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Der belgische Atomreaktor Tihange.
Bild: OLIVIER HOSLET/EPA/KEYSTONE

Die Welt so: Umwelt retten! Belgien so: Atomreaktor rauffahren! – Trotz Sicherheitsbedenken

Wegen Sicherheitsbedenken war der belgische Atomreaktor Tihange 2 in der Nähe von Aachen abgeschaltet worden. Jetzt ging er wieder ans Netz – mit Hunderten Rissen im Reaktorbehälter und allen Protesten zum Trotz.

15.12.15, 03:32 15.12.15, 06:21

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Der belgische Atomreaktor Tihange 2 ist ungeachtet von Protesten aus Deutschland wieder hochgefahren worden. Das rund 70 Kilometer westlich von Aachen gelegene Kraftwerk sei am Montagabend um 21.21 Uhr ans Netz gegangen, teilte der Betreiber Electrabel mit. Die Wiederinbetriebnahme sei vollkommen sicher gewesen.

Der Reaktor war zuletzt im März 2014 wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet worden, nachdem Hunderte Haarrisse an den Reaktorbehältern entdeckt waren worden. Nach einer Überprüfung teilte die belgische Nuklearaufsichtsbehörde aber mit, dass es sich dabei um ein Problem handle, das keine Gefahr für die Sicherheit der Reaktoren darstelle.

Deutsche protestieren gegen den Atomreaktor (Oktober 2015).
Bild: STEPHANIE LECOCQ/EPA/KEYSTONE

Nordrhein-westfälische Politiker hatten die Pläne für das Wiederanfahren von Tihange 2 bereits im Vorfeld scharf kritisiert. Sie bezeichneten das Vorgehen der belgischen Behörden unter anderem als «russisches Roulette». Wie der WDR berichtete, simulierte der Krisenstab in Aachen am vergangenen Montag einen Störfall im Reaktor – inklusive der Verteilung von Jodtabletten an die Bevölkerung. Die Stadt habe dem Sender zufolge erfolglos die Option geprüft, die Inbetriebnahme mit rechtlichen Schritten noch abzuwenden.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) hatte die Pläne zur Wiederinbetriebnahme laut Rheinischer Post als bedrohlich und unverantwortlich kritisiert. Den nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) zitierte die Zeitung mit den Worten: «Diese gefährlichen Reaktoren müssen vom Netz. Angesichts der Gefährdungen, die von Tihange und Doel ausgehen, sind Laufzeitverlängerungen unverantwortlich.»

Belgien hat insgesamt sieben Reaktoren an den Standorten Doel und Tihange. Doel ist rund 150 Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernt. Im Zuge des geplanten Atomausstiegs sollen nacheinander alle Reaktoren an diesen beiden einzigen Standorten des Landes abgeschaltet werden.

Vor rund zwei Wochen hatte sich die Regierung Belgiens mit dem Energieversorger Electrabel allerdings auf die Verlängerung der Laufzeit der Reaktoren Doel 1 und Doel 2 bis 2025 geeinigt. Im Gegenzug will Electrabel in erneuerbare Energien investieren, um die Atomkraft ersetzen zu können. Die beiden Reaktoren in der Nähe von Antwerpen werden 2025 bereits 50 Jahre alt sein. (aar/dpa/AFP)

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 15.12.2015 09:30
    Highlight Die Atomkraft ist nur deswegen ökologisch sauber weil sich niemand die Konsequenzen aus Endlagerung vergegenwärtigt und die Folgen eines Unfalls schlicht nicht vorstellbar sind. Verdrängte Probleme sind keine Probleme - bis sie einen hart in's Gesicht knallen.
    4 2 Melden
  • _kokolorix 15.12.2015 06:40
    Highlight diese leute werden erst verstummen wenn in europa der nächste gau eintritt.
    ich hoffe nur, dass man sie dann erwischt und enteignet. das wird natürlich nix bringen, aber vielleicht verstehen die anderen dummschwätzer wenigstens diese botschaft.
    3 6 Melden
  • Gelöschter Benutzer 15.12.2015 06:31
    Highlight Ich denke wir Schweizer dürfen hier nicht kritisieren mit unseren Steinzeitreaktoren.
    Aber Doris sagt...isch alles guet...
    Da kann's ja nur gut sein.
    9 5 Melden
  • Wilhelm Dingo 15.12.2015 06:28
    Highlight Aus dem innenpolitisch zerrissenen Belgien bin ich mir nur Skandale gewöhnt. Höchste Zeit, dass die Schweiz hier Stellung bezieht und Massnahmen fordert.
    3 8 Melden
  • trio 15.12.2015 06:19
    Highlight das ist ungeheuerlich! Das Versprechen, dafür in erneuerbaren Energien zu investieren, ist ein Witz. Die Atomkraft ist total unrentabel, nur mit altersmüden Reaktoren lässt sich kurzfristig noch etwas Geld verdienen. Diese Zitrone wird bis zum letzten Tropfen ausgepresst, ungeachtet aller Sicherheitsbedenken. Leider ist es in der Schweiz genau das gleiche!
    8 8 Melden
  • Charlie Brown 15.12.2015 06:04
    Highlight Leider ist die Halbwertszeit von Erkenntnissen aus Nuklearkatastrophen deutlich kürzer als jene von Radionukliden.
    12 5 Melden

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