International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A group of coal miners hold Trump signs as they wait for a rally with Republican presidential candidate Donald Trump, Thursday, May 5, 2016, in Charleston, W.Va. (AP Photo/Steve Helber)

Minenarbeiter bei einem Wahlkampfauftritt von Donald Trump. Bild: AP/AP

Darum wird Trumps «Krieg» gegen grüne Energie und für Kohle scheitern

Die Trump-Regierung hat Strafzölle auf Solarmodule verhängt. Dabei geht es nicht nur um fairen Handel. Um die serbelnde Kohle zu stützen, werden die erneuerbaren Energien geschwächt. Diese Rechnung wird nicht aufgehen.



Kurz vor Donald Trumps Besuch am World Economic Forum (WEF) in Davos hat seine Regierung ihre Prioritäten verdeutlicht. Am Montag hat sie hohe Zölle auf den Import von Solarmodulen und Waschmaschinen vorab aus Asien verhängt. Begründet wurde die Massnahme mit angeblich unfairen Handelspraktiken. So subventioniert China den Export von Solarzellen.

Diese Massnahme entspricht ganz der «America First»-Doktrin des Präsidenten und hat manche ernüchtert, die sich von Trumps Auftritt in Davos eine konziliantere Haltung gegenüber dem freien Welthandel versprachen. Um Handelspolitik geht es aber nur vordergründig. Ins Auge fallen die Zölle auf Solarmodule. Sie deuten auf ein weiteres, energiepolitisches Motiv hin.

SALINA, UT - MAY 28: Piles of coal wait to be loaded into trucks at the Sufco Coal Mine, 30 miles east of Salina, Utah on May 28, 2014. The Sufco mine produces 30,000 tons of more environmentally friendly low sulfur coal a day which is delivered to coal-fired power plants throughout the western United States. On June 2 President Obama is expected to use his executive authority to issue an EPA regulation forcing coal-fired power plants to reduce carbon pollution.   George Frey/Getty Images/AFP
== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==

Ein Kohlebergwerk im Bundesstaat Utah. Mit der Branche geht es seit Jahren bergab. Bild: GETTY IMAGES NORTH AMERICA

Bereits im Wahlkampf setzte sich Trump für eine Renaissance der Kohle ein. Die Branche befindet sich seit Jahren im Niedergang, wofür der Präsident nicht zuletzt seinen Vorgänger Barack Obama verantwortlich macht. Er liess zahlreiche Umweltvorschriften rückgängig machen und im letzten Juni verkündete Trump mit Getöse den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen.

Etwas mehr Kohle gefördert

Die Bilanz seiner Fördermassnahmen zugunsten der «schönen, sauberen Kohle» (O-Ton Trump) ist nach seinem ersten Amtsjahr jedoch bescheiden. Zwar konnte die Kohleförderung gemäss dem Fernsehsender CNBC letztes Jahr um 3,6 Prozent gesteigert werden. Dafür verantwortlich aber seien in erster Linie die gestiegenen Preise für Erdgas und nicht die Politik der Regierung Trump.

Gleichzeitig kündigten im letzten Jahr 20 Kohlekraftwerke die Schliessung an. Neue sind nicht in Sicht. Die Zahl der Kohlearbeiter stieg leicht an, doch die jüngsten Zahlen vermelden wieder einen Rückgang. Langfristig zeigt der Trend klar abwärts. Während Mitte der 1980er Jahre noch mehr als 150'000 Personen in den Kohleminen arbeiteten, waren es letztes Jahr etwas mehr als 50'000.

Die Perspektiven für die Kohle bleiben düster. Das US-Energieministerium geht laut CNBC davon aus, dass die Produktion in den nächsten zwei Jahren um zwei Prozent sinken wird. Es beantragte deshalb bei der Stromregulierungsbehörde Subventionen für Kohlekraftwerke. Das Gesuch wurde abgeschmettert, obwohl vier der fünf Mitglieder des Gremiums von der Regierung Trump ernannt worden waren.

FILE - This Aug. 27, 2015, file photo shows a solar power array that is part of sustainability improvements at the Lamar Buffalo Ranch in Yellowstone National Park, Wyo. Renewable energy developers say they're hopeful about the future despite President-elect Donald Trump's promise to bring coal mining jobs back. In recent years, huge solar and wind farms have sprouted up on public desert land in the Western United States buoyed by generous federal tax credits. (Ryan Jones  /Jackson Hole News & Guide via AP, File)

In den USA entstehen laufend neue Solarkraftwerke, hier im Yellowstone-Nationalpark. Bild: AP/Jackson Hole News & Guide

Nicht die bösen Vorschriften der Obama-Administration setzen «King Coal» zu, sondern das billige Fracking-Gas und die erneuerbaren Energien aus Sonne und Wind. Weshalb Trump und die Republikaner im letzten Jahr versucht hätten, «die Uhr bei der Energie zurückzudrehen», so das Magazin «Politico». Fossile Brennstoffe sollten gegenüber Sonne und Wind bevorzugt werden.

