerechnet knapp 1.30 Franken pro Gramm, weit weniger als jene zwei bis drei Franken, die auf dem Schwarzmarkt für das Gras gefordert werden. Zudem wird die besondere Qualität der Pflanzen hervorgehoben, die wohlbehütet von der International Cannabis Corporation (ICC) und dem Unternehmen Simbiosys angebaut werden.

Ein Gramm Marihuana kostet in Uruguay umgerechnet 1.30 Franken. Bild: AP

Wer darf kiffen?

Die bisher rund 5000 Konsumenten, die sich für den Kauf in Apotheken eingeschrieben haben, die knapp 7000 registrierten privaten Hanf-Anbauer und die Mitglieder in bisher 63 genehmigten Cannabis-Clubs (mit je 15 bis 45 Mitgliedern). Insgesamt 13'500 Menschen, 70 Prozent Männer, 30 Prozent Frauen.

Die Bedingung: Sie müssen über 18 Jahre alt und seit mindestens einem Jahr in Uruguay ansässig sein. Der Weiterverkauf – auch an Touristen – ist verboten. Ausländer bleiben aussen vor, Kiffertourismus soll damit vermieden werden. Nur wer registriert ist, kann legal Marihuana einkaufen.

Was ist der Unterschied zu den Coffee-Shops in den Niederlanden?

In den Niederlanden gibt es nur eine Tolerierung. Die Droge wird legal verkauft, kommt aber vom Schwarzmarkt. Zudem gibt es keine Kontrolle, wer das Gras bekommt.

In Uruguay soll mit dem Gesetz gezielt der illegale Markt eingedämmt werden. «Das ist ein wichtiger Schlag. Das ist Geld, das nicht die Korruption alimentiert», sagt einer der Initiatoren des Legalisierungsgesetzes, Julio Calzada.

A man walks past the coffeshop

Coffeeshop in Amsterdam: In den Niederlanden ist der Verkauf von Marihuana nicht staatlich organisiert. Bild: KEYSTONE

Wie kam es zur Legalisierung?

Der damalige Staatschef José Mujica, ein früherer Guerillakämpfer, hatte die Initiative zur Legalisierung des Marihuana-Konsums 2012 angekündigt. Das Gesetz wurde Ende 2013 vom Parlament angenommen, es folgten lange Debatten über die Umsetzung des Verkaufs in Apotheken.

Das kleine Uruguay ist eines der progressivsten Länder Südamerikas – es hat neben der liberalen Drogenpolitik zugleich eines der weltweit strengsten Raucher-Gesetze und in dem Kontext einen millionenschweren Musterprozess gegen den US-Tabakriesen Philip Morris gewonnen.

Wie funktioniert der Vertrieb?

In zunächst 16 ausgewählten Apotheken muss sich der Konsument mit seinem elektronischen Fingerabdruck identifizieren. Über einen zentralen Speicher des staatlichen Cannabis-Instituts (IRCCA) wird der Verkauf von wöchentlich bis zu zehn und monatlich bis zu 40 Gramm pro Person genehmigt. Die beiden Marihuana-Unternehmen dürfen zwei Tonnen Gras pro Jahr produzieren, mit jeweils rund 15'000 Pflanzen.

Wird damit der illegale Markt zerstört?

Nein. Die Anzahl der regelmässigen Konsumenten wird von der Regierung auf 55'000 Menschen geschätzt, mit einem Konsum von 26,5 Tonnen im Jahr, die vor allem aus dem benachbarten Paraguay nach Uruguay geschmuggelt werden.

Rund 40 Millionen Dollar pro Jahr verdienen Dealerbanden bisher. Bereits 2017 sollen den Drogenhändlern sieben Millionen US-Dollar an Umsatz entzogen werden. Nächstes Jahr sollen es dann 20 Millionen werden. Da nur vier Tonnen staatlich angebaut werden, wird es aber vorerst auch weiterhin illegalen Konsum geben. (cma/sda/dpa)

Ofe, Guuge, Tschoint: Wie sagst du eigentlich diesem Marihuana-Teil?

