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Ermordete Jo Cox: «Hass, der sich gegen unsere Abgeordneten richtet»

Trauer und Entsetzen in Grossbritannien über den gewaltsamen Tod der Abgeordneten Jo Cox. Das Motiv des Täters ist noch unklar – doch das Attentat wirft die Frage auf, ob sich britische Politiker künftig frei in ihren Wahlkreisen bewegen können.

christian teevs, London



Ein Artikel von

Spiegel Online

Warum tötete ein 52-jähriger Mann die Labour-Abgeordnete Jo Cox? In britischen Medien meldeten sich am Donnerstag mehrere Augenzeugen zu Wort, die den tödlichen Angriff beobachtet haben wollen.

Graeme Howard, ein 38-Jähriger, der in der Nähe des Tatorts im nordenglischen Birstall lebt, sagte dem «Guardian», der Angreifer habe «Britain First» gerufen, als er Cox angriff und als er verhaftet wurde – also den Namen einer rechtsextremen, islamfeindlichen Partei, die sich 2011 gegründet hat und sich als «Bewahrer der christlichen, britischen Werte» ausgibt.

epa05370163 A picture dated 12 May 2016 of British  Labour MP Jo Cox, who has died after being shot and stabbed in Bristall, in the street outside her constituency advice surgery. Cox, a mother of two was attacked by a man reportedly shouting 'Britain first' at lunchtime in Birstall, West Yorkshire. Jo Cox was airlfted from the attack scene to a hospital in Leeds where she later died. Cox has in recent weeks campaigned for the Remain camp. The Brits will vote on whether they want remain in the EU on 23 June.  EPA/YUI MOK / PA UK AND IRELAND OUT

Die ermordete Politikerin Cox galt als Zukunftshoffnung ihrer Partei.
Bild: EPA/PRESS ASSOCIATION

Mehrere Personen beschreiben übereinstimmend, der mutmassliche Täter habe auf Cox eingestochen und dreimal auf sie geschossen. Ein Schuss habe die Politikerin im Gesicht getroffen. Die 41-Jährige wurde mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus nach Leeds gebracht, wo sie am frühen Abend ihren Verletzungen erlag.

Die Polizei teilte mit, die Angaben der Augenzeugen würden untersucht. Das Motiv des mutmasslichen Attentäters sei unklar. Sollte sich bestätigen, dass er «Britain first» gerufen hat, könnte das auf einen politischen Hintergrund der Tat hinweisen.

Der tödliche Angriff auf Cox stoppte am Donnerstag jäh den Wahlkampf vor dem EU-Referendum. In einer Woche entscheiden die Briten darüber, ob sie in der EU bleiben wollen oder nicht.

Sowohl die Kampagne der Brexit-Befürworter «Vote Leave» wie auch die Gegenseite («Stronger In») teilte mit, alle politischen Aktivitäten an diesem Tag einzustellen. Premierminister David Cameron sagte einen Wahlkampfauftritt in Gibraltar ab und äusserte sich auf Twitter schockiert.

Cox hatte sich in den vergangenen Monaten wie die Mehrheit ihrer Parteifreunde für den Verbleib in der EU eingesetzt. Die Mutter von zwei Kindern gehörte erst seit einem Jahr dem britischen Parlament an, galt aber bereits als Hoffnungsträgerin der Labour Party und wurde als mögliche Ministerin gehandelt, sollten die Sozialdemokraten wieder die Regierung übernehmen.

Vor ihrer politischen Karriere arbeitete Cox für die Hilfsorganisation Oxfam und als Beraterin der Ehefrau von Ex-Premierminister Gordon Brown. Grossbritanniens Oxfam-Chef Mark Goldring sagte, die Organisation sei «schwer erschüttert»: «Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind in dieser furchtbaren Zeit bei Jos Familie

Ex-Europaminister Denis MacShane, ein langjähriger Labour-Politiker und Tony-Blair-Vertrauter, sagte SPIEGEL ONLINE, «der Hass, der sich gegen unsere Abgeordneten richtet», mache ihn krank. Die Drohungen und Einschüchterungsversuche gegen pro-europäische Politiker hätten massiv zugenommen.

MacShane wies darauf hin, dass britische Abgeordnete keinerlei Polizeischutz bekommen – selbst wenn sie bedroht würden. «Das ist unsere Tradition», sagte er. «Wir sind es gewöhnt, uns frei und ohne Leibwächter zu bewegen, sei es im Pub, beim Sport oder beim Bummeln durch die Stadt.»

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Jamie Cox: Eine Kämpferin für Frauenrechte. Video: reuters

In den vergangenen Jahren hatte es in Grossbritannien zwei brutale Angriffe auf Abgeordnete gegeben:

Auch MacShane hat beängstigende Erlebnisse hinter sich, erzählte er SPIEGEL ONLINE: «Einmal stürmte ein Mann auf mich zu und brüllte: ‹Ich bringe dich um!›». Die Polizei sei zum Glück schnell zur Stelle gewesen und habe den Mann abgeführt.

Laut MacShane hat der Hass auf Politiker beängstigende Ausmasse angenommen. «Ich hoffe inständig, dass sich herausstellt, dass es sich bei dem Täter um einen verwirrten Mann ohne politischen Hintergrund handelt.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • malu 64 17.06.2016 03:13
    Highlight Highlight Leider gibt es immer mehr dieser
    Idioten, die die Schuld des eigenen
    Versagens, auf die Politik abwälzen.
    11 4 Melden
    • Fabio74 17.06.2016 07:01
      Highlight Highlight angestachelt von jenen Kreisen, die andersdenkende mit Landesverräter und Ratten etc bezeichnen
      12 4 Melden
  • Scaros_2 16.06.2016 22:26
    Highlight Highlight Ob ihr Tot den Brexit verhindert weil man erkennt das nur radikale den Brexit wollen?

    Ich behaupte nicht das es nur radikale sind aber das Bild vermittelt die Tat ja!
    15 11 Melden
  • Der Zahnarzt 16.06.2016 20:01
    Highlight Highlight Auch bei uns gibt es Hetzer und Aufgehetzte. - Ein Blick in die Leserkommentare auf der Homepage der Weltwoche genügt, um dies zu erkennen.
    74 11 Melden
    • Raembe 16.06.2016 21:07
      Highlight Highlight Auch auf 20min teilweise
      51 7 Melden
    • wonderwhy 17.06.2016 01:51
      Highlight Highlight Es gibt Hetze und es gibt Kritik. Das sollte man nicht verwechseln.
      7 4 Melden
    • Fabio74 17.06.2016 07:03
      Highlight Highlight @wonderwhy: Korrekt.Aber wer Leute mit anderer Meinung beleidigt, der hetzt.
      8 3 Melden
    Weitere Antworten anzeigen

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