Solarbranche ist entsetzt

Ein Versuch der Republikaner, die Steuergutschriften für Solar- und Windkraftwerke zu beschränken, scheiterte jedoch im Senat. Die Strafzölle auf importierte Solarmodule werden als weiterer Versuch interpretiert, den Vormarsch der «Erneuerbaren» zu stoppen. Die betroffene Branche reagierte auf den vermeintlichen Schutz nicht etwa begeistert, sondern entsetzt.

Der Branchenverband SEIA warnte vor dem Verlust von 23'000 Arbeitsplätzen, weil nun Investitionen im Solarbereich in Milliardenhöhe auf Eis gelegt würden. Obwohl viele US-Hersteller von Solarzellen wegen der Billigkonkurrenz aus Asien aufgeben mussten, hat der Boom bei den erneuerbaren Energien unter dem Strich zehntausende Jobs in der Planungs- und Bauwirtschaft oder in Kraftwerken geschaffen.

Höhere Löhne im Solarkraftwerk

Nicht nur in «grünen» Regionen wie Kalifornien, sondern auch in Hochburgen der Republikaner entstanden und entstehen zahlreiche Solar- und Windkraftwerke. Im erzkonservativen Cowboy-Staat Wyoming, einem Zentrum des Kohleabbaus in den USA, schiessen die Windräder wie Pilze aus dem Boden. Die relativ hoch gelegenen Prärien bieten dafür perfekte Bedingungen.

Den Wandel verkörpern Menschen wie der Energieunternehmer Jim Lamon. Jahrzehntelang baute er Kohlekraftwerke und spendete für die Republikaner und für Donald Trump. Heute setzt er auf Solarenergie. Entsprechend kritisch beurteilte er Trumps Zölle. Gegenüber dem Magazin «Time» argumentierte Lamon fast wie ein Sozialdemokrat: «Die Leute verdienen acht oder neun Dollar pro Stunde fürs Burgerbraten. Im Solarkraftwerk zahlen wir 18 Dollar.»

Für Jim Lamon sind die positiven Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima höchstens ein Nebeneffekt. Er ist ein knallharter Rechner und unterstützt die Bestrebungen der Regierung, die USA von Energieimporten unabhängig zu machen: «Wenn man jedoch die Fakten betrachtet, leuchtet es ein, warum die Kohle nicht zurückkehren wird.»

Im Weissen Haus ist diese Erkenntnis noch nicht angekommen. Die Strafzölle können dem Solarboom einen Dämpfer verpassen, aufhalten werden sie ihn nicht. Für «Politico» ist deshalb klar, dass Trumps «Krieg gegen die grüne Energie» zum Scheitern verurteilt ist.

Konzerne vs. Trump

Play Icon

Video: watson

Solarenergie aus dem Veloweg

WEF 2018

Auch Merkel kommt ans WEF nach Davos – trifft dort aber nicht auf Trump

Link to Article

«Die amerikanische Demokratie wird weitere sieben Jahre Trump nicht überleben»

Link to Article

Die Deutsche Bahn streikt am Montagmorgen

Link to Article

Dieses Foto brachte NZZ-Journalisten in die Zelle ++ Macron spricht über Zukunft Europas 

Link to Article

Festgenommener Journalist am WEF: «Ich musste alle Kleider ausziehen»

Link to Article

7 Gründe, weshalb Donald Trump sowieso nach Davos kommen sollte

Link to Article

Sein Finanzminister gibt Vorgeschmack auf Trump: «Werden in Wirtschaftsschlacht ziehen»

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

13
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • meine senf 25.01.2018 09:56
    Highlight Highlight Und das wegen 50'000 Leuten? Ich dachte immer, es geht da um Millionen von Stellen. 50'000 ist doch nichts für ein Land der Grösse der USA.
    Da hatte Deutschland mit den Kohleminen im Ruhrgebiet einen viel grösseren Wandel zu überstehen.
  • Trump's verschwiegener Sohn 24.01.2018 20:00
    Highlight Highlight Und was ist eigentlich das Problem mit nicht-amerikanischen Waschmaschinen? Können die Amis nicht selbst gute Waschmaschinen bauen? In Korea dürften die Löhne kaum tiefer sein als in den USA in dieser Branche.
  • sowhatopinion 24.01.2018 17:50
    Highlight Highlight Zu einfach! Ich denke Trump ist nicht per se gegen alternative Energiekonzepte, denn vielmehr versucht er sein Wahlversprechen die heimische Industrie zu schützen, einzulösen Letztlich ein Trugschluss. Vor Jahrzehnten wurden zum Schutz von GM, Ford, Kodak etc. Schutzzolle erhoben u. der heimischen TV, Foto- u teilweise Autoindustrie das Grab geschaufelt, Japan zugleich Innovationsweltmeister. Dieselgate war auch nur ein Wirtschaftskrieg gegen die Europäer, denn die gesamte Oeko-Bilanz eines neuen Diesels ist um Welten besser als EM's Tesla, d.h. America first gibts seit Jahrzehnten.
  • Dan Rifter 24.01.2018 17:46
    Highlight Highlight Strafzölle auf Solarmodule.

