International

Projekt «Locust»: US-Marine will Drohnen-Schwärme in den Kampf schicken

Die US-Marine setzt auf Schwarm-Technologie: Dutzende Mini-Drohnen sollen gleichzeitig starten und Feinde überwältigen. Doch ob das Programm jemals einsatzreif wird, ist fraglich.

16.04.15, 10:25 16.04.15, 10:39

Markus Becker

Ein Artikel von

Denkt sich das US-Militär ein neues Projekt aus, gibt es meist eine griffige Abkürzung. Böse Zungen behaupten gar, dass jemand zuerst die Abkürzung festlegt und erst dann den eigentlichen Titel des Projekts. So könnte es auch bei «Locust» («Heuschrecke») geschehen sein, kurz für «Low-Cost UAV Swarming Technology». Ziel des Programms der US-Marine: Mini-Drohnen, die im Schwarm starten «und den Gegner autonom überwältigen», wie es in einer Mitteilung der Marine-Forschungsabteilung Office of Naval Research (ONR) heisst.

Die Technologie sei im März bei mehreren Tests erfolgreich demonstriert worden. So seien Kleindrohnen des Typs «Coyote», ausgestattet mit unterschiedlichen Sensoren, gestartet worden. Zudem hätten neun Drohnen einen vollständig autonomen Formationsflug absolviert. «Dieses Niveau autonomen Schwarmfliegens wurde noch nie zuvor erreicht», behauptet ONR-Programmmanager Lee Mastroianni.

Zwar ist es nicht neu, dass Drohnen in Formation fliegen. Derartiges hat etwa die University of Pennsylvania schon 2012 auf spektakuläre Art demonstriert. Allerdings wäre es noch einmal etwas anderes, wenn unbemannte Flieger sich im militärischen Einsatz spontan automatisch auf neue Situationen einstellen könnten.

Die Versuche seien «ein wichtiger Schritt» auf dem Weg, im nächsten Jahr weitere Tests auf Schiffen vorzunehmen, sagte Mastroianni. Dort sollen dann 30 kleine Drohnen in schneller Folge gestartet werden und untereinander Informationen austauschen. Das soll die Fluggeräte dazu befähigen, autonom bei «offensiven oder defensiven Missionen» zu kooperieren.

In einem Video des ONR ist zu sehen, wie «Coyote»-Drohnen aus Röhren in die Luft geschossen werden und dann ihre Flügel entfalten. In der Szene, die anschliessend den autonomen Formationsflug zeigen soll, sind aber andere Flugkörper zu sehen: Ihre Flügel unterscheiden sich deutlich von denen der «Coyote». Danach kommt eine Simulation, die offenbar zeigen soll, wie die kleinen Drohnen gemeinsam Ziele identifizieren, die dann aus der Ferne beschossen werden.

LOCUST Video: Youtube/usnavyresearch

Eher automatisch als autonom 

Bisher ist lediglich die Rede davon, dass die Mini-Drohnen mit unterschiedlichen Sensoren bestückt werden sollen. Denkbar erscheint allerdings auch, dass bewaffnete Versionen mitfliegen – etwa Winzlinge mit Sprengkopf wie die «Switchblade»-Drohne.

Ob ein solcher Schwarm aber jemals im echten Einsatz fliegen wird, erscheint keinesfalls sicher. «Die Nutzlast dieser Drohnen kann nur entweder aus einem Infrarot- oder einem optischen Sensor bestehen», sagt ein Branchen-Insider. Zudem könnten die Flugkörper offenbar nicht landen, seien also nur für den Einweg-Gebrauch gedacht. Das dürfte die Kosten in die Höhe treiben – auch wenn das ONR das Gegenteil behauptet: «Selbst Hunderte kleiner, autonomer unbemannter Flugkörper kosten weniger als ein einziges taktisches Flugzeug.»

Fraglich sei auch, wie autonom die Drohnen tatsächlich sind. Die Verwendung des Begriffs sei in diesem Zusammenhang eher ein Marketing-Gag, meint der Branchenexperte: «Ein automatischer, vor dem Flug programmierter Flugkörper ist nicht autonom.» Zudem ist das US-Militär schon vor Jahren mit einem ähnlichen Projekt namens «Locass» gescheitert. Hier sollten zahlreiche kleine Flugkörper feindliche Panzer angreifen und zerstören. Doch zur Einsatzreife hat es das Programm nie geschafft.

Die US-Navy gibt sich diesmal optimistisch: «Unbemannte Flugkörper, die verbraucht und rekonfiguriert werden können, werden bemannte Flugzeuge und traditionelle Waffensysteme entlasten», heisst es in der ONR-Mitteilung. So könne man «die Kampfkraft vervielfachen, bei gleichzeitig sinkendem Risiko für den Soldaten».

Mehr zum Thema: Die besten Drohnenbilder 2014

Drohnenbilder von Visual-Aerials

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Der Rassistin das Maul gestopft – «Ich bin einfach nur ein N**** mit Geld»

Emmit Walker ist ein Musikmanager aus Washington, der am Flughafen in Virginia in einer Schlange steht, um an Bord seines Flugzeugs zu kommen. So weit so gut, aber ...

Vergangenes Wochenende versucht eine Frau, sich an Walker vorbeizudrängeln. Ein dunkelhäutiger Mann in der Schlange für Priority Passagiere? Da wird sich der Mann wohl falsch eingereiht haben, findet sie. Walker lässt die Frau eiskalt abblitzen und dokumentiert die Auseinandersetzung auf Facebook.

«Entschuldigung? Ich glaube, …

Artikel lesen