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The entrance of a tunnel connected to the Altiplano Federal Penitentiary and used by drug lord Joaquin 'El Chapo' Guzman to escape, is seen in Almoloya de Juarez, on the outskirts of Mexico City, July 12, 2015. REUTERS/PGR - Attorney General's Office/Handout via Reuters

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Aus diesem Tunnel entkam der mexikanische Drogenboss «El Chapo». Bild: HANDOUT/REUTERS

Drogenboss «El Chapo» trat in Hungerstreik, damit er durch den Fluchttunnel passte

Der Tunnel war 1,5 Kilometer lang, mit Treppen, Belüftung, Beleuchtung – und einem Motorrad auf Schienen: «El Chapo», einer der mächtigsten Drogenbosse der Welt, ist aus seinem Gefängnis in Mexiko getürmt. So gelang ihm die Flucht.

Klaus Ehringfeld, Mexiko-Stadt



Ein Artikel von

Spiegel Online

Um 20.52 Uhr an diesem Samstag zeichneten die Überwachungskameras die vielleicht letzten Bilder von Joaquin Guzmán auf. Wie üblich ging der 58-Jährige an diesem Abend in seiner Zelle der Haftanstalt El Altiplano in den Duschbereich, der nicht bis in jede Ecke mit Kameras ausgeleuchtet ist.

Durch diesen Tunnel brach Drogenboss El Chapo aus dem Gefängnis

Als der wichtigste, bekannteste und vielleicht auch gefürchtetste Häftling Mexikos dann längere Zeit nicht wieder im Radius der Überwacher auftauchte, wurden Schliesser in seine Zelle entsandt. Als sie die Tür öffneten, war «El Chapo» – «der Kurze» – nicht mehr da. Genannt wird er so wegen seiner Grösse von 1,55 bis 1,68 Metern, die genauen Angaben darüber schwanken.

Am Sonntagmorgen gab der Chef der Nationalen Sicherheitskommission, Monte Alejandro Rubido, Details der spektakulären Flucht bekannt. Guzmán sei durch ein insgesamt 1,5 Kilometer langes Tunnelsystem entkommen. Dieses habe über Treppen, Belüftung, Beleuchtung und ein auf Schienen geschraubtes kleines Motorrad verfügt, über das Werkzeuge und Erde transportiert wurden. Der Gang habe zu einem Rohbau ausserhalb der Gefängnismauern geführt.

FILE - In a Thursday, Feb. 14, 2013, file photo, a poster displayed at a Chicago Crime Commission news conference in Chicago, shows Joaquin ``El Chapo'' Guzman, who was deemed Chicago's Public Enemy No. 1.   In a scheme befitting a caper movie, Mexico's most powerful drug lord, Joaquin

Bild: M. Spencer Green/AP/KEYSTONE

Fasten für die Flucht

Der Eingang in das Fluchtsystem im Duschbereich war kaum 50 mal 50 Zentimeter gross. Möglicherweise hatte der Hungerstreik von Guzmán und mehreren anderen Häftlingen in El Altiplano zu Jahresanfang nur den Sinn, dass der Drogenboss die Passform für den Fluchttunnel erlangt. Offiziell beschwerten sich die Insassen gegen die angeblich unmenschlichen Haftbedingungen in der Anstalt.

In dem Gefängnis sitzen alle grossen und wichtigen Drogenbosse des Landes ein. Zudem wartet dort der Bürgermeister von Iguala, José Luis Abarca, Hauptverantwortlicher für die Ermordung der 43 Studenten von Ayotzinapa, auf seinen Prozess.

Kaum 17 Monate hielt Guzmán es dieses Mal hinter Gittern aus, bevor er aus der vermeintlich unknackbaren Gefängnisfestung floh. Ein Kunststück, das ihm bereits 2001 im Gefängnis Puente Grande im Bundesstaat Jalisco gelang. In den Jahren dazwischen baute er das Sinaloa-Kartell zu der Organisation aus, die sie heute ist: die mächtigste Mafia-Organisation in Mexiko und Lateinamerika und eine der fünf mächtigsten weltweit.

Die Flucht aus El Altiplano, 90 Kilometer westlich von Mexiko-Stadt, dürfte die Legende füttern, dass in Mexiko das organisierte Verbrechen allmächtig ist und gerade die als Wohltäter verehrten Bosse wie Guzmán nicht zu fassen sind. Schon heute gibt es zahlreiche Balladen, die seinen Aufstieg aus armen Verhältnissen zum zeitweise meistgesuchten Kriminellen der Welt preisen. «El Chapo», der Name steht nun für den einzigen Schwerverbrecher der Welt, dem es gelang, zwei Mal aus Hochsicherheitshaftanstalten auszubrechen.

Guzmán, der in einem Bergdorf im rauen Nordwesten Mexikos in einfachen Verhältnissen aufwuchs, sammelte mit seinen Machenschaften ein Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar an. Er stieg zum mächtigsten Drogenboss der Welt auf. Das Sinaloa-Kartell hatte seine Tentakeln in mehr als 40 Staaten auf der ganzen Welt ausgestreckt und investierte die Gewinne aus dem Drogenschmuggel in der legalen Wirtschaft.

Gleichzeitig baute Guzmán in seinem Heimatstaat Schulen und Krankenhäuser, vergab Stipendien und verteilte nach Naturkatastrophen schneller Hilfspakete als der Staat. Für viele war er deswegen vor allem Wohltäter. Als er im Februar 2014 verhaftet wurde, protestierten Hunderte für seine Freilassung.

Grossalarm, Strassenkontrollen, Autobahnsperrungen

Wenige Stunden nach Guzmáns Flucht gab die Nationale Sicherheitskommission die Pressemitteilung 363 heraus. Es ist eine jener Erklärungen, die jede Regierung der Welt vermeiden möchte: «Als sich die Flucht des Häftlings Guzmán Loera bestätigte, wurde das entsprechende Sicherheitsprotokoll aktiviert», heisst es darin in bestem Behörden-Spanisch.

Mit anderen Worten: Grossalarm, Strassenkontrollen, Autobahnsperrungen. Selbst der Flughafen der nahen Grossstadt Toluca wurde geschlossen, falls Guzmán in einem seiner Learjets davoneilen wollte.

Dass man seiner schnell wieder habhaft wird, ist wenig wahrscheinlich. Wer die Flucht aus dem sichersten aller Hochsicherheitsgefängnisse Mexikos plant, braucht dafür zum einen Helfer drinnen und Unterstützer draussen und wird zum anderen auch das Untertauchen in Freiheit genau durchdacht haben. Zumal in einem Land, in dem man bei den Sicherheitsbehörden oft nicht weiss, ob sie für den Staat oder das organisierte Verbrechen arbeiten.

«Die Flucht belegt, wie tief die Korruption den mexikanischen Staat durchdrungen hat», sagt der Kriminalitätsexperte Edgardo Buscaglia. «Und sie zeigt, dass Präsident Enrique Peña Nieto daran nichts hat ändern können.»

Tatsächlich ist es der härteste Schlag für die Regierung von Peña Nieto in den zweieinhalb Jahren seiner Amtszeit. In dieser Zeit gelang es ihm und seinen Sicherheitskräften nicht nur, Guzmán festzunehmen, sondern fast alle Köpfe der anderen grossen Kartelle von Zetas bis Tempelritter zu ergreifen oder zu töten. Nieto bezeichnete Guzmáns Flucht denn auch als «Schande für den mexikanischen Staat».

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