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Flüchtlinge an slowenisch-österreichischer Grenze: In der Kälte

Das deutsche Bundesland Bayern klagt über Österreichs Verhalten in der Flüchtlingskrise, Wiens Behörden zeigen nun mehr Härte: Hunderte Migranten sitzen zwischen slowenischer und österreichischer Grenze fest. Sie harren im Freien aus.

27.10.15, 12:33 27.10.15, 12:58

Vom Krieg vertrieben und zu Fuss auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft

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Im Niemandsland zwischen slowenischer und österreichischer Grenze sitzen Hunderte Menschen fest. Sie seien von slowenischen Soldaten direkt an die Grenze geschickt, dort aber abgewiesen worden, sagten mehrere Flüchtlinge.

Die Migranten mussten die Nacht im Freien verbringen. Sie erhielten nach eigener Aussage weder Nahrung noch Wasser. Um sich vor der Kälte zu schützen, entzündeten sie Lagerfeuer.

In der eingezäunten Menschenmenge waren viele Familien mit kleinen Kindern. Wiederholt riefen die Flüchtlinge im Sprechchor: «We want go!» (Wir wollen gehen!). Direkt an der Grenze trafen sich am Morgen jeweils zwei slowenische und österreichische Offiziere und sprachen über die angespannte Situation.

Scharfe Kritik an Österreich

Die bayerische Staatsregierung warf Österreich fahrlässigen Umgang mit den Flüchtlingen vor. Ministerpräsident Horst Seehofer forderte von Wien ein Ende der «Politik des Durchwinkens». Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse in einem Gespräch mit ihrem österreichischen Amtskollegen Werner Faymann dafür sorgen, dass die «Politik der offenen Grenzen» beendet werde.

Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann warf den österreichischen Behörden rücksichtsloses Verhalten vor. «Da wird nur auf möglichst schnellen Durchzug geschaltet, und das können wir so nicht akzeptieren», sagte der CSU-Politiker dem Bayerischen Rundfunk.

Hermann sagte, Österreich bringe ohne Vorankündigung Tausende Flüchtlinge an die bayerische Grenze und sei bisher zu keiner Zusammenarbeit bereit. «Ich habe das so mit Österreich noch nie erlebt.» Falls sich dies nicht grundlegend ändere, «dann müssen wir in der Tat, auch zum Schutze der Bundesrepublik Deutschland, auch zum Schutz unserer inneren Sicherheit, an der Grenze noch wesentlich restriktiver verfahren».

Nach Angaben der Bundespolizei kamen am Montag allein in Passau und Umgebung rund 8000 Migranten an. Am frühen Abend habe man in Wegscheid auf einen Schlag 2000 Migranten versorgen müssen. «Wir konnten uns darauf nicht vorbereiten», sagte der Sprecher der Bundespolizei in Bayern, Frank Koller. Von den österreichischen Behörden habe es keine Vorwarnung gegeben. Dabei seien die Flüchtlinge vermutlich mit Bussen zur deutschen Grenze gefahren worden.

Die Polizei brachte die Hälfte der 2000 Neuankömmlinge in die Niederbayernhalle nach Ruhstorf, die andere Hälfte wurde in Passau untergebracht. Am Dienstag sollen die Asylbewerber in Erstaufnahmeeinrichtungen bundesweit verteilt werden.

Serbiens Premier ist optimistisch

Nicht nur in Slowenien, auch in anderen Staaten entlang der Balkanroute sitzen derzeit Flüchtlinge fest. Auch an der serbisch-kroatischen Grenze standen viele Menschen in der Kälte. Laut der kroatischen Regierung kamen 13'000 Flüchtlinge aus Serbien ins Land – innerhalb von nur 24 Stunden.

Der serbische Premier Aleksandar Vucic zeigte sich trotz der zähen Verhandlungen innerhalb der EU-Staaten optimistisch. «Wir werden in den kommenden Wochen einige Ergebnisse erzielen», sagte er. «Es ist klar, dass wir diese Krise nicht innerhalb weniger Wochen oder Monate lösen können, aber die Situation wird sich nach und nach verbessern.»

(Weitere Hintergründe zur Balkanroute lesen Sie hier.)

syd/vks/dpa

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 27.10.2015 15:01
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