250 Millionen Menschen greifen zu illegalen Drogen

Video: srf

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sensenmaa 20.07.2017 07:13
    Highlight Gebt den Hanf endlich frei! Mittlerweile hibts genug Modell bei denen mann etwas abschauen kann.
    2 1 Melden
  • pistolpete 19.07.2017 20:17
    Highlight Danke Watson. Wenn alles stimmt, guter Artikel. Ab nach Uruguay...Allerdings haben wir Oldies in dieser Frage Verantwortung gegenüber Jugendlichen. Zuerst sollte die Prävention verstärkt werden, then legalize it.
    4 17 Melden
    • Valon Behrami 19.07.2017 21:16
      Highlight Durch eine Legalisierung kann die Prävention verstärkt werden.
      24 3 Melden
    • Kreasty 20.07.2017 08:26
      Highlight Dann viel Spass in Uruguay, da kannst dir den Artikel dann nochmals ganz genau durch lesen.
      2 2 Melden
  • giandalf the grey 19.07.2017 19:44
    Highlight Guter Ansatz, würde ich mich in der Schweiz aber leicht anders wünschen: Warum den Tourismus unterbinden? Warum den Staat nicht noch ein bisschen dran verdienen lassen wie beim Alkohol? Wozu die ganze Bürokratie?
    Mir gefällt aber vor allem die staatliche, überwachte Produktion. Ich denke man könnte dem Schwarzmarkt auch schon bei nur leicht günstigeren Preisen mit viel besserer Qualität und viel leichterem/ weniger heimlichtuerischem Zugang ordentlich die Existenzgrundlage ruinieren.
    38 3 Melden
  • dmark 19.07.2017 19:19
    Highlight Hmm, ich brauche einen Brieffreund in Uruguay... ;)
    Scherz beiseite - das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.
    41 4 Melden
  • Valon Behrami 19.07.2017 19:16
    Highlight Das sollten wir hier auch so machen.

    LEGALIZE IT!
    48 6 Melden
    • Triumvir 19.07.2017 19:52
      Highlight Nein. Solange unsere unmittelbare Nachbarn nicht mitziehen, wäre das nicht besonders schlau... Legalisierung finde ich ok, aber bitte keinen Alleingang!
      4 55 Melden
    • phreko 19.07.2017 19:56
      Highlight @Triumvir, warum kein Alleingang?
      28 5 Melden
    • Triumvir 19.07.2017 20:10
      Highlight @phreko: ganz einfach: gewisse Kantone haben schon einmal eine quasi Legalisierung im Alleingang ausprobiert (zB Kantone BL & BS - Stichwort Duftsäcklein-Verkauf) die unangenehmen Folgen waren u.a. eine Zunahme der organisierten Kriminalität. Verbunden mit unaufgeklärten Tötungsdelikten! (habe ich selber erlebt). Deshalb bin ich gegen jeglichen Alleingang!
      5 41 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • bingbangbong 19.07.2017 19:09
    Highlight Für die, die Vice kennen oder sonst einfach weiter interessiert sind... Viel spass!
    5 8 Melden
  • Birdie 19.07.2017 18:50
    Highlight Genial!

    So sollte es überall sein. Das Geld wird den kriminellen Banden entzogen, die Qualität der Droge ist kontrolliert und der Staat macht einen Gewinn, den man in Aufklärung, Bildung oder das Gesundheitssystem investieren kann. Wenn dies mit Gras funktioniert (muss sich erst noch weisen die nächsten Jahre), könnte man es vielleicht sogar um ein paar andere Drogen erweitern. Gewinnen tun so alle ausser die Kriminellen und mehr Süchtige würde es auch nicht geben, wenn man dann das Geld in Prävention investiert.
    66 4 Melden
    • User_Dave 19.07.2017 19:07
      Highlight Ausserdem gibt es weniger Geschädigte, da die Droge nicht gestreckt wird
      46 5 Melden
  • Hugo Wottaupott 19.07.2017 18:41
    Highlight Gebt das Uruguay frei!
    41 5 Melden
  • kEINKOmmEnTAR 19.07.2017 18:39
    Highlight Ich verstehe zwar nicht wieso nicht auch der gewerbemässige Weiterverkauf in unbegrenzten Mengen erlaubt wird, jeder soll doch genug alt sein zu entscheiden ob er sich den potenziellen Risiken aussetzen möchte oder nicht.
    21 5 Melden
    • meine senf 19.07.2017 19:26
      Highlight Besser so als gar nicht. Muss ja nicht für immer so bleiben, als erster Schritt aber sicher zu begrüssen. Nur die Maximalvariante zu fordern, trägt oft nur dazu bei, dass der Status Quo beibehalten wird (siehe Droleg-Initiave).

      Ich würde ja einen Mittelweg analog Alkohol begrüssen: Grundsätzlich frei handelbar, aber mit Steuern, Qualitätskontrollen und Altersbeschränkungen.

      Wenn es in Uruguay etwas selbstverständlicher geworden ist und sich herausstellte, dass das Land deswegen nicht unterging, werden sicher bald die ersten einen Abbau der aufwändigen Bürokratie fordern.
      20 2 Melden
    • kEINKOmmEnTAR 19.07.2017 20:21
      Highlight Ich sage nicht dass ich die Zwischenschritte nicht begrüsse, ich sage nur dass ich nicht verstehen kann wieso Drogen überhaupt jemals verboten wurden.
      14 2 Melden

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