    Nuff said.
  • Domino 24.01.2018 17:30
    Highlight Highlight Solarkraft funktioniert nur zusammen mit sehr grossen Speicherkapazitäten (Batterien, Pumpspeicher, Wasserstoffherstellung) oder mit Kohle-, Wasser- und Atomstrom.
    Vor allem wird das praktisch unmöglich wenn ein grosser Anteil Akkufahrzeuge unterwegs sind.
    Deutschland hat seit der Energiewende kein Gramm CO2 gespart.

    Wer mehr darüber erfahren möchte empfehle ich den sehr fundierten Vortrag von Herr Sinn:
    Play Icon
    • Sandro Lightwood 25.01.2018 05:44
      Highlight Highlight Inwiefern rechtfertigt diese Argumentationsschiene Strafzölle auf Solarmodule?
    • meine senf 25.01.2018 10:01
      Highlight Highlight Warum sollten Akkus ein prinzipielles Problem sein? Lassen die sich nicht mit Solarstrom laden?

      Und mit in Überschusszeiten hergestelltem Wasserstoff könnte man doch Brennstoffzellen betreiben?
    • Domino 25.01.2018 12:48
      Highlight Highlight Es braucht Batterien von 130mio Teslas um die Stromproduktion von Deutschland zu glätten. Daher sehr unwahrscheinlich. In der Schweiz wären das ca 15mio akkus à ca 30’000.- = 450 Milliarden Franken = ca das BIP pro Jahr.
      Bei Wasserstoff sehe ich da das weitaus besseres Potenzial.

      Am besten das Wallis fluten und im Verbund mit dem lac Leman ein Pumpspeicherkraft machen. 😉
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sophia 24.01.2018 17:24
    Highlight Highlight "Diese Massnahme entspricht ganz der «America First»-Doktrin des Präsidenten und hat manche ernüchtert, die sich von Trumps Auftritt in Davos eine konziliantere Haltung gegenüber dem freien Welthandel versprachen."
    Das ist ja das eigentliche Problem dieser Welt, man will immer ans Gute glauben, nur bei Trump ist's vergleichbar wie beim Adolf selig, ihn muss man nicht beim Wort nehmen, sondern bei seinen Taten und die sind klar voraussehbar, was er sagt ist meist gelogen. Ich kann daher niemanden verstehen, der sich bei diesem Präs noch positive Hoffnungen machen kann.
  • Richu 24.01.2018 17:20
    Highlight Highlight Bin doch etwas überrascht dass watson-Journalist Blunschi keine Kenntnisse davon hat, dass die EU bereits im Jahre 2013 Strafzölle auf chinesische Solarmodule und Zellen eingeführt hat. Diese Handelsbarrieren hat die EU im Frühling 2017 um weitere 18 Monate verlängert. Hauptsächlich der Bonner Konzern Solarworld AG war hinter diesen Schutzmassnahmen gegen die chinesische Konkurrenz. Inzwischen ist die Solarworld AG, trotz den EU Strafzöllen, insolvent! Herr Blunschi, die EU macht das gleiche wie die Regierung Trump betr. Strafzöllen auf chinesische Solarmodule.
  • The Origin Gra 24.01.2018 16:07
    Highlight Highlight Man kann nur hoffen das der Amerikanische Markt das Regelt und Trumps Furzideen ins Leere laufen lässt
    • Papa Swappa 24.01.2018 16:33
      Highlight Highlight aus trumps fürzen könnte man sicher ein rentables methankraftwerk speisen...

Huawei-Finanzchefin in Kanada verhaftet – China protestiert

Die Finanzchefin des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei ist in Kanada verhaftet worden. Sie müsse mit einer Auslieferung in die USA rechnen. Für Freitag sei eine Anhörung angesetzt, ob Meng Wanzhou gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt werden könne.

Dies teilte das kanadische Justizministerium am Mittwoch mit. Meng Wanzhou sei am 1. Dezember in Vancouver festgenommen worden, hiess es weiter. Einem Bericht der Zeitung «The Globe and Mail» zufolge wird ihr zur Last gelegt, gegen …

Artikel lesen
Link to Article