International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Migrants sit together after waking up while the rest sleep on the rocky beach at the France's Mediterranean boarder with Italy near Menton, southeastern France, Monday, June 15, 2015. French border police blocked border crossings last week, citing the influx of migrants, principally from Eritrea and Sudan, and about 200 would-be refugees have refused to leave the rocks of Ventimiglia, Italy, just a few kilometers from the swank resorts of Nice and Saint-Jean-Cap-Ferrat on the French Riviera. (AP Photo/Lionel Cironneau)

Frankreich macht die Grenzen dicht Bild: Lionel Cironneau/AP/KEYSTONE

Frankreich und Italien zoffen sich wegen Flüchtlingen. Wer bei diesem Streit wohl die Leidtragenden sind?

15.06.15, 20:38


Frankreich hat die Zurückweisung von Flüchtlingen an der französisch-italienischen Grenze verteidigt. «Italien muss sich um sie kümmern, das ist das europäische Recht», sagte Innenminister Bernard Cazeneuve am Montag.

Er verwies auf die sogenannten Dublin-II-Regeln, wonach Asylanträge in dem Land bearbeitet werden müssen, über das ein Flüchtling in die EU eingereist ist. Französische Polizisten halten seit mehreren Tagen Flüchtlinge an der Grenze nahe Nizza davon ab, nach Frankreich einzureisen.

Cazeneuve betonte, es handle sich um keine Blockade der Grenze. «Wir stehen einem Migrationsphänomen gegenüber, dessen Ausmass im Vergleich zu den Vorjahren beispiellos ist», sagte er dem französischen Sender BFMTV. «Wir haben seit Anfang des Jahres 8000 Grenzübertritte gehabt, wir haben etwa 6000 Personen nach Italien zurückgeschickt.»

epa04799415 French far-right Party demonstrate against migrants at the Franco-Italian border near Menton, southern France, 14 June 2015. More than 150 migrants who wished to cross the border have been blocked by the French and Italian police. The European Commission proposed in late May that 40,000 asylum seekers be relocated from Italy and Greece over two years. The plan foresees the largest groups of asylum seekers going to Germany and France, based on a calculation involving EU countries' population sizes, unemployment rates, wealth and existing refugee intake rates.  EPA/SEBASTIEN NOGIER

Nationalistische Aktivisten demonstrieren gegen die Flüchtlinge Bild: SEBASTIEN NOGIER/EPA/KEYSTONE

«Faustschlag in das Gesicht Europas»

Italiens Regierungschef Matteo Renzi warf Cazeneuve daraufhin vor, mit seinem Vorgehen verstosse der Innenminister gegen den Grundsatz, dass «die Europäer sich gemeinsam um das Problem der Einwanderer kümmern müssen».

Italien verlangt eine Änderung der europäischen Asylregeln, das Land fühlt sich mit dem Ansturm von Flüchtlingen über das Mittelmeer alleingelassen.

Innenminister Angelino Alfano nannte die Situation am Grenzübergang Ventimiglia einen «Faustschlag in das Gesicht Europas».

«Diese Leute wollen nach Europa, nicht nach Italien. Diese Bilder bringe ich morgen mit zum Innenministertreffen nach Luxemburg», sagte Alfano dem Sender Raitre. Die EU-Innenminister beraten am Dienstag in Luxemburg über die Flüchtlingspolitik.

epa04800910 A stranded migrant waits at the Franco-Italian border near Menton, southern France, 15 June 2015. More than 150 migrants who wished to cross the border have been blocked by the French and Italian police. The Italian and French governments traded barbs over a decision by France to send back dozens of asylum seekers who had tried to cross into its territory from Italy, fueling European tensions on migration.  EPA/SEBASTIEN NOGIER

Bild: SEBASTIEN NOGIER/EPA/KEYSTONE

Hunderte auf Bahnhöfen in Rom und Mailand

Italien sieht kein Ende des Flüchtlingsnotstands. Besonders schwierig ist nach wie vor die Lage auf den Bahnhöfen von Rom und Mailand, auf denen Hunderte Migranten festsitzen. 380 afrikanische und syrische Flüchtlinge werden zurzeit im Mailänder Hauptbahnhof versorgt. Sie warten auf Möglichkeiten, um in Richtung Nordeuropa weiterzureisen, wie italienische Medien am Montag berichteten.

Hunderte Afrikaner sitzen an Roms Bus- und Fernreisebahnhof Tiburtina fest, wo sie auf ein Ticket für die Weiterreise hoffen. Die Gemeinde Rom richtete ein Zeltlager für die Flüchtlinge ein, die in den letzten Tagen im Freien übernachtet und damit Protest der Anrainer ausgelöst hatten, die über schlechte hygienische Zustände klagten.

In Italien befinden sich derzeit 76'000 Migranten in Aufnahmezentren, die völlig überlastet sind. Die EU-Kommission will Italien und Griechenland entlasten und Zehntausende Flüchtlinge aus beiden Ländern auf andere Mitgliedstaaten verteilen. In den beiden Ländern kommen die meisten Bootsflüchtlinge aus Afrika an. (jas/sda/dpa/apa)

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 16.06.2015 17:53
    Highlight Prinzipiell fragt man sich wo die Konzepte sind. Zumindest wenn der Eindruck stimmt, dass es eine Zunahme von Zuwanderung und Asylgesuchen gibt und das von vielen auch befürwortet wird.
    Leider wird die Debatte fast nur mit Pro-Emotionen und Contra-Emotionen geführt. So als ob man nur, um die Pro-Fraktion zu adressieren, anhand berührender Einzelschicksale sein Herz öffnen müsse, um alle Probleme zu lösen. Als ob es nur um Einzelfallentscheidungen geht.
    Es gibt ja bereits Instrumente wie man fördert und versorgt, nur scheinen die alle an ihre Grenzen zu stossen, vor allem finanziell.
    0 0 Melden

Migranten in Italien: Hass, Hetze und Gewalt

In Italien häufen sich die Attacken auf Menschen mit dunkler Haut. Der Staatspräsident spricht von «Barbarei», Kirchenmänner von «Rassismus» – die Regierung hält Berichte dazu für erfundenen «Unsinn».

Er habe «nur die Waffe ausprobieren» wollen, sagte der frühere Senatsangestellte zu den schrecklichen Ereignissen an jenem 17. Juli in Rom. Der Mann hatte auf ein 13 Monate altes Baby gefeuert, das Kind einer Roma-Familie wurde verletzt. Es sind Fälle wie diese, die Italien in diesem Sommer bewegen – und für eine heftige Rassismusdebatte gesorgt haben.

Seit Wochen schon werden in dem Land Migranten attackiert, vor allem solche mit schwarzer Haut. Es sind längst nicht nur Beleidigungen. Immer …

Artikel